Denkanstoß
Evangelischer Bischof für Ehrenprimat des Papstes
In einem ungewöhnlichen Vorstoß hat sich der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer, für die Anerkennung eines Ehrenprimats des Papstes auch unter den evangelischen Bischöfen ausgesprochen. In einem Festgottesdienst zum 450. Todestag des Reformators Philipp Melanchthon erinnerte er im Mai in Wittenberg daran, dass auch Melanchthon bereit gewesen sei, „den päpstlichen Primat über die Bischöfe nach menschlichem Recht anzuerkennen.“ Das habe dem Reformator seinerzeit viel Ärger eingebracht.
Die Anerkennung eines Ehrenprimats des Papstes sei – so Fischer – „ein höchst anstößiger, aber für die weitere ökumenische Debatte fruchtbarer Gedanke“. Er bedauerte es, dass ein entsprechender Vorschlag von Johannes Paul II. vor 15 Jahren auf evangelischer Seite kaum positive Reaktionen hervorgerufen habe.
Im Jahr 2001 hatte der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich die Protestanten ermutigt, über eine eingeschränkte Anerkennung des Papstamts als „ökumenisch akzeptierten Sprecher der Weltchristenheit im Dienst der Einheit“ nachzudenken. Dieser Sprecher dürfe aber für Nicht-Katholiken weder lehramtliche noch juristische Kompetenz haben. Friedrichs Vorschlag hatte damals für heftige Diskussionen gesorgt. KNA
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juni 2010)
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