Geh aus mein Herz und suche Freud
Ein musikalischer Sommerwunsch
„Ein Lied sagt mehr als tausend Worte“ – „Mit Musik geht alles besser.“ – „Wo man singt, lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ – „Wer singt, betet doppelt.“ 1) – „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann, und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ 2) – „Musik ist die einzige Sprache, in der nicht gelogen werden kann.“ 3) – „Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe.“ 4) – „Schon ein kleines Lied kann viel Dunkelheit erhellen.“ 5) – „Musik kann befreiender sein als ein Schrei.“ 6)
Mehr oder weniger bekannt, drücken diese Zitate unseren Sommerwunsch an Sie aus: Dass diese kommenden Tage und Wochen – egal, wo und wie Sie sie verbringen – Ihnen Freude, innere Ruhe, vertiefte Beziehungen zu Gott und Ihren Mitmenschen, viel Licht und Befreiendes bereithalten.
Gleichzeitig sind sie aber auch Einladung und Anregung, wieder einmal bewusst Musik zu hören, zu singen – allein oder gemeinsam mit anderen – und damit etwas zum Klingen zu bringen, was sonst wenig Raum und Zeit hat. Oder auch: sich den einen oder anderen Liedtext wieder einmal bewusst hervorzuholen, wie etwa das bekannte geistliche Sommerlied von Paul Gerhardt (1607–1676) 7): „Geh aus mein Herz und suche Freud“ 8), das im Original 15 Strophen umfasst und bei dem im ersten Teil die Betrachtung der Natur als „des großen Gottes großes Tun“ und die Bewunderung ihrer Schönheit im Vordergrund stehen. Der zweite Teil handelt von der Vorahnung, dass der himmlische Garten die irdische Schönheit nochmals überstrahlen werde.
1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier,
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.
2. Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an,
als Salomonis Seide.
3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fleucht aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder,
Die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Thal und Felder.
5. Die Bächlein rauschen in dem Sand,
und mahlen sich und ihren Rand
mit schattenreichen Myrthen,
Die Wiesen liegen hart dabei,
und klingen ganz von Lustgeschrei
der Schaf und ihrer Hirten.
8. Ich selbsten kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Thun
erweckt mir alle Sinnen:
Ich singe mit, wenn alles singt,
und laße, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.
9. Ach, denk ich, bist du hie so schön,
und läßt dus uns so lieblich gehn
auf dieser armen Erden,
Was will doch wohl nach dieser Welt
dort in dem reichen Himmelszelt
und güldnem Schloße werden?
11. O wär ich da! O stünd ich schon,
ach, süßer Gott! vor deinem Thron,
und trüge meine Palmen!
So wollt ich nach der Engel Weis’
erhöhen deines Namens Preis
mit tausend schönen Psalmen.
15. Erwähle mich zum Paradeis
und laß mich bis zur letzten Reis’
an Leib und Seele grünen:
So will ich dir und deiner Ehr
allein, und sonsten keinem mehr,
hier und dort ewig dienen.
1) Augustinus. 2) Victor Hugo. 3) Yehudi Menuhin. 4) Rabindranath Tagore. 5) Franz von Assisi. 6) Patricia Kaas.
7) Paul Gerhardt, evangelisch-lutherischer Theologe, gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter.
8) Vollständiger Liedtext im Internet bei wikipedia, im Evangelischen Gesangbuch Nr. 503; gesungen: www.vielklang.evangelisch.de/lieder/geh-aus-mein-herz-und-suche-freud
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2013)
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