Alles war schnell ganz nass.
Erfahrungsberichte
Mein Mann und ich hatten uns entschlossen, unser Wasserbett zu verkaufen. Nun mussten wir die mit Wasser gefüllten Matratzen entleeren. Ein mühsames, langwieriges Unterfangen! Das Wasser floss nur spärlich durch den dünnen Schlauch ab. Geduld war gefragt, trotzdem war der Boden unseres Schlafzimmers schnell pitschnass.
Am Abend wollten wir eigentlich nach Bern fahren, wo wir uns einmal im Monat mit anderen Ehepaaren treffen, um uns über unser Leben nach dem Wort auszutauschen. Wir waren beide gereizt, was sich auch auf unsere beiden Töchter auswirkte. Mein Mann entschloss sich, daheim zu bleiben. Was sollte ich tun: bleiben oder fahren? Da es wenig Sinn machte, zu zweit auf das Ablaufen des Wassers zu warten, und man inzwischen nichts anderes tun konnte, entschied ich loszufahren.
Die anderen Ehepaare versuchten, mich aufzumuntern, und mit ihrer feinfühligen Art brachten sie mich sogar dazu, über unsere Situation zu lachen. Trotzdem wanderten meine Gedanken immer wieder nach Hause: Wie es meinem Mann wohl ging? Aber da ich ohnehin nichts tun konnte, versuchte ich, meine Sorgen Gott zu übergeben und mich ganz auf den Augenblick zu konzentrieren. Auf der Heimfahrt fragte ich mich etwas beklommen, was mich wohl daheim erwarten würde?
Dort angekommen, war ich erstaunt, einen höchst zufriedenen Ehemann vorzufinden. Die Situation war zwar noch unverändert, doch war ihm während meiner Abwesenheit eingefallen, dass er in seiner Arbeit einen Wassersauger hatte, mit dem das Wasser blitzschnell abgesaugt wäre. Dies gelang am folgenden Tag auch ohne Probleme, und als wir übers Internet einen Käufer für das Wasserbett fanden, empfand ich das als zusätzliches Geschenk.
K.S.
Im Wechselbad der Gefühle
Als Pflegeassistentin in einem Alters- und Pflegeheim erklärte mir der Pflegeleiter vor vier Jahren überraschend, dass ich das vom Betrieb gesteckte Ziel nicht erreiche. Dadurch seien Unstimmigkeiten im Pflegeteam entstanden. Er gebe mir einen Monat Zeit; wenn ich mich bis dahin nicht ändere, werde mir gekündigt.
Das war ein harter Schlag für mich. Sofort wurde ich mir bewusst, dass ich in meinem Alter kaum noch eine neue Stelle finden könnte. Natürlich überlegte ich auch, was ich falsch gemacht hatte.
„Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken“, so hieß das Wort des Lebens jenes Monats. Mit diesem Blick auf Jesus wollte ich doch immer schon unseren Bewohnern begegnen! Ganz für sie da sein, so wie Jesus sie geliebt hätte. Jetzt galt es, diese Prüfung mit Ausdauer zu überwinden: Dem Pflegeleiter und den Arbeitskolleginnen, die meinen Einsatz nicht verstanden, weiter mit Liebe und unvoreingenommen zu begegnen. Dabei spürte ich, dass ich diesen Schmerz mit dem gekreuzigten und verlassenen Jesus teilen konnte. Auch er war in seinem Einsatz nicht verstanden worden.
Als ich am anderen Morgen ins Pflegebüro kam, las ich am Kalenderblatt folgende Worte: „Seid mutig und stark, fürchtet euch nicht und erschreckt nicht vor ihnen, denn der Herr, dein Gott, er ist es, der mit dir geht; er wird dich nicht verlassen.“ Diese Worte trafen mich zutiefst. Mit Freude begann ich meine Arbeit.
Kurze Zeit später kam eine Bewohnerin auf mich zu und sagte, dass sie von der Zurechtweisung gehört habe. Sie habe sich bereits bei der Betriebskommission für mich eingesetzt. Sie wollten auf keinen Fall, dass ich weggehe. Auch von anderen Arbeitskollegen, Freunden, in der Pfarrei, auf der Straße und beim Einkaufen wurde ich in der Folge darauf angesprochen.
Es folgte ein Wechselbad: Als ich im Auftrag der Vorgesetzten eine Nacht bei einer sterbenden Frau wachte, machten mir Arbeitskolleginnen Vorwürfe: „Das ist nicht nötig.“ Und ein paar Wochen später schrieb mir eine 90-jährige Bewohnerin: „Sie sind ein Segen für unser Heim. Sie versuchen sich in uns alte Menschen hineinzuversetzen und mitzufühlen. Ein bisschen Zeit, ein freundliches Wort, ein Lächeln, das genügt. Ich wünsche, dass Gott Ihnen die Kraft schenkt, so weiterzumachen.“
Ein Auf und Ab also, eine Zeit, in der ich auf Herz und Nieren in den Werten, die ich bei der Arbeit vertrete, geprüft wurde. Ich habe mich entschieden, mich den Forderungen des Zeitmanagements nicht anzupassen, sondern den Menschen im Blick zu behalten; mich weiterhin in Demut für den Frieden, das Gute und Schöne im Betrieb einzusetzen. Mir wurde nicht gekündigt. Meine größte Aufgabe bestand darin, den Arbeitskolleginnen zu verzeihen. Ihnen jeden Tag neu zu begegnen. Jetzt bin ich sehr dankbar; durch diese schmerzliche Zeit hat sich vieles zum Wohl der Bewohner verbessert. Und zufriedene, frohe Mitarbeiterinnen leben die Wertschätzung auch untereinander.
P.K.
Das „Wort des Lebens“ ist das Herzstück des Monatsmagazins NEUE STADT.
Deshalb finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier neben dem monatlichen Kommentar auch Erfahrungsberichte von Menschen in aller Welt, die aus dem Schriftwort ihr Leben gestalten.
Wenn auch Sie uns Ihre Erlebnisse damit zukommen lassen möchten, schreiben Sie an Redaktion NEUE STADT, Hainbuchenstr. 4, D-86316 Friedberg oder an: redaktion@neuestadt.com
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September 2012)
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