14. September 2012

Leben mit dem Wort – September 2012

Von nst_xy

Kernsätze

  • So wie die Wüste nur nach ergiebigem Regen erblüht, kann auch die Saat, die bei der Taufe – durch den Glauben – in uns hineingelegt wurde, nur dann aufgehen, wenn sie mit dem Wort Gottes getränkt wird.
  • Dieses besondere und wertvolle Wasser sprudelt immer dann in unseren Herzen, wenn wir es für die anderen öffnen.
  • Manchmal genügt es, anderen ein gutes Wort, ein Lächeln, eine Geste der Solidarität zu schenken, und wir finden in uns von Neuem die Fülle, eine tiefe Zufriedenheit, eine überfließende Freude.

Hintergrund

Das Gespräch Jesu mit der Samariterin über das „lebendige Wasser“ ist von einem Missverständnis geprägt, wie man es im Johannesevangelium häufig findet (Joh 2,18-22: Gespräch mit den Juden über den Tempel; 3,1-13 Nikodemus: „Von neuem geboren werden“; 6,52-58 Gespräch mit den Juden über das „Essen“ des „Fleisches“ Jesu; 8,21f. Gespräch mit den Juden über das „Hinweggehen“ Jesu; 11,20-27 Jesus und Martha: „Auferstehung“; 14,1-7 Jesus und Thomas: der „Weg zu den himmlischen Wohnungen“). Bibelexperten sprechen daher auch vom „johanneischen Missverständnis“.

Gewiss handelt es sich dabei um ein Stilmittel, das der Evangelist bewusst verwendet, um die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser zu gewinnen. Aber die johanneischen Missverständnisse haben auch eine theologische Bedeutung: Sie treten dort auf, wo sich die beiden in Jesus vereinten Wirklichkeiten – die göttliche Offenbarung und die Welt – hart im Raum stoßen und die Gefahr besteht, dass die Offenbarung Gottes auf Befremden, Unverständnis und Ablehnung stoßen könnte.

Das erzählte Missverständnis macht dem Leser diese Spannung bewusst und hilft ihm, sie auszuhalten und die Botschaft Jesu nicht auf sein eigenes, kleines Maß zu reduzieren.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September 2012)
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