Orthodoxes Konzil ist nähergerückt
Eine Konferenz aller orthodoxen Kirchen in der Schweiz brachte neuen Schwung in die Einheitsbestrebungen.
Als echten Durchbruch auf dem Weg zu einem gemeinsamen Konzil aller orthodoxen Kirchen bezeichneten Teilnehmer und Beobachter den Verlauf der sogenannten „panorthodoxen Konferenz“ Mitte Juni in Genf. Nach mehr als 20 Jahren Unterbrechung hatten sich Vertreter der 14 sogenannten „autokephalen“ orthodoxen Kirchen im schweizerischen Chambesy wieder zu einer vorbereitenden Tagung getroffen. Die Pläne für ein panorthodoxes Konzil reichen zurück bis in die 1960er Jahre, wurden jedoch in den 90er Jahren wegen Streitigkeiten zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Ökumenischen Patriarchat ausgesetzt. Erst ein Treffen aller orthodoxen Kirchenoberhäupter im letzten Jahr in Istanbul hatte die Wiederaufnahme der Konzilsvorbereitungen ermöglicht.
Bei der diesjährigen Tagung herrschte – wie es in der Schlusserklärung heißt – nicht nur ein „Geist der brüderlichen Liebe und des Vertrauens“. Vielmehr erzielten die 40 Bischöfe und Theologen einen ersten Konsens in einer der heikelsten kirchenpolitischen Fragen innerhalb der orthodoxen Welt, nämlich: Wer ist zuständig für orthodoxe Christen in der Diaspora? Die Frage ist deshalb so problematisch, weil es nach orthodoxem Verständnis nur einen einzigen Bischof an einem Ort geben darf.
Dieses Prinzip, dass sich auf einen Beschluss des Konzils von Nizäa 325 stützt, wird in vielen Diasporaregionen außer Kraft gesetzt, weil jede orthodoxe Kirche ihre eigenen Gläubigen oft auch durch einen eigenen Auslandsbischof betreut. Die nun beschlossene Zwischenlösung lautet: Weltweit werden in mehreren Regionen gemeinsame Bischofsversammlungen eingerichtet, die in der Regel unter dem Vorsitz des Ökumenischen Patriarchats von Istanbul stehen.
Was auf den ersten Blick wie ein billiger Kompromiss aussehen mag, ist in Wirklichkeit ein Riesenschritt in Richtung orthodoxe Einheit. Denn durch diese Bischofsversammlungen könnten auf Dauer in den betreffenden Ländern oder Regionen vereinte orthodoxe Kirchen entstehen.
KNA/swi
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September 2009)
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