16. Juni 2014

Ein Preis fürs „Miteinander“

Von nst1

Internationales Netzwerk mit Europäischem St.-Ulrichs-Preis ausgezeichnet

Zum zehnten Mal wurde am 3. Mai in Dillingen der Europäische St.-Ulrichs-Preis verliehen. Mehr als 400 Gäste und Bürger der nordschwäbischen Stadt waren in die Basilika gekommen. Sie wollten miterleben, wie die Europäische St.-Ulrichs-Stiftung ihren mit 10 000 Euro dotierten Preis erstmals im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes vergab und nicht wie bisher mit Altkanzler Helmut Kohl, Altbundespräsident Roman Herzog, dem polnischen Friedensnobelpreisträger Lech Walesa oder der Geigerin Anne-Sophie Mutter Einzelpersonen ehrte, sondern ein Netzwerk: „Miteinander für Europa“. Darin haben seit 1999 europaweit katholische, evangelisch-lutherische, reformierte, orthodoxe, anglikanische und freikirchliche Christen aus rund 300 Bewegungen in 22 Ländern zusammengefunden.

Dieses Miteinander-Netzwerk setze der Europamüdigkeit eine internationale Eigeninitiative entgegen, unterstrich Leo Schrell, Landrat und Vorsitzender der Europäischen St.-Ulrichs-Stiftung, deren Zweck die Förderung der Einheit Europas in christlich-abendländischer Tradition ist. Das Netzwerk, so Schrell, sehe sein wesentliches Ziel im Bau von Brücken der Verständigung über Grenzen hinweg. Dabei gehe es nicht um Gleichmacherei, vielmehr fördere das Netzwerk die nationalen Identitäten und baue Brücken zur Verwirklichung der politischen Gemeinsamkeit. Die Bewegung sei vom Geist des Evangeliums geprägt und inspiriere in ganz Europa Menschen zum gesellschaftlichen Einsatz. Sie schaffe ein Bild von Europa, das nicht nur auf wirtschaftlichen Konzepten beruht. Diese Ziele „decken sich zu 100 Prozent mit denen der Stiftung“.

In seiner Laudatio würdigte der Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation, João Kardinal Bráz de Aviz, das Netzwerk als eine der nachhaltigsten Antworten auf die Suche der Menschen in Europa nach Sinn und nach Gott. Es eröffne Räume für eine zukunftsweisende Vision von einer Einheit der Gegensätze. Die Gemeinschaften hätten im „Miteinander für Europa“ ihre „gelegentlich eng gefasste Weltanschauung hinter sich gelassen“, um anderen Christen entgegenzugehen. Dieser „Exodus aus dem Vertrauten“ führe zu einem „neuen Advent“, einer Ankunft des Anderen. Der Kardinal bezeichnete Jesus als die einigende Mitte, in der die Freundschaft mit dem Fremden möglich sei. Er zeigte sich im Anschluss an den Gottesdienst vom „Miteinander für Europa“ so begeistert, dass er spontan die Mitgliedschaft beantragte.

Als Vertreter des Internationalen Leitungskomitees, dessen Mitglieder aus Rom, Paris, Brüssel und deutschen Städten angereist waren, bedankte sich Gerhard Proß (CVJM Esslingen) für den Preis, der vor allem Ansporn sei. Der Geist Gottes habe den Bewegungen geholfen, konfessionelle, nationale, spirituelle und kulturelle Grenzen zu überwinden. Daraus sei eine Liebe zu Europa entstanden und der Wunsch, entsprechend einer Aussage des früheren Präsidenten der EU-Kommission Jacques Delors, „Europa eine Seele zu geben“.

Vorher hatten sich die meisten Dillinger nicht so recht vorstellen können, wie mehrere Personen den St.-Ulrichs-Preis entgegennehmen können. Danach aber waren sie sicher: „Jetzt wird es kaum noch passen, Einzelne auszuzeichnen. Europa braucht viele!“
Gabi Ballweg

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juni 2014)
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