12. November 2010

Mehr gute Nachrichten aus Afrika

Von nst_xy

Katholische Kirche plant kontinent-weiten Informationsdienst.

Afrika besteht aus Krisen und Katastrophen. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die meisten Medien. Wenn die Nachrichten überhaupt etwas von Afrika bringen, dreht es sich um Hunger und Elend, Kriege und Korruption. Das soll anders werden, wünschen sich die Vertreter der katholischen Kirche auf dem Schwarzen Kontinent. Und sie tun auch etwas dafür: Sie bereiten die Gründung einer kontinentalen Nachrichtenagentur vor.

Schon jetzt nutzen viele afrikanische Bistümer moderne Kommunikationsmittel, unterhalten Kirchenzeitungen, Radiosender oder einen eigenen Internetauftritt. Es gibt sogar schon zwei katholische Nachrichtendienste, einen englischen in Kenia und einen französischen in der Demokratischen Republik Kongo. Neu ist die geplante kontinentale Zusammenarbeit: Ganz Afrika vom Mittelmeer bis zum Kap der Guten Hoffnung soll beim neuen Nachrichtendienst vertreten sein. Erste Beschlüsse zum Aufbau einer Nachrichtenagentur haben die afrikanischen Bischofskonferenzen vor kurzem in Nairobi gefasst. Damit wollen sie vor allem der Kirche in Afrika selbst eine kräftigere Stimme geben: Die Katholiken sollen mehr über ihresgleichen in anderen Teilen des Kontinents erfahren, im Glauben gestärkt werden und in der Gesellschaft mehr Gehör finden. Zusätzlich sehen sie die Massenmedien und die bessere Vernetzung als Chance, um Frieden und Versöhnung, Demokratie, Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung voranzubringen.

Geplant ist, dass der neue Nachrichtendienst seine Meldungen und Berichte in Englisch, Französisch und Portugiesisch verbreitet.

Ein zentraler Ausschuss hat jetzt ein Jahr Zeit, um die Ideen in konkrete Formen zu gießen: Er soll einen Arbeitsplan zur Gründung der Agentur entwickeln; ein Finanzausschuss soll sich um die Beschaffung der nötigen Mittel kümmern.

Fides, der Informationsdienst der Päpstlichen Missionswerke in Rom, hatte schon getitelt: Ka11/8/2010 11:48:38 AMtholische kontinentale Nachrichtenagentur für Afrika soll noch innerhalb des kommenden Jahres ihre Tätigkeit aufnehmen. Experten vom katholischen Medienrat CAMECO in Aachen beurteilen die Entwicklung skeptischer: Es habe schon 2007 Versuche zur Entwicklung einer entsprechenden Agentur gegeben, die aber im Sande verliefen. Das jetzige Vorhaben sei sehr ehrgeizig. Noch fehlten jedoch klare Vorstellungen, wie die Agentur aufgebaut sein und welche Inhalte sie vermitteln soll. Außerdem sei die Finanzierung völlig offen. Anstatt eine große neue Agentur zu schaffen, rät die CAMECO, kleinere Brötchen zu backen: regionale Kommunikationsmittel weiterzuentwickeln, die bestehenden Agenturen zu stärken, das Korrespondentennetz auszubauen.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Massenmedien in Europa dauerhaft ausgewogener über Afrika berichten und ihnen auch positive Entwicklungen dort eine Nachricht wert sind. Rund um die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika gab es immerhin schon gute Ansätze in diese Richtung.

Clemens Behr

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, November 2010)
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