Jugendliche formulieren ihre Hoffnungen an die Weltwirtschaft.
Der Glaube an große Ideale
Dass Jugendlichen angesichts der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise Zweifel an ihrer Zukunft kommen, ist mehr als nachvollziehbar. Auch, dass sie sich nicht besonders motiviert fühlen oder angesichts der komplexen Zusammenhänge mutlos werden.
Vielleicht lauschten die 1700 Teilnehmer beim 20-jährigen Jubiläum der „Wirtschaft in Gemeinschaft” (WiG) 1) am 29. Mai deshalb nahezu lautlos dem, was 17 Jugendliche aus allen Teilen der Welt ihnen zum Abschluss ihres Festkongresses vortrugen. In Sao Paulo/Brasilien hatten sich Unternehmer, Arbeitnehmer, Führungskräfte, Verbraucher, Anleger, Wirtschaftswissenschafter und -Politiker aus aller Welt eingefunden. Im Mai 1991 hatte Fokolar-Gründerin Chiara Lubich dort die WiG ins Leben gerufen. Rückblick und Ausblick standen deshalb auf dem Programm.
Eine Wirtschaft, die auf dem Prinzip der Geschwisterlichkeit beruht, und die deshalb dazu beitragen wird, dass jeder Mensch und jedes Volk in Würde leben kann: Das wünschen sich die Jugendlichen, und haben das in einer vierseitigen Botschaft mit dem Titel „Von Sao Paolo in die ganze Welt” festgehalten 2). „Wir fühlen uns verantwortlich für die Wirtschaft und die Welt in 20 Jahren”, sagen sie in ihrer Botschaft und verpflichten sich darin, sich für eine Wirtschaftsform einzusetzen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Die 1700 Teilnehmer verstehen die Ungeduld der jungen Menschen, die die kapitalistische Logik nicht mehr akzeptieren wollen. Hatte doch Luigino Bruni, Koordinator der internationalen WiG- Kommission, zuvor in seinem Vortrag unterstrichen: „Die ,Wirtschaft in Gemeinschaft’ kümmert sich schon um die Armen, bringt schon eine neue Mentalität im Herzen der Menschen hervor, aber jetzt geht es darum, auch die wirtschaftlichen Institutionen zu verändern; das ist das Programm für die nächsten 20
Jahre”. Und fast schon in Vorwegnahme der Botschaft der Jugendlichen hatte er unterstrichen: „Heute steht das Kapital im Mittelpunkt, morgen müssen es die Menschen sein. Ihre Kreativität, ihre Leidenschaft macht den Unterschied aus.” Mit Blick auf die Entstehung der Initiative in einer geistlichen Bewegung hob der Wirtschaftsdozent hervor: „Charismen und junge Menschen haben die Hoffnung gemeinsam, den Glauben an die Zukunft, an Ideale und große Projekte.”
Genau das rufen die Jugendlichen dann ihren Zuhörern zu: „Wir glauben daran, dass wir die ,Wirtschaft in Gemeinschaft’ verwirklicht sehen werden!” Ihr Glaubensbekenntnis ist Schlusspunkt des Kongresses – und Ausgangsbasis für die nächsten 20 Jahre.
Gabi Ballweg
1) Die Neue Stadt berichtete im Juni über die Geschichte der Initiative.
2) Vollständige Botschaft: www.edc-online.org
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2011)
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