10. April 2010

Er hat den Kontakt völlig abgebrochen.

Von nst_xy

Wir hatten uns schon oft mit unserem Schwiegersohn gestritten. Es kam immer wieder zu gegenseitigen Beleidigungen und zu Auseinandersetzungen. Dann hatte er den Kontakt zu uns sogar völlig abgebrochen. Auch unsere Enkel durften nicht mehr zu uns kommen.
Mehrfach versuchten wir, den ersten Schritt zu machen und wieder auf ihn zuzugehen. Er reagierte jedoch nicht, wollte wirklich nichts mehr mit uns zu tun haben. Wir, unsere Tochter, und auch die Enkel litten sehr unter dieser Situation. Nach vielen Versuchen schien uns jedoch nichts anderes übrig zu bleiben, als alles so anzunehmen und stehen zu lassen, wie es war.
Schon seit Jahren versuchen wir, unser Leben am „Wort des Lebens“ zu orientieren. Als wir dann zu Beginn des neuen Monats das Wort „Betet ohne Unterlass“ (1 Thess 5,17) lasen, war das wie ein Fingerzeig: Jeden Tag haben wir von da an mit großem Vertrauen für unsere Familie gebetet. Als wir es am wenigsten erwarteten, erlaubte unser Schwiegersohn unseren Enkeln eines Tages, dass sie uns wieder besuchten. Kurz vor Weihnachten kam dann sogar eine persönliche Einladung von unserem Schwiegersohn.
Das war für uns das größte Weihnachtsgeschenk und erfüllte uns mit großer Dankbarkeit.      A.F.

Ausgerechnet jetzt!
Gerade erst war ich in Urlaub gewesen und hatte kurz darauf noch einen Brückentag genommen. Auf meinem Schreibtisch hatte sich inzwischen vieles angesammelt. Deshalb war ich geschockt, als ich die ersten Anzeichen einer dicken Erkältung bemerkte. Ausgerechnet jetzt! Ich konnte es mir nicht leisten, schon wieder zu fehlen – all die Arbeit und die Termine, die ich mühsam abgestimmt hatte. Ich spürte förmlich, wie es mir die Kehle zuschnürte bei dem Gedanken, dass alles liegen blieb.
Meine Freunde gaben mir deutlich zu verstehen, was ihrer Meinung nach dran wäre. Aber ich kämpfte schwer mit mir. Im Kommentar zum „Wort des Lebens“ von jenem Monat hatte ich mir einen Satz angestrichen: sich vom Herrn, von seinem Geist, seinem Wort leiten lassen, das bringe Freiheit, hieß es da. Grundsätzlich wollte ich das ja: innerlich offen und frei auf Gott hören. Aber jetzt?
Nach einer Weile wurde ich ruhiger, und beim zweiten „Hinhören“ konnte ich meine Bedenken ein wenig mehr zur Seite stellen. Ich ging zum Arzt und blieb zuhause. Per Telefon konnte ich aber noch einen wichtigen Termin an zwei Kolleginnen abgeben und auch einige andere Dinge regeln. Nach und nach wurde mir bewusst, wie sehr ich mich wieder einmal zum Sklaven meiner Arbeit und meiner Termine hatte machen lassen. B.P.

Er fragte nach dem Weg.
Mit meinem Freund war ich schon den ganzen Vormittag in der Stadt unterwegs. Es war sehr heiß, ich hatte Durst, und mir taten die Füße weh. Als wir dann endlich eine freie Bank gefunden und uns gerade gesetzt hatten, sprach uns ein älterer Mann an. Er suchte den Weg zum Krankenhaus. Mein Freund versuchte, ihm den zu erklären. Aber es war schnell klar, dass er den Weg trotz der guten Beschreibung wohl nicht finden würde. Er war nicht aus unserer Stadt und kannte nicht einmal die wichtigsten Orientierungspunkte.
Erst war ich ein wenig ungeduldig, aber dann erinnerte ich mich an das Wort aus der Schrift: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13) Und obwohl ich ziemlich fertig war und gar keine Lust hatte, schlug ich meinem Freund vor, den Herrn bis zum Krankenhaus zu begleiten. Auf dem Weg bekamen wir mit, dass der Mann nicht zu Besuch gekommen war, sondern selbst zu einer Untersuchung in das Krankenhaus musste. Wir fragten nach, und – zunächst zögernd und dann immer offener – erzählte er uns von seiner Situation. So erfuhren wir in der halben Stunde, dass er nach dem Tod seiner Frau nun keine Angehörigen mehr hatte. Weil er die letzten Jahre seine schwerkranke Frau gepflegt hatte, hatten sich auch alle Bekanntschaften verlaufen. Ich vergaß meine schmerzenden Füße total und merkte kaum, wie die Zeit verging. Auch mein Freund war ganz betroffen. Als wir dann vor dem Krankenhaus ankamen, schlug ich dem Mann spontan vor, ihn in den kommenden Tagen zu besuchen. Aber das wollte er nicht. Nach einigem Drängen akzeptierte er jedoch, dass wir ihm unsere Telefonnummern aufschrieben. So hätte er uns wenigstens erreichen können, falls er etwas benötigt hätte.
Er hat sich dann zwar nicht mehr bei uns gemeldet, aber wir haben noch öfter von dieser unerwarteten Begegnung gesprochen. P.Z.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, April 2010)
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