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		<title>Land Grabbing &#8211; Kampf um Land und Boden</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 19:13:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[gespräch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer mehr internationale Konzerne sichern sich große Landflächen in den Ländern des Südens: Dieses „Land Grabbing&#8221; raubt dort der Bevölkerung die Ernährungsgrundlage. Wir fragen den Agrarexperten Roman Herre nach Hintergründen und Konsequenzen. Die Welthungerhilfe sagt, 930 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen. Ist das Land für den Ackerbau knapp? Herre: Definitiv! Das sieht man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Immer mehr internationale Konzerne sichern sich große Landflächen in den Ländern des Südens:</em> <span id="more-3033"></span><em>Dieses „Land Grabbing&#8221; raubt dort der Bevölkerung die Ernährungsgrundlage. Wir fragen den Agrarexperten Roman Herre nach Hintergründen und Konsequenzen.</em></p>
<p><strong>Die Welthungerhilfe sagt, 930 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen. Ist das Land für den Ackerbau knapp?</strong><br />
Herre: Definitiv! Das sieht man schon daran, dass es in vielen Nationen Konflikte um Land gibt, um den Zugang zu Land, zu Wasser, gerade in Afrika. Die Gier privater Finanzinstitute und großer transnationaler Konzerne nach Land zeigt, dass es eine knappe Ressource ist.</p>
<p><strong>Was genau ist Land Grabbing?</strong><br />
Herre: Die enge Definition sagt, da kommen internationale Investoren, die der lokalen Bevölkerung den Boden unter den Füßen wegziehen. Durch diesen Akt des Landraubs wird das Recht auf Land direkt verletzt. Häufig ist es jedoch komplizierter, weil es eine Vielzahl von Akteuren und Auswirkungen gibt. In einer breiteren Perspektive ist Land Grabbing daher ein massiver Prozess, der die ländlichen Räume insbesondere im Süden verwandelt: von der bäuerlichen hin zu einer agrarindustriellen Landwirtschaft. Mit schwerwiegenden Folgen. Das wichtigste Problem für uns ist, dass die lokale Bevölkerung dabei übergangen wird.</p>
<p><strong>Ist das Phänomen wirklich neu?</strong><br />
Herre: Natürlich haben sich schon in den 70er-Jahren große Konzerne in Zentralamerika Land organisiert.<br />
Damals hatten Bananenproduzenten etwa 40000 Hektar Land über einen langen Zeitraum zusammengerafft. Heute aber sind die Dimensionen und die Geschwindigkeit, mit geschieht, viel massiver, und damit auch die Auswirkungen auf die Menschen vor Ort: Bei einem einzigen Geschäft wird bis zu einer Million Hektar Land transferiert. In den letzten Jahren gab es Pläne zu Käufen von zusammen über 200 Millionen Hektar Land. Das entspricht mehr als der Ackerfläche der gesamten Europäischen Union. Das sind riesige Dimensionen!</p>
<p><strong>Sind es Nationen und Firmen, die sich woanders Land holen?</strong><br />
Herre: Zunächst einmal wirken oft die nationalen Eliten in den betroffenen Staaten selbst mit. In Kambodscha gibt es Senatoren, die zusammen mit einem internationalen Konzern am Land Grabbing beteiligt sind.<br />
Dann gibt es die internationalen Akteure: Die arabischen Staaten und China, die in Afrika Land kauften, haben am Anfang die meiste Aufmerksamkeit erregt.<br />
Aber ich bin vorsichtig, wenn China oder Indien als die wildesten Akteure hervorgehoben werden. Ich will deren Rolle nicht schmälern, aber Studien zufolge stammen etwa 40 Prozent aller Finanzfonds, die in diesem Bereich investieren, aus Europa!</p>
<p><strong>Wofür brauchen diese Länder und Konzerne Land?</strong><br />
Herre: Sie brauchen es eben nicht für dessen eigentlichen Zweck &#8211; die Ernährung der Bevölkerung in den Hungerländern, sondern um hohe Renditen zu erzielen und ihr Geld abzusichern. Gerade in der Finanzkrise wollen viele Investoren ihr Geld dort anlegen, wo sie es für sicher halten. Selbst wenn Investitionen in die Landwirtschaft nicht die höchsten Renditen versprechen, gelten sie doch zumindest als sehr stabil. Da ist regelrecht ein Boom entstanden im Finanzsektor.</p>
<p><strong>Welche Nationen leiden unter dem Landraub?</strong><br />
Herre: Es passiert überall, auch in Deutschland, kaum ein Land ist ausgeschlossen. Dramatisch wird es allerdings dort, wo der armen Bevölkerung ihre letzte Ressource genommen wird, ihr einziger Besitz: das Land und der Zugang zum Wasser, um Nahrungsmittel anbauen zu können. Dort, wo der Hunger besonders dramatische Ausmaße hat, haben oft besonders viele Investoren Land gekauft.<br />
In Mosambik überstieg die von internationalen Investoren bei der Regierung angefragte Fläche schon 2009 die landwirtschaftliche Nutzfläche um das Zehnfache. Das heißt, es herrscht ein unglaublicher Druck auf die Regierung. Kambodscha und die Philippinen sind weitere „Hot Spots&#8221;, wo Land nicht an Landlose, an Kleinbauern vergeben wird, sondern an große Investoren.</p>
<p><strong>Was sind die Folgen für die Bevölkerung dieser Länder?</strong><br />
Herre: Es trifft die ländliche Bevölkerung, Randgruppen, die ärmsten Gruppen, die das Land weiträumig nutzen, Hirtenvölker und Nomaden zum Beispiel. Im schlimmsten Fall werden sie direkt vertrieben, mit Waffengewalt durch Polizei, Militär oder private Sicherheitskräfte, um Platz zu machen für große Plantagen.<br />
Etwa 43 der 53 afrikanischen Staaten sind mittlerweile extrem abhängig von Nahrungsmittelimporten. Die großen Konzerne haben kein Interesse, die arme Bevölkerung mit ihrer geringen Kaufkraft zu bedienen. Sie wollen die Ladentheken in Europa füllen, wo sie viel Geld verdienen können. Damit wird die lokale Nahrungsmittelproduktion zerstört, und die Abhängigkeit von Importen steigt weiter. Dabei sind die Kosten von Nahrungsmittelimporten für die ärmsten Länder seit 2005 um 250 Prozent gestiegen. Das lässt Strategien zur Hungerbekämpfung über den Weltmarkt völlig absurd werden.</p>
<p><strong>Kann sich die Bevölkerung nicht wehren?</strong><br />
Herre: Es gibt Beispiele, wo sich die Betroffenen zusammengetan haben. Aber meistens ist die ländliche Bevölkerung viel schwächer organisiert als die städtische. Dass sie Gehör findet bei ihren Regierungen oder auf internationaler Ebene, ist sehr schwierig. FIAN setzt sich aber gerade dafür ein.<br />
Wir waren vor kurzem auf einer internationalen Konferenz in Mali, wo ein Aktionsplan der Bauernorganisationen und ihrer Verbündeten beschlossen wurde. Ein Ziel war, eine globale Allianz der lokalen Bevölkerung, der nationalen ländlichen Bewegungen und der Nichtregierungsorganisationen gegen Pensionsfonds zu schaffen. Denn weltweit wollen immer mehr Pensionsfonds und Versorgungskassen in Land investieren, um Pensionsgelder anzulegen: eine fatale Entwicklung! In Mali wurde dazu aufgerufen, die Mitglieder dieser Pensionskassen für den Widerstand gegen diese Art der Investition zu mobilisieren, die Hunger schafft. Damit können wir bei uns die Aktionen der betroffenen Menschen unterstützen.</p>
<p><strong>Was sind die tieferen Ursachen? Müssen wir letztlich unsere Konsumgewohnheiten ändern?</strong><br />
Herre: Zunächst sollten wir nicht vergessen, dass die internationale Gemeinschaft in Sachen Menschenrechte klare Verpflichtungen hat, die jedoch ignoriert werden.<br />
Aber natürlich sind auch wir aufgerufen, durch unser Einkaufsverhalten diese Entwicklung möglichst nicht zu fördern. Ich denke an den Fleischkonsum: Wir „verbrauchen&#8221; anderswo riesige Flächen Ackerland, um unsere Rinder und Schweine zu füttern. In Paraguay werden für den europäischen Markt riesige Flächen Soja angebaut, die der lokalen Bevölkerung entzogen werden. Da muss es ein Umdenken geben.<br />
Wir sollten eher Waren kaufen, die in der Nähe hergestellt und nicht einmal um die Welt geschifft worden sind. Aber unser Kaufverhalten kann nicht die alleinige Lösung sein.</p>
<p><strong>Was müsste die Politik tun, um Land Grabbing zu verhindern?</strong><br />
Herre: Es gibt eine ganze Liste von Forderungen an die europäische Politik. Sie wollte das Erdöl in Teilen durch ökologische Agrartreibstoffe ersetzen. Aber das führt in vielen Staaten zu Land Grabbing für die Produktion dieser Treibstoffe, weil Europa seine Nachfrage &#8211; wie auch schon bei den Futtermitteln &#8211; nicht selbst erfüllen kann. Agrartreibstoffe sind der Grund für etwa ein Drittel des weltweiten Land Grabbings. Deshalb fordern wir, diese konstant wachsende Quote, die politisch festgeschrieben ist, zu streichen und damit den Druck auf die Länder des Südens zu verringern.<br />
Investitionsschutzabkommen führen dazu, dass der deutsche Investor in Paraguay geschützt wird, selbst wenn er damit die Durchsetzung der Menschenrechte verhindert wird. Das darf nicht sein. Wir wollen, dass in die Investitionsschutzabkommen ein Passus kommt, der die Prüfung von Menschenrechtsverletzungen zulässt. Aber das ist bis heute nicht passiert.</p>
<p><strong>Hat die Bevölkerung manchmal auch Vorteile durch die Investitionen?</strong><br />
Herre: Sie sprechen die so genannte Win-Win-Debatte an, die sagt, alle Akteure können profitieren. Bei einer internationalen Konferenz im Frühjahr in England wurden rund 100 Fallstudien vorgestellt. Keine einzige hat erbracht, dass vor Ort jemand umfassend und nachhaltig von den Investitionen profitiert hätte.<br />
Die Landkäufer argumentieren häufig, sie nähmen nur ungenutztes, besitzloses Land. Aber allen Untersuchungen nach gibt es nirgends Land, auf das nicht irgendwer Anspruch hat. Die Idee, es gebe große Flächen freien Landes &#8211; die Weltbank hat mal gesagt, möglicherweise sind weltweit noch 1,7 Milliarden Hektar verfügbar &#8211; ist fatal, weil sie Investoren anlockt.<br />
Ich hoffe natürlich, dass dieser Entwicklung Einhalt geboten wird: dass die Regulierungsmechanismen, die die Welternährungsorganisation FAO gerade diskutiert, helfen, die Menschenrechte effektiver durchzusetzen und damit das Land Grabbing in konkreten Fällen zu verhindern.</p>
<p><strong>Ich danke Ihnen für das Gespräch.</strong><br />
Clemens Behr</p>
<p><strong><em>Roman Herre,</em></strong><br />
<em>geboren 1972 in Tübingen, hat in Münster Geografie und Ethnologie studiert. Seit 2007 arbeitet er als Agrarreferent in Köln bei der Menschenrechtsorganisation FIAN (Food First Informations- und Aktionsnetzwerk e.V.), die sich weltweit für das Recht auf Nahrung einsetzt. Seine Schwerpunkte sind Agrarreformen, Agrartreibstoffe und ländliche Entwicklung.</em></p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
Ihre Meinung ist uns wichtig, schreiben Sie uns! Anschrift und Email finden Sie unter <a title="Kontakt" href="http://neuestadt-online.de/de/index.php/kontakt/">Kontakt</a>.<br />
© Alle Rechte bei Verlag Neue Stadt, München</p>
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		<title>Namibia &#8211; Hart wie Kameldornholz</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 19:02:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Soziales]]></category>

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		<description><![CDATA[Namibia ist das trockenste und am dünnsten besiedelte Land Afrikas südlich der Sahara. Jeder Fünfte der nur 2 Millionen Einwohner hat Aids. Neue Stadt-Mitarbeiter Christian Bahlmann traf bei einem Besuch auf endlose Weite, weiße Farmer, Schwarzwälder Kirschtorte und eine Amerikanerin, die wie eine Löwin für Waisenkinder kämpft. Nach mehr als 70 Kilometern auf einer sandigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Namibia ist das trockenste und am dünnsten besiedelte Land Afrikas südlich der Sahara. Jeder Fünfte</em> <span id="more-3032"></span><em>der nur 2 Millionen Einwohner hat Aids. Neue Stadt-Mitarbeiter Christian Bahlmann traf bei einem Besuch auf endlose Weite, weiße Farmer, Schwarzwälder Kirschtorte und eine Amerikanerin, die wie eine Löwin für Waisenkinder kämpft.</em></p>
<p>Nach mehr als 70 Kilometern auf einer sandigen Geröllstraße quer durch die Namib-Wüste, die hier eher eine Steppe als eine Sandwüste ist, deutet ein Holzschild darauf hin, dass auf der rechten Seite das Farmgelände von „Koiimasis&#8221; beginnt. Das Wort bedeutet „Versammlungsplatz&#8221; und stammt aus der Sprache der San, der ersten Bewohner dieser atemberaubenden Landschaft im Südwesten Afrikas. Bis zur Ankunft der Europäer war Namibia nur dünn von Nomadenvölkern besiedelt. In dieser Gegend finden sich einige der ältesten Zeugnisse menschlichen Lebens weltweit.</p>
<p>Das Farmgelände mit seinen silbernen Gräsern liegt eingebettet zwischen dem Rooirand-Plateau und den südöstlichen Ausläufern der Tirasberge, deren Granitfelsen im Sonnenuntergang glutrot leuchten. 80 000 Hektar groß ist die Farm, das entspricht fast der Fläche<br />
Berlins. Von der Hauptstraße geht es etwa 20 Kilometer durch Weideland, immer wieder unterbrochen durch Holzgatter, bis man schließlich zum Haupthaus der Farm gelangt.<br />
Fast sieben Autostunden weiter nördlich, in der namibischen Hauptstadt Windhoek, kramt MaryBeth Gallagher in einer großen Kiste. Sie sucht ein Paar Fußballschuhe, Größe 36, für den 12-jährigen Funa. Der Junge will unbedingt ins Team der „Little Pumpkins&#8221;, der kleinen Kürbisse, wie sie wegen ihrer orangefarbenen Trikots genannt werden. Seit 2005 leitet die Amerikanerin im Stadtteil Katutura eine Kindertagesstätte, die von der Organisation Catholic Aids Action betrieben wird.</p>
<p>Katutura bedeutet in der Sprache der Einheimischen „Ort, an dem niemand leben will&#8221;. Der Name ist Programm: In den 50er-Jahren wollte die Stadtverwaltung aus Windhoek eine „weiße&#8221; Stadt machen. Die im Stadtgebiet wohnenden Schwarzen wurden nach Katutura zwangsumgesiedelt. Fast 60 Prozent der Einwohner Windhoeks leben heute in diesem Stadtteil, der neben einer hohen Arbeitslosigkeit und Kriminalität auch eine der höchsten AIDS-Verbreitungsraten des Landes aufweist. Fast alle Kinder, die MaryBeth betreut, sind selbst infiziert oder aber Halb- oder Vollwaisen.</p>
<p><em>Der Kontrast zwischen dem rauen Leben in Katutura und der Idylle in Koiimasis könnte kaum größer sein.</em></p>
<p>Seit vier Generationen ist das Farmgelände im Besitz der Familie Izko. Der Urgroßvater von Wulff Izko kam mit der deutschen Schutztruppe Anfang des letzten Jahrhunderts nach Deutsch-Südwestafrika, wie Namibia bis zum Ende des Ersten Weltkrieges hieß. Ein „helles, warmes Plätzchen an der Sonne&#8221; wollten die Deutschen in der Kaiserzeit. Gemeint waren Kolonien. Neben dem Anbau von Diamanten und Kupfer war es insbesondere die Viehzucht, die deutsche Siedler ins Land lockte, bis 1914 kamen rund 13 000. „Hart wie Kameldornholz ist unser Land und trocken sind seine Reviere&#8221;, heißt es im alten Südwesterlied, das von den harten Lebensbedingungen und der Einsamkeit fern der Heimat erzählt.<br />
Bis heute ahnt man auch auf Koiimasis, wie hart das Siedlerleben war. Die nächsten Nachbarn leben etwa 40 Kilometer entfernt. Früher waren die Farmer reine Selbstversorger. Heute erreicht man die nächste Einkaufsmöglichkeit mit dem Auto über eine Schotterpiste in etwa zwei Stunden. Sollte jemand ernsthaft krank werden und dringend medizinische Hilfe benötigen, gibt es einen Buschflieger, der einen ins nächste Krankenhaus bringt. Selbst einen Telefon- und Internetanschluss haben die Izkos.</p>
<p>Viele weiße Farmer verbinden positive Erinnerungen an die Zeit von Deutsch-Südwestafrika: Schwarzwälder Kirschtorte, Bier, Schnitzel, das ist das positive Erbe der deutschen Kolonialherren.</p>
<p>Aber es gibt auch eine andere Seite: 1904 rebellierten die Herero, eine der größten Ethnien Südwestafrikas. Die Deutschen ließen den Aufstand blutig niederschlagen. Schätzungen zufolge starben bis zu 80 000 Herero. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. 1919 musste das Deutsche Reich im Versailler Vertrag auf alle Kolonien verzichten &#8211; vorbei war es mit dem Platz an der Sonne. Der Völkerbund stellte Südwestafrika unter südafrikanische Verwaltung. Das Apartheid-Regime führte das Homeland-System ein: Jede Bevölkerungsgruppe bekam ein festes Territorium zugewiesen. Die Swapo &#8211; damals Befreiungsbewegung, später Regierungspartei &#8211; begann 1966, militärisch für die Unabhängigkeit zu kämpfen. Erst 1988 kam es zum Waffenstillstand; Südafrika zog seine Truppen ab. 1989 fanden die ersten freien Wahlen statt. Namibia ist seitdem unabhängig.<br />
Die sozialen Spannungen der Kolonial- und Apartheidzeit sind bis heute im ganzen Land gegenwärtig.</p>
<p>Die Kindertagesstätte in Katutura ist mit einem hohen Zaun gesichert; eine bewaffnete Wache beschützt die Einfahrt. Bis zu 100 Kinder kommen hier an jedem Nachmittag zum Spielen, Essen und zum Nachhilfeunterricht.</p>
<p>MaryBeth hat sich mit bestimmten Regeln eine mütterliche Autorität aufgebaut. „Die Kinder kommen zu uns, damit sie der heimischen Gewalt, sexuellen Übergriffen und dem Elend entfliehen können. Es ist schon ein Gewinn für die Kinder, für ein paar Stunden mal Kind sein zu können&#8221;, erklärt sie. Für ihre Schützlinge kämpft sie wie ein Löwe: Wenn sie erfährt, dass ein Kind in der Schule von einem Lehrer geschlagen wurde, wird sie am nächsten Tag beim Direktor vorstellig, auch wenn sich dadurch nicht wirklich etwas ändert. „Wenn Ihnen unsere Erziehungsmethoden nicht passen, dann gehen Sie doch zurück nach Amerika&#8221;, bekommt sie nicht selten zu hören.</p>
<p>Auch die beiden Kinder des Farmerehepaars Izko leben in Windhoek, in einem Internat in der Innenstadt. Sie kommen zweimal im Jahr nach Hause. Seine Frau Anke hat Wulff Izko mit einem kleinen Trick nach Koiimasis gelockt: Er besuchte mit ihr die Farm nach einem der seltenen Regenfälle, wenn die Halbwüste in allen Farben erblüht. Sie war begeistert und ahnte nicht, wie selten sie fortan ein solches Blumenmeer zu Gesicht bekommen würde. Heute haben beide ein erträgliches Auskommen auf ihrer Farm. Rinder- und Straußenzucht sind die klassischen Standbeine, außerdem die Zucht von Ziervögeln und Wildpferden. Wegen des kargen und trockenen Bodens kann hier nur extensive Landwirtschaft betrieben werden, das heißt relativ wenige Tiere verteilen sich auf dem weitläufigen Weideland.</p>
<p>Zunehmend wichtig wird &#8211; wie für fast alle Farmen in Namibia &#8211; der Tourismus. Auf Koiimasis gibt es eine Lodge mit Hotelbetrieb, einen Zeltplatz und mehrere kleine Chalets. 1998 schlossen sich die Izkos mit vier anderen Farmern zusammen, um das Gebiet um die Tirasberge einseitig und inoffiziell unter Naturschutz zu stellen. Ziel war nicht nur, den Naturpark gemeinsam touristisch zu vermarkten. Dahinter steht auch die Angst der noch etwa 4500 weißen Farmer in Namibia, früher oder später von der Regierung enteignet zu werden. Vor einigen Jahren wurden weiße Bauern aufgefordert, ihre Farmen binnen zwei Wochen gegen eine angemessene Entschädigung der Regierung zu überlassen, andernfalls stehe ihrer Familie die Enteignung bevor. Bei vielen Siedlern wurden Erinnerungen an das Nachbarland Simbabwe wach. Dort begannen die Behörden im Jahr 2000 damit, Farmland zu enteignen, um es in viele kleine Parzellen aufzuteilen und der schwarzen Bevölkerung zu übereignen. Simbabwes Diktator Robert Mugabe verursachte damit nicht nur den Kollaps der Landwirtschaft, sondern den seines ganzen Landes.</p>
<p>Weiße machen heute gerade einmal sechs Prozent der 2 Millionen Namibier aus, besitzen aber mehr als die Hälfte des kommerziellen Farmlandes. Das meiste Land ist allerdings unfruchtbar und ungeeignet für kleinbäuerliche Betriebe. Pro Rind werden mindestens 20 Hektar Land benötigt. Die Farmer der Tirasberge wollen der Aufteilung ihres Landes zuvorkommen und fahren die landwirtschaftliche Nutzung schrittweise zurück. Es dürfte der Regierung schwerfallen, ein Naturschutzgebiet, auch wenn es nicht als solches anerkannt ist, zur intensiven Viehzucht freizugeben.</p>
<p><em>Ob eine Landreform tatsächlich die sozialen Probleme des Landes löst, ist fraglich. Längst ist der Tourismus eine der wichtigsten wirtschaftlichen Säulen des Landes.</em></p>
<p>Und die ist fast ausschließlich in den Händen der Weißen. MaryBeth setzt auf gute Bildung. Mittlerweile haben die ersten Kinder, die sie seit 2005 betreut, ihr Abitur gemacht, und dank Spenden aus dem Ausland können sie jetzt die Universität besuchen. „Wir brauchen in Namibia eine Mittelschicht, gut ausgebildete junge Leute, die sich nicht mit dem zufrieden geben, wie Namibia heute ist&#8221;, meint sie. „Wenn meine Pumpkins einmal erwachsen sind, dann hoffe ich, dass sie sich für ein besseres Namibia einsetzen&#8221;.<br />
Christian Bahlmann</p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
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		<title>Leben mit dem Wort &#8211; Februar 2012</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 22:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort des lebens]]></category>
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		<description><![CDATA[Kernsätze Gottes Wort bewirkt, wenn es aufgenommen und gelebt wird, einen kompletten Bewusstseinswandel. Die Worte Jesu sind nicht einfach nur Ermahnungen oder Gebote; in seinem Wort ist Jesus selbst zugegen. Oft wird schon eine kleine Neu-Ausrichtung genügen, um aus unserer Ich-Bezogenheit herauszufinden,uns für Gott zu öffnen und das wahre Leben zu erfahren. (Erschienen in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Kernsätze</em><span id="more-3019"></span></p>
<ul>
<li>Gottes Wort bewirkt, wenn es aufgenommen und gelebt wird, einen kompletten Bewusstseinswandel.</li>
<li>Die Worte Jesu sind nicht einfach nur Ermahnungen oder Gebote; in seinem Wort ist Jesus selbst zugegen.</li>
<li>Oft wird schon eine kleine Neu-Ausrichtung genügen, um aus unserer Ich-Bezogenheit herauszufinden,uns für Gott zu öffnen und das wahre Leben zu erfahren.</li>
</ul>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
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		<title>Wort des Lebens &#8211; Februar 2012</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 21:53:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
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		<category><![CDATA[WortLeben]]></category>

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		<description><![CDATA[„Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15) „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Mit diesen Worten beginnt Jesus im Markusevangelium die Verkündigung seiner Heilsbotschaft. Mit dem Kommen Jesu bricht ein neues Zeitalter an, das Zeitalter der Gnade und des Heils. Und seine ersten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15)</em><span id="more-3023"></span></p>
<p>„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Mit diesen Worten beginnt Jesus im Markusevangelium die Verkündigung seiner Heilsbotschaft.<br />
Mit dem Kommen Jesu bricht ein neues Zeitalter an, das Zeitalter der Gnade und des Heils. Und seine ersten Worte sind eine Einladung, uns mit der überwältigenden Neuigkeit anzufreunden, nämlich mit der Wirklichkeit des Reiches Gottes, welches er allen Menschen zugänglich macht.<br />
Damit sagt er, worauf es ankommt: sich zu bekehren und an das Evangelium zu glauben, also das Leben zu ändern und das Wort anzunehmen, das Gott durch ihn an die Menschen aller Zeiten richtet.<br />
Bekehrung und Glaube gehen Hand in Hand; das eine wie das andere entspringt aus dem Kontakt mit dem lebendigen Wort, aus der Gegenwart Jesu. Auch heute sagt Jesus zur Menschenmenge:</p>
<p><em>„Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“</em></p>
<p>Gottes Wort bewirkt, wenn es aufgenommen und gelebt wird, einen kompletten Bewusstseinswandel. Europäern, Asiaten, Australiern, Amerikanern und Afrikanern, allen hilft es, mit Freud und Leid, mit dem Mitmenschen und der Gesellschaft so umzugehen, wie Christus es an unserer Stelle tun würde.<br />
Woran jedoch liegt es, dass das Evangelium das Wunder einer so tiefgreifenden Veränderung bewirken und einen neuen, kraftvollen Glauben in uns hervorrufen kann? Es liegt an einem Geheimnis, das die Worte Jesu in sich bergen: Sie sind nicht einfach nur Ermahnungen, Vorschläge, Hinweise, Richtlinien, Anordnungen oder Gebote. In seinem Wort ist Jesus selbst zugegen. Jesus selbst ist es, der spricht, der zu uns spricht. Seine Worte sind er selbst.<br />
Daher begegnen wir in seinem Wort ihm, Jesus. Wenn wir seine Worte in uns aufnehmen mit der Bereitschaft, sie ins Leben umzusetzen, dann sind wir mit Jesus vereint, dann nimmt er in uns Gestalt an. Das ist auch der Grund, warum jede und jeder von uns die doch sehr bedeutende und anspruchsvolle Einladung Jesu annehmen kann und soll.</p>
<p><em>„Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“</em></p>
<p>Jemand könnte jetzt einwenden, die Worte des Evangeliums seien zu hoch und zu schwierig und weit entfernt vom gängigen Denken und Handeln; man könnte den Mut verlieren, könnte gar nicht mehr hinhören wollen. Doch das passiert, wenn wir meinen, wir müssten aus eigener Kraft den Berg unserer Zweifel versetzen. Stattdessen würde es genügen, dass wir uns bemühen, auch nur eines der Worte des Evangeliums in die Tat umzusetzen; denn darin findet man eine unerwartete Hilfe, eine einzigartige Kraft und ein Licht auf seinem Weg. Da in jedem Wort Gottes er selbst gegenwärtig ist, macht uns die Verbindung mit seinem Wort frei, sie reinigt, bekehrt, bringt Trost und Freude, schenkt Weisheit.</p>
<p><em>„Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“</em></p>
<p>Wie oft kann uns gerade dieses Wort im Laufe des Tages ein Licht sein! Jedes Mal, wenn wir auf unsere Schwäche oder auf die der anderen stoßen; jedes Mal, wenn es uns unmöglich oder gar absurd erscheint, Jesus nachzufolgen; jedes Mal, wenn Schwierigkeiten uns niederdrücken, dann kann uns dieses Wort wie ein Rückenwind zu Hilfe kommen, wie frische Luft zum Durchatmen, um einen neuen Anfang zu machen.<br />
Oft wird schon eine kleine Neu-Ausrichtung genügen, um aus unserer Ich-Bezogenheit herauszufinden und uns für Gott zu öffnen, um ein anderes Leben, das wahre Leben zu erfahren.<br />
Wenn wir diese Entdeckung dann mit Menschen teilen können, die uns nahestehen und die sich ebenfalls das Evangelium zur Lebensregel gemacht haben, werden wir um uns herum die christliche Gemeinschaft entstehen sehen.<br />
Denn das Wort Gottes ist imstande, auch das zu vollbringen – wenn es gelebt und mitgeteilt wird: Es bringt eine sichtbare Gemeinschaft hervor, die Sauerteig und Salz der Gesellschaft wird und die Christus in jedem Winkel der Erde bezeugt.<br />
Chiara Lubich</p>
<p><em>Erstmals veröffentlicht in: Neue Stadt, Februar 1997</em></p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
Ihre Meinung ist uns wichtig, schreiben Sie uns! Anschrift und Email finden Sie unter <a title="Kontakt" href="http://neuestadt-online.de/de/index.php/kontakt/">Kontakt</a>.<br />
© Alle Rechte bei Verlag Neue Stadt, München</p>
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		<item>
		<title>Ein klares Signal?</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 21:50:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[WortLeben]]></category>

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		<description><![CDATA[Erfahrungsberichte Noch stand ein unerledigter Beitrag für meine juristische Studiengruppe an. Ich wusste nicht recht, wie viel Zeit ich investieren konnte. Ich bat Jesus um Klarheit. Der kommende Sonntag war noch frei, vielleicht also die Gelegenheit. Im Tagesprogramm räumte ich auch Gebet und Erholung genügend Zeit ein, um mich nicht zu verzetteln und offen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Erfahrungsberichte</em><span id="more-3017"></span></p>
<p>Noch stand ein unerledigter Beitrag für meine juristische Studiengruppe an. Ich wusste nicht recht, wie viel Zeit ich investieren konnte. Ich bat Jesus um Klarheit. Der kommende Sonntag war noch frei, vielleicht also die Gelegenheit. Im Tagesprogramm räumte ich auch Gebet und Erholung genügend Zeit ein, um mich nicht zu verzetteln und offen zu bleiben für „Neues&#8221;. Bis 16 Uhr konnte ich ruhig arbeiten; dann ein Telefonanruf. Während des Gesprächs beobachtete ich, wie sich der Bildschirm meines Laptops plötzlich grün schillernd verfärbte, ein kurzes Aufflackern des Reparatur-Programms, dann blieb das Gerät schwarz und stumm. Galt es, die Arbeit eines ganzen Tages zu begraben? Oder war das ein klares Signal zum „Wachsamsein&#8221;, wie es das Lebenswort vorschlug? Ich packte meine Bücher und den Stick zusammen, um an einem anderen PC weiterzuarbeiten.<br />
Bei der Haustür traf ich auf eine Mitbewohnerin, die soeben nach Hause kam. Auch das ein Signal? Ich schlug ihr voller Freude eine gemeinsame Tee-Pause vor. Auf ihre Nachfrage erzählte ich fröhlich und unbeschwert vom überraschenden Ausgang der heutigen „Projektetappe&#8221;. Dann entwickelte sich unsere Tee-Pause zu einem offenen und ehrlichen Austausch über so manche Erfahrung der letzten Zeit. Ein wichtiger, klärender und aufbauender Moment.<br />
Meine Erkundigungen beim EDV- Supporter tags darauf ergaben, dass mein Laptop wider Erwarten noch unter Garantie stand. So wurde mein Beitrag eine Woche später noch rechtzeitig fertig. Diese „Trainingserfahrung zum Offensein&#8221;, ließ mich erleben, wie „Leben im Wort&#8221; mich frei macht von mir selbst, offen für neue Schritte mit Gott und meinen Nächsten, wie es Beziehung und Gemeinschaft schafft und dann auch noch das „Hundertfache&#8221; ankam. K.R</p>
<p><strong>Wieso gerade ich?</strong><br />
Ich halte Unterricht bei 26 lebhaften Erstklässlern. Gerade ist es mir gelungen, die Aufmerksamkeit der Schüler zu wecken, als die Hausmeisterin klopft und mich ans Telefon ruft. Die Mutter von Paolo will mich sprechen. Sie lebt nach heftigen Auseinandersetzungen von ihrem Mann getrennt. Beide streiten sich in diesen Tagen um den Sohn und bestürmen auch uns Lehrer mit Telefonaten. Ich hätte guten Grund, nicht ans Telefon zu gehen, zu sagen, dass ich gerade Unterricht habe und mir vorstellen kann, worum es geht. Während mir das durch den Kopf geht, erinnere ich mich auch an den Satz aus dem Kommentar zum Wort des Lebens: „Lass mich immer reden, als wäre es das letzte Wort, das ich sprechen kann.&#8221; Also eine Gelegenheit wachsam zu sein!<br />
Mit einem Lächeln überlasse ich die Klasse der Hausmeisterin und gehe zum Telefon. Ich höre mir an, was ich bereits ahnte; aber sehr aufmerksam, ohne zu urteilen,<br />
ohne mir anmerken zu lassen, dass ich gestört worden war. Am Ende kann ich der Mutter sagen, dass ich sie verstehe, aber meine, dass sie den verletzten Stolz und den Groll überwinden und einzig an das Wohl des Kindes denken sollte. Als ich nach einigen Stunden durch den Korridor gehe, kommt mir die Hausmeisterin entgegen und sagt: „Jene Mutter hat angerufen: Ich soll Ihnen einfach nur ,Danke&#8217; sagen&#8221;.<br />
An einem anderen Tag verlasse ich gerade eilig die Schule, vor mir tausenderlei Programme und die Einkäufe. Da kommt Flora, eine Brasilianerin, die erst seit kurzem bei uns arbeitet, auf mich zu. Sie muss schriftlich eine Frage an die Schulleitung richten und weiß nicht, wo sie anfangen soll. Spontan frage ich mich, wieso sie bei den vielen Lehrkräften gerade mich anspricht, die ich doch so beschäftigt bin. Wieder kommt mir das „wachsam sein&#8221;: Es ist Jesus, der die Frage an mich richtet. Will ich etwa ihm sagen, dass ich es eilig habe und er jemand anderen fragen soll? Ich setze mich zu Flora, helfe ihr, die Frage aufzuschreiben und rate ihr auch, sie per Computer zu schreiben, aber Flora kennt sich nicht aus. Zusammen gehen wir in den Informatik-Raum. Zwei Tage später schenkt sie mir einen schönen blauen Schal. „Aber das brauchte es doch nicht!&#8221;, sage ich ihr. Sie entgegnet: „Auch ich möchte Ihnen Gutes tun so wie Sie<br />
mir.&#8221; B.P.</p>
<p><strong>Machen Sie mal die Tür auf!</strong><br />
Als ich vor kurzem eine kurdische Familie besuchen wollte, hörte ich am Telefon, wie krank die Mutter war. Ihre Stimme war belegt und fiebrig.<br />
Wir hatten uns im Advent jeden Morgen in der Kirche getroffen, um das Tagesevangelium zu lesen und dann mit einem kleinen Motto in den Tag zu starten. An diesem Tag war es in Anlehnung an den Besuch von Maria bei Elisabeth: „Gib Liebe, die das Herz des Nächsten berührt und bewegt!&#8221;<br />
Als ich die Frau hörte, erinnerte ich mich daran. Ich fuhr sofort in ein Lebensmittelgeschäft und kaufte eine große Kiste Orangen, Tee und Honig. All das habe ich dann der Familie vor die Tür gestellt. Von zuhause ein kurzer Anruf: „Machen Sie mal die Tür auf. Da steht etwas zum Gesundwerden!&#8221;<br />
Als mich die Frau &#8211; eine gläubige Muslima &#8211; eine Woche später sah, rief sie mir entgegen: „Ich habe geweint!&#8221; Ich wusste zunächst nicht, warum, und fragte nach. „Als ich noch in Syrien war, hat sich mein Vater immer um mich gekümmert und mir Tee, Honig und Vitamine gebracht, damit ich wieder gesund werde. Jetzt bin ich so weit weg von ihm! Und jetzt tun Sie das, obwohl Sie doch fremd sind!&#8221; M.W.</p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
Ihre Meinung ist uns wichtig, schreiben Sie uns! Anschrift und Email finden Sie unter <a title="Kontakt" href="http://neuestadt-online.de/de/index.php/kontakt/">Kontakt</a>.<br />
© Alle Rechte bei Verlag Neue Stadt, München</p>
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		<title>Christliche Jugend in Durban</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 12:35:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene]]></category>

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		<description><![CDATA[Einsatz für die Schöpfung Parallel zur 17. Weltklimakonferenz trafen sich 30 christliche Jugendliche aus 21 Ländern in Durban. Sie machten sich Gedanken über ihren Beitrag zu lokalen Lösungen für die globalen Probleme. Unterdessen verhandelten Führungskräfte aus aller Welt über ein internationales Abkommen zum Klimawandel gemäß dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen. Im Rahmen eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Einsatz für die Schöpfung</em><span id="more-3003"></span></p>
<p>Parallel zur 17. Weltklimakonferenz trafen sich 30 christliche Jugendliche aus 21 Ländern in Durban. Sie machten sich Gedanken über ihren Beitrag zu lokalen Lösungen für die globalen Probleme. Unterdessen verhandelten Führungskräfte aus aller Welt über ein internationales Abkommen zum Klimawandel gemäß dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen.<br />
Im Rahmen eines gemeinsamen Programms des Lutherischen Weltbundes (LWB/LWF) und des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) nahmen die Jugendlichen in Südafrika an einem zweiwöchigen Trainingsprogramm mit dem Titel „Youth for Eco-Justice&#8221; (Jugend für Umweltgerechtigkeit) teil. Jetzt wollen sie zuhause als Freiwillige ihre eigenen Umweltprojekte ins Leben rufen.<br />
Der LWB-Jugendreferent, Pfarrer Roger Schmidt, erklärte, das Programm biete den Jugendlichen eine wichtige Chance, sich mit den Verhandlungen zum Klimawandel zu beschäftigen und nach lokalen Lösungen für die Auswirkungen der Umweltkrise zu suchen. LWB und ÖRK „verfolgen das Ziel, dass junge Menschen sich für Umweltgerechtigkeit engagieren und wollen sie darauf vorbereiten, in Gesellschaft und Kirche etwas zu verändern&#8221;, fügte Schmidt hinzu.<br />
Das Programm „Youth for Eco-Justice&#8221; ist mit dem Programm „LWF together &#8211; die Erde braucht Dich&#8221; verbunden, bei dem junge Lutheranerinnen und Lutheraner gemeinsam die Bibel lesen, um über die Schöpfung Gottes und den Umweltschutz nachzudenken und ihr Verständnis innerhalb der lutherischen Gemeinschaft zu teilen. gba</p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
Ihre Meinung ist uns wichtig, schreiben Sie uns! Anschrift und Email finden Sie unter <a title="Kontakt" href="../index.php/2011/12/?page_id=50" target="_self">Kontakt</a>.<br />
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		<title>Päpstliche Konsultorin</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 12:31:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Bewegungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Benedikt XVI. hat 15 neue Konsultoren des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung ernannt; unter ihnen auch die Fokolar-Präsidentin Maria Voce. Sie sagte darauf: „Diese Ernennung nimmt mich und alle in der Fokolar-Bewegung in die Pflicht, das persönliche Leben vom Evangelium bestimmen zu lassen und so auch andere zum Evangelium zu führen.&#8221; Der Rat soll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Benedikt XVI. hat 15 neue Konsultoren des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung <span id="more-3005"></span>ernannt; unter ihnen auch die Fokolar-Präsidentin Maria Voce. Sie sagte darauf: „Diese Ernennung nimmt mich und alle in der Fokolar-Bewegung in die Pflicht, das persönliche Leben vom Evangelium bestimmen zu lassen und so auch andere zum Evangelium zu führen.&#8221;<br />
Der Rat soll sich besonders um die Evangelisierung in jenen Ländern kümmern, in denen der christliche Glaube durch die fortschreitende Säkularisierung an Bedeutung verloren hat.</p>
<p><strong>Gratulation</strong><br />
Mitglieder des Netzwerkes „Miteinander für Europa&#8221; zeigten sich erfreut über die Berufung von Andrea Riccardi zum Minister für internationale Zusammenarbeit und Integration in der neuen italienischen Regierung.<br />
Gerhard Proß, CVJM Esslingen, unterstreicht: „Andrea Riccardi ist ein Mann, der Hoffnung schenkt. Solche Zeichen der Hoffnung brauchen Europa und Italien im Moment gerade besonders!&#8221; Und Gerard Testard von der Gemeinschaft „Fondacio&#8221; in Frankreich: „Seine Arbeit als Minister wird Italien gut tun und positive Auswirkungen auf Europa und die Einheit des Kontinents haben.&#8221;</p>
<p><strong>Preisverleihung</strong><br />
Die italienische „Bewegung für das Leben&#8221; hat die 2008 verstorbene Gründerin der Fokolar- Bewegung, Chiara Lubich, posthum mit dem „Mutter Teresa-Preis&#8221; ausgezeichnet.<br />
Er wurde zum 60-jährigen Bestehen der Erklärung der Menschenrechte (10. Dezember 1948) ins Leben gerufen und bisher zweimal verliehen. Ausgezeichnet werden Personen oder Institutionen, die sich tatkräftig und wirkungsvoll für das Menschenrecht auf Leben eingesetzt haben.<br />
Die Präsidentin der Bewegung, Maria Voce, nahm am 10. Dezember die Auszeichnung im römischen Rathaus entgegen. gba</p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
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		<title>Miteinander für Ehe und Familie</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 12:31:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine breite Überzeugungsgemeinschaft in Sachen Ehe und Familie, die wiederum Anlass zur Hoffnung für die nächsten Generationen in Europa werden kann. So haben sich die über 100 Teilnehmer am europäischen Familienforum wahrgenommen, das vom 9. bis 11. Dezember in der Nähe von Rottenburg stattfand. Sie kamen als Vertreter von 20 christlichen Bewegungen aus Deutschland, Österreich, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine breite Überzeugungsgemeinschaft in Sachen Ehe und Familie, die wiederum Anlass zur Hoffnung</em> <span id="more-3004"></span><em>für die nächsten Generationen in Europa werden kann. So haben sich die über 100 Teilnehmer am europäischen Familienforum wahrgenommen, das vom 9. bis 11. Dezember in der Nähe von Rottenburg stattfand.</em></p>
<p>Sie kamen als Vertreter von 20 christlichen Bewegungen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und England zusammen, die im Netzwerk „Miteinander für Europa&#8221; verbunden sind und sich besonders für Ehe und Familie einsetzen. Anliegen war es, die Situation der Familien in Europa zu reflektieren und den Beitrag christlicher Gemeinschaften zur Stärkung der Familien deutlich zu formulieren. Mit Referaten und Erfahrungsberichten, in Workshops und Plenumsveranstaltungen erarbeiteten die Teilnehmer in einem intensiven Austauschprozess die „Rottenburger Erklärung zu Ehe und Familie&#8221;. Darin bekräftigen sie als Bürgerinnen und Bürger Europas ihr „Ja zu Ehe und Familie&#8221;. Dieses war Teil der Abschlussbotschaft, die beim zweiten Treffen des konfessionsübergreifenden Netzwerkes in Stuttgart 2007 verabschiedet wurde. Die insgesamt sieben Ja sollen am 12. Mai 2012 im Rahmen der dritten europäischen Veranstaltung „Miteinander für Europa&#8221; neu ins Gespräch kommen.</p>
<p>Dem Familienforum ging ein sechsjähriger Befreundungsprozess voraus: Vertreter der Eheinitiativen in christlichen Bewegungen treffen sich seitdem zweimal jährlich zum Austausch und zur gegenseitigen Bestärkung. gba</p>
<p><em><a href="http://www.miteinander-wie-sonst.org">www.miteinander-wie-sonst.org</a><br />
<a href="http://www.familienbund.net/2011/index1112-dateien/rottenburger_erklaerung.pdf">http://www.familienbund.net/2011/index1112-dateien/rottenburger_erklaerung.pdf</a></em></p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
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		<title>Wissensportale, die Spaß machen</title>
		<link>http://neuestadt-online.de/de/index.php/2012/01/wissensportale-die-spas-machen/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 13:23:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[ratgeber]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[Für Kinder und Jugendliche www.helles-koepfchen.de Die Website gehört zu den wirklich guten Portalen für 8- bis 16-Jährige! Sie wird gefördert von den deutschen Bundesministerien für Familie sowie für Kultur und Medien. Pro Monat nutzen rund eine halbe Million Jugendliche die Website, um sich über Aktuelles und Wissenswertes zu informieren, sich im Community-Bereich auszutauschen oder einfach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Für Kinder und Jugendliche</em><span id="more-3015"></span></p>
<p><a href="http://www.helles-koepfchen.de" target="_blank">www.helles-koepfchen.de</a><br />
Die Website gehört zu den wirklich guten Portalen für 8- bis 16-Jährige! Sie wird gefördert von den deutschen Bundesministerien für Familie sowie für Kultur und Medien. Pro Monat nutzen rund eine halbe Million Jugendliche die Website, um sich über Aktuelles und Wissenswertes zu informieren, sich im Community-Bereich auszutauschen oder einfach zu spielen. Eine kindgerechte und bedenkenlos zu nutzende Suchmaschine eignet sich zum Recherchieren auch für Hausaufgaben oder Referate und macht Artikel vieler anderer Kinder- und Jugendseiten auffindbar. Die Inhalte sind pädagogisch und journalistisch gut aufbereitet. Bewusst werden auch Problemthemen von Jugendlichen aufgegriffen und verständlich erklärt. So gibt es zu Mobbing, Gewalt an Schulen, Ess-Störungen, Drogen und Aids Informationen und Ratschläge.</p>
<p><a href="http://www.naturdetektive.de" target="_blank">www.naturdetektive.de</a><br />
Was macht der Distelfalter im Winter? Dies und viel mehr beantwortet diese anregende Website. Sie ist ein Projekt des deutschen Bundesamts für Naturschutz, das sich an naturbegeisterte Kinder wendet und solche, die es werden wollen. Ziel ist es, sie mit altersgerecht, anschaulich, verständlich und spannend aufbereiteten Beiträgen für die Natur und den Naturschutz zu gewinnen. Die Website ist als interaktive Mitmach-Plattform konzipiert und lädt dazu ein, sich an Aktionen und Spielen rund um die Natur zu beteiligen und das eigene Wissen auf spielerische Weise zu erweitern. Neben abwechslungsreichen Umwelt- und Naturschutzthemen mit steckbriefartigen Beschreibungen und kleinen Aufgaben gibt es auch altersspezifische Projektideen, um Kinder zur aktiven Naturbeobachtung zu motivieren.<br />
Karin Grygier</p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
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© Alle Rechte bei Verlag Neue Stadt, München</p>
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		<title>Wort des Lebens &#8211; Januar 2012</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 20:17:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nst</dc:creator>
				<category><![CDATA[wort des lebens]]></category>
		<category><![CDATA[WortLeben]]></category>

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		<description><![CDATA[„Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.“ (Kolosser 3,1) Wie jedes Jahr findet die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen in vielen Ländern vom 18. bis 25. Januar statt; in anderen Ländern hingegen zu Pfingsten. Das Thema für diese Gebetswoche lautet – in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.“ (Kolosser 3,1)</em><span id="more-2952"></span></p>
<p>Wie jedes Jahr findet die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen in vielen Ländern vom 18. bis 25. Januar statt; in anderen Ländern hingegen zu Pfingsten.<br />
Das Thema für diese Gebetswoche lautet – in Anlehnung an einen Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief: „Wir werden alle verwandelt durch den Glauben an Jesus Christus.“<br />
Passend dazu schlagen wir als „Wort des Lebens“ für diesen Monat einen Satz aus dem Kolosserbrief vor, den Chiara Lubich 1988 kommentiert hat.</p>
<p><em>„Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.“ (Kolosser 3,1)</em></p>
<p>Diese Worte, die Paulus an die Gemeinde von Kolossä richtet, sagen uns, dass es eine Welt gibt, in der die wahre Liebe herrscht, die volle Gemeinschaft, die Gerechtigkeit, der Friede, die Heiligkeit und Freude; eine Welt, in der die Sünde und Verdorbenheit nicht mehr existieren, und wo der Wille Gottes ganz und gar erfüllt ist.<br />
Es geht um die Welt, der Jesus angehört; jene Welt, die er uns in seiner Auferstehung zugänglich gemacht hat, nachdem er die harte Prüfung des Leidens durchlebt hatte.</p>
<p><em>„Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.“</em></p>
<p>Paulus aber sagt noch mehr. Wir sind nicht nur berufen, irgendwann einmal in jener Welt zu leben, sondern gehören ihr bereits jetzt an. Der Glaube sagt uns, dass wir durch die Taufe in Christus eingegliedert worden sind. Darum nehmen wir am Leben Christi teil, an seiner Liebe und Beziehung zum Vater, an seinen Gaben, an seinem Erbe, an seinem Sieg über die Sünde und die Mächte des Bösen; denn wir sind auferstanden mit ihm.</p>
<p>Doch im Unterschied zu all denen, die das Ziel schon erreicht haben, ist unsere Zugehörigkeit zu dieser Welt Christi noch nicht vollständig und offenkundig; vor allem ist sie noch nicht endgültig. Solange wir auf dieser Erde leben, sind wir unzähligen Gefahren, Schwierigkeiten und Versuchungen ausgesetzt, die uns verunsichern, bremsen oder sogar zu falschen Zielen hin lenken können.</p>
<p><em>„Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.“</em></p>
<p>Damit erschließt sich auch die Aufforderung: „Strebt nach dem, was im Himmel ist.“ Mit anderen Worten: Versucht nicht, von der Welt, sondern in der Welt zu sein. Löst euch von den Vorgaben und Leidenschaften dieser Welt und lasst euch stets vom Denken und Fühlen Jesu leiten. Das, „was im Himmel ist“, verweist uns auf das Gesetz des Reiches Gottes, das Jesus auf die Erde gebracht hat und an dem wir uns schon jetzt ausrichten sollen.</p>
<p><em>„Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.“</em></p>
<p>Wie können wir dieses Wort umsetzen? Indem wir uns nicht mit einem mittelmäßigen Leben begnügen, mit Halbheiten und Kompromissen, sondern unseren Alltag mit der Gnade Gottes von der Botschaft Christi bestimmen lassen.<br />
Dieses Wort des Lebens fordert uns heraus, in unserer Umgebung von den Werten Zeugnis abzulegen, die Jesus auf die Erde gebracht hat: Das kann der Geist der Eintracht und des Friedens sein, der Sinn für Hilfsbereitschaft, Verständnis für die anderen, Vergebung, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Korrektheit bei der Arbeit, Treue, Reinheit, Achtung vor dem Leben.<br />
Um es bei dieser Fülle an möglichen Vorsätzen nicht im Ungefähren zu belassen, wollen wir uns vornehmen, in diesem Monat nach jener „Regel“ zu leben, in der alle anderen Gebote Jesu zusammengefasst sind: in jedem Mitmenschen Christus begegnen und uns in seinen Dienst stellen.<br />
Schließlich werden wir danach am Ende unseres Lebens gefragt werden.<br />
Chiara Lubich</p>
<p>Erstmals veröffentlicht in: Neue Stadt, April 1988</p>
<p>(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)<br />
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© Alle Rechte bei Verlag Neue Stadt, München</p>
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