Muss Demokratie Stickwerk bleiben?

Wer entscheidet? Die Frage stellt sich nicht nur im Bezug auf die Lenkung von Staaten, sie stellt sich überall, wo Menschen zusammen sind:  in der Familie, in der Firma, im Verein, in der Schulklasse, unter Freunden. Wie kommen sie zu Entscheidungen, mit denen möglichst alle Mitglieder leben können?

Zum Beispiel über demokratische Ordnungen, weil sie alle Beteiligten einbeziehen. Die Demokratie gilt als der beste Weg zum Ziel. Bisher. Immer mehr Menschen bekommen offenbar Zweifel daran. Die Demokratie hat Löcher bekommen. Dafür könnte symbolisch auch das Titelbild dieses Heftes stehen. Mit Nadel und Faden hat da jemand den Schriftzug geflickt. Sinnbild dafür, dass die Demokratie viele Mitarbeiter braucht. Erst dann ist sie vollständig, erst dann funktioniert sie wirklich, wenn alle in irgendeiner Form mit an ihr „sticken“.

Titelbild September/Oktober: Miriam Lochner/ elfgenpick unter Verwendung von (c) Devanath/ pixabay

Das ist herausfordernd. Es geht darum, wie das Miteinander zum Wohl aller gestaltet wird. In der Demokratie „mitspielen“ kann bedeuten, sich als Kandidat für die Kommunalwahl oder den Pfarrgemeinderat aufstellen zu lassen. Es kann aber auch einfach heißen, sich ehrenamtlich zu engagieren, seine Meinung einzubringen, wählen zu gehen oder sich um eine gute Nachbarschaft zu bemühen. Eine Voraussetzung ist, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, neben den eigenen Bedürfnissen auch die Notwendigkeiten anderer Leute und Interessengruppen mit auf dem Schirm zu haben oder sie ihnen zumindest nicht abzusprechen. Da ist die Bereitschaft gefragt, zuzuhören und verstehen zu wollen. Eine weitere Voraussetzung ist, informiert zu sein: über Kandidaten, über Sachverhalte; Hintergründe zu wissen, Argumente zu haben, um seine Haltung begründen zu können.
Gibt es immer mehr Spielverderber? Leute, die Politik gar nicht erst interessiert, obwohl sie wichtige Rahmenbedingungen setzt? Individuen, die sich nicht mehr als „Bürger“ verstehen? Weil sie die damit verbundenen Rechte für sich beanspruchen, die Pflichten aber nicht. Die keine Verantwortung übernehmen? Die nicht mitspielen, weil sie verlieren könnten, sich aber dann doch in die Siegermannschaft schmuggeln wollen?
Wenn ja, wird das mit ein Grund sein, warum die Demokratie Löcher bekommen hat. Es gilt, das ins Gespräch zu bringen. Es gilt, Überzeugungsarbeit zu leisten. Es gilt, daran zu arbeiten, dass die Chancen der Demokratie auch voll und ganz ausgeschöpft werden. Und Möglichkeiten zu finden, um unsere Demokratie den heutigen Anforderungen gemäß zu verbessern, sie zum Wohl der Menschen weiterzuentwickeln.

Herzlichst, Ihr
Clemens Behr

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(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September/Oktober 2017)
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