Selbstwert gesucht!
Welche Voraussetzungen sind nötig, um andere Menschen wertschätzen zu können?
Das tiefste Geheimnis des Selbstwerts liegt darin, den Nächsten stärker zu würdigen, jedem Menschen mehr Respekt zu zeigen. Wer sich darin übt, die anderen als wertvoll anzusehen, wird überrascht feststellen, dass sein Selbstwertgefühl wächst.
Ein gutes Selbstwertgefühl entsteht nicht aufgrund wer weiß welch großer Dinge, die jemand geleistet hat, nicht aufgrund seines Besitzes oder des zurückgelegten Lebensweges. Es besteht darin, sich als das anzuerkennen, was man ist: ein Geschöpf Gottes. Wer dahin gekommen ist, muss notgedrungen den Schluss ziehen, dass er aus demselben Grund auch die anderen wertzuschätzen hat.
Wenn wir uns nicht selbst lieben können, woraus sollen wir dann unsere Liebe zu anderen schöpfen? Jesus hat nicht gesagt: „Liebe deinen Nächsten mehr als dich selbst“, sondern: Liebe ihn „wie dich selbst“. Das Wörtchen „wie“ weist auf die Notwendigkeit hin, uns selbst nicht zu vernachlässigen, sondern zu achten. Das Gebot setzt eine gewisse Gleichwertigkeit der Liebe zu mir und zum anderen voraus.
Dabei kann es sich nicht um eine Gleichwertigkeit auf der Ebene der Intensität handeln, denn sonst hieße das Gebot: „Liebe deinen Nächsten so stark, wie du dich selbst liebst.“ Und dann wäre die absurde Folge, dass jemand, der sich geringschätzt, andere dementsprechend nur wenig lieben soll. Vielmehr spricht Jesus von einer qualitativen Gleichwertigkeit: Es gilt, sowohl den anderen Personen wie auch sich selbst in Liebe zu begegnen, weil sie das Gleiche sind, eins sind: Mensch, Kind Gottes.
Pasquale Ionata
Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, November 2013)
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