Gedanken und Anregungen für die Zeit bis Weihnachten und darüber hinaus
Stille Zeit
Nicht vom Geben, sondern vom Behalten werden wir krank.
Antoine de Saint-Exupéry 2)
Gott ist im Kommen
Man sagt, unsere westliche Welt befinde sich in einem nachchristlichen Zeitalter. Das Christentum sei nicht die prägende Weltanschauung, sondern eine von vielen. Doch könnte man das nicht auch anders sehen:
Unsere Welt erlebt einen Advent. Gott ist nicht weggegangen, Gott ist im Kommen. Lieben wir unsere Zeit, verlassen wir die klagende Defensive und vertrauen wir, dass Gott auch – und vielleicht gerade – heute kommen will.
Advent, das heißt: Gott kommt uns entgegen. Die Adventszeit kann uns dazu anregen, selbst kleine Schritte zu tun. Auf jemanden zugehen, der mich verletzt und enttäuscht hat: So kann ich erfahren, was Advent ist – dass Gott mir schon entgegengekommen ist.
Wolfgang Bader 1)
Der Stern
Der Stern ist da und leuchtet … auch die Sehnsucht nach Freiheit, nach Güte und Glück, auch das Bedauern, ein schwacher Mensch zu sein, ist ein Stern. Warum schieben wir Wolken davor? Wolken der Frustration oder der Enttäuschung über uns selbst? Lassen wir den Stern leuchten!
Er steht an meinem, an deinem Himmel, und auch unser Trotz und unsere Schwachheit löschen ihn nicht aus.
Nach Karl Rahner 2)
Stille
Etwas mehr Zeit zum Zeitlassen, etwas weniger Geschäftigkeit, etwas mehr Muße …
Das sagt sich leicht.
Und doch:
Schon wenige Minuten Stille am Tag Im Schein einer Kerze – Und der Anfang ist gemacht.
Peter Friebe 1)
Zeit der guten Vorsätze
Tänzer, Sportler, deren Bewegungen scheinbar mühelos vollkommene Abläufe zeigen, Harmonie und Anmut zum Ausdruck bringen, rufen in uns den Wunsch nach dem Vollkommenen wach. Jesus spricht davon, dass wir vollkommen sein sollen. Nicht in Disziplinen, die wir nicht beherrschen, sondern in dem, was wir alle können: im Lieben. Aber auch dazu braucht es Übung, Training. Ob uns der Advent dazu einladen kann, Schritt für Schritt die Bewegungen einzuüben, die in den Herzen unserer
Mitmenschen eine Spur der Güte hinterlassen, nach der sie sich sehnen. Übungen, durch die in uns der geboren werden kann, dem unser Mühen gilt … Es kommt auf den Versuch an.
Chiara Lubich 1)
Endlich!
Endlich ist Weihnachten, das Fest, auf das wir uns so lange vorbereitet haben! Vielleicht braucht es noch ein wenig, bis die richtige Weihnachtsstimmung und -ruhe aufkommt; die Adventszeit war doch ganz schön anstrengend, und heute sind vielleicht noch einige Besuche zu machen oder es wird lieber Besuch erwartet. Und die heiß erwünschte Weihnachtsgans schiebt sich auch nicht von selbst in den Ofen. Gerade dann, wenn es wieder hektisch zu werden droht, ist die Suche nach einem ruhigen Moment wichtig, nach dem Moment, in dem wir uns hineinfühlen in das, was Weihnachten ist und warum wir es feiern.
Gabriele Hartl 3)
1) aus: Gedanken … für die Zeit des Advents, Neue Stadt 2006
2) aus: Frohe Weihnachten!, Neue Stadt 2006
3) aus: Gedanken für die Weihnachtszeit, Neue Stadt 2011
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Dezember 2011)
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