„Das habt ihr mir getan.“
Auch viele Nichtgläubige setzen sich großherzig für andere Menschen ein. Was ist dann an der Nächstenliebe der Christen so besonders?
Einige Erlebnisse im letzten Vierteljahr fand ich in Bezug auf diese Frage sehr anregend: Ich war einige Wochen in einem Hamburger Krankenhaus. Nach einer Hüftoperation stellten sich Komplikationen ein. Außer dem Operateur kannte ich niemanden. Von Ärzten und Schwestern, die ich vorher nie gesehen hatte, habe ich jedoch eine Aufmerksamkeit und Feinfühligkeit, ja Liebe erfahren, die mich bewegt hat.
Ich habe eine große Achtung vor ihnen empfunden, neben der großen Dankbarkeit als Patient, der auf tausend Dienste angewiesen ist, weil er sich selbst nicht helfen kann. Für mich war auch emotional spürbar etwas Heiliges in dieser Atmosphäre. Natürlich habe ich mich gefragt: Wie bewege ich mich als Christ in dieser Umgebung? Wie könnte christliches Zeugnis hier aussehen? – Die meisten wussten nicht, dass ich Pfarrer bin.
Ich konnte da natürlich nicht reden, schon gar nicht predigen. Ich konnte nur mitspielen. Das bedeutete, jede dieser Personen, die da vor meinem Bett standen, mit einer großen Achtung und Aufmerksamkeit anschauen, mich bedanken und, wo es sich ergab, für ihr Leben interessieren.
Eines Tages bemerkte eine Krankenschwester das Neue Testament auf meinem Nachtkästchen. Erstaunt fragte sie: Sind Sie Christ? Sie outete sich dann als Mitglied einer freikirchlichen Gemeinschaft. In unsere Beziehung kam eine zusätzliche Qualität. Es war, als ginge in dieser sehr schönen menschlichen Atmosphäre noch ein Licht auf. Wir konnten uns austauschen über unsere Erfahrungen als Christen.
Wenn ich zurückschaue, dann hat sich in dieser Krankenhauszeit jeden Tag das Wort aus der Heiligen Schrift ereignet: „Die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott.“ 1)
Martin Gögler
1) 1 Johannes 4,7
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, April 2013 )
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