Ganz oder gar nicht

Manche Entscheidungen werden von anderen als „ radikal“, entschieden, wahrgenommen, auch wenn man selbst das nur als logisch empfindet.

Natur pur!
Hedwig Daniel

Mit ihrem Mann Thomas wohnt die pharmazeutisch-technische Assistentin in Bad Tölz. Seit den 1980ern ist sie sensibilisiert, alles zu meiden, was die Umwelt belastet.
Treffen des „Bund Naturschutz“, zu denen mich Kollegen einluden, weckten in mir die Sensibilität für meine Umwelt. Einer aus der Ortsgruppe, der riesige Karotten erntete und eine Führung in einen Biobauernhof organisierte, überzeugte mich von der biologischen Landwirtschaft. Sie bedeutet Grundwasserschutz, denn alles, was auf die Erde drauf kommt, landet früher oder später in unserem Grundwasser (eine uns von Gott geschenkte Lebensgrundlage). Deswegen sammle ich oft an Fuß- und Radstrecken Weggeworfenes auf.
Unter dem hohen Flug- und Autoaufkommen leide ich sehr. Nicht nur CO2, sondern auch der Dreck bleibt in unserer Atmosphäre. Strecken von bis zu vier Kilometern legen wir zu Fuß zurück. Manchmal verzichten wir auf etwas, wenn es nur mit dem Auto erreichbar ist.
Wir haben einen Energieversorger, der keinen Atomstrom verwendet, und versuchen, möglichst viel Strom zu sparen, indem wir u.a. Wärmeenergie vom Kochen oder Bügeln gut auszunutzen.
Allen die Mikrowellen von Handys und WLANs zuzumuten, finde ich rücksichtslos. Erwiesenermaßen kommen wegen ihnen Giftstoffe durch die Gehirnschranke, mit unbekannten Folgen. Dabei gäbe es Alternativen!
Ich finde die Enzyklika „Laudato si“ sehr umfassend: Unser zügelloses Leben fördert soziale Ungerechtigkeit, den Klimawandel und verursacht in anderen Ländern Hunger und Not durch Dürre und Überschwemmungen. Wie kann ein Mensch als solcher leben, ohne sich darüber Gedanken zu machen?

Familie zuerst
Ute Ganserer
lebt mit ihrem Mann Peter und den vier Söhnen Paul, Jakob, Matteo und Lenz (acht bis vierzehn Jahre) in Bayrisch Gmain bei Bad Reichenhall.
Wenn es darum geht, wo wir entschieden leben wollen, dann im verantwortungsvollen Umgang mit unseren Söhnen. Deshalb bin ich bewusst nicht berufstätig. So kann ich da sein, wenn sie von der Schule kommen, sie begrüßen, mit ihnen aktiv sein. Meine Gegenwart eröffnet Räume zum Gespräch. Dafür bleibt auch im Haushalt mal was liegen. Und es bedeutet auch: bewusst einkaufen, selber kochen, gemeinsam Kuchen und Plätzchen backen, gut überlegen, wohin wir mit dem Auto fahren.
Natürlich suchen sich die Kinder ihre Nischen, auch zum Fernsehen. Aber danach sind sie unausgeglichen, nörgeln rum. So achten wir darauf, was und wie viel sie sehen; das Handy ist verschlüsselt. Man könnte sie auch am Computer lassen; es wäre dann ruhiger im Haus.
Zur Entscheidung für Familie gehört auch, am Abend zu Hause zu bleiben, mit den Kindern zu beten, mit ihnen über etwas zu reden. So ein gemeinsamer Abend ist sehr wertvoll. Genauso wie gemeinsame Skitouren oder Bergwanderungen am Wochenende. Und es heißt auch, die Beziehung mit Peter leben, gemeinsam die Dinge besprechen oder einen Abend bewusst miteinander gestalten.
Das bedeutet nicht, dass ich zu kurz komme. Am Vormittag habe ich meine Freiräume – da kann ich Sport machen, eine Meditation, etwas für mich. Auch als Mutter kann ich nicht nur durch den Tag rennen, muss selbst auftanken. So kann ich, wenn’s brenzlig wird, Gott mit reinholen. Wenn man die Sorgen abgibt, loslässt, ist man wieder frei für den nächsten Moment.
Ich find es wichtig, die Kinder zu begleiten, für sie da zu sein. Auch wenn andere das nicht nachvollziehen können, vielleicht belächeln. Aber ich bin sicher, so geben wir ihnen das Rüstzeug fürs Leben mit.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, März/April 2017)
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