Die Farbe des Friedens
Große Gedenktage prägen das Jahr 2014: Das Attentat eines serbischen Nationalisten auf das österreich-ungarische Thronfolgerpaar am 28. Juni vor 100 Jahren in Sarajevo löste den Ersten Weltkrieg aus. Am 1. September vor 75 Jahren begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Beide hatten Millionen von Toten und unsägliches Elend zur Folge.
„Nie wieder Krieg!“ Der Ruf ist Appell und Ausdruck einer Sehnsucht der Menschheit zugleich. In Europa hat sich das Gros der damaligen Kriegsgegner längst die Hände gereicht und über Jahrzehnte im Frieden gelebt. Meine Generation kennt den Krieg nur von den Berichten der Eltern und Großeltern und aus den Geschichtsbüchern. Wir haben Leichenberge höchstens im Fernsehen gesehen, den Terror, die Angst ums Überleben, den Hunger nicht am eigenen Leib erfahren müssen.
Gerade im Jahr des Gedenkens rückt uns der Krieg aber wieder dichter auf die Pelle: Die Medien bringen das Leiden in der Ostukraine, Syrien, im Irak, in Israel und im Gazastreifen in unsere vier Wände. Die Wucht von Hass und Gewalt scheint unseren Traum von einer friedlicheren Welt platzen zu lassen.
Aber die Sehnsucht bleibt, die Hoffnung lebt weiter. Die Anstrengungen, den Frieden wiederzuerlangen, sind ungebrochen. Politiker suchen das Gespräch, Nationen bilden Allianzen. Zahllose Einzelpersonen und private Organisationen machen sich für den Frieden stark: mit Demonstrationen, Petitionen, Solidaritätsaktionen.
Ausgerechnet in Sarajevo haben sich junge Leute zu einem internationalen Friedenscamp getroffen. Die Frage, was Friedensforscher tun können, um Kriege zu beenden, stellen wir im „Gespräch“. Im offenen Brief machen wir uns Gedanken, ob unsere Länder Waffen in Kriegsregionen wie den Irak liefern sollen. Auch im Beitrag über das Referendum in Schottland über seine Abtrennung vom Vereinigten Königreich geht es letztlich um das friedliche Zusammenleben .
Und was können wir tun? – Die „Jugendlichen für eine geeinte Welt“ haben Mitte August das Projekt „Dialogue to unlock“ gestartet. Mit ihrem Appell zum Dialog und zu Verhandlungen als einzig möglichem Weg zum Frieden im Nahen Osten wollen sie Regierungen und politische Entscheidungsträger erreichen. Zugleich fordern sie auf, im persönlichen Leben Frieden zu schaffen. Wer den Appell unterstützen will, kann auf Facebook ein Foto von sich in einem weißen Kleidungsstück hochladen: als sichtbares Zeichen des Wunsches nach Frieden und der Bereitschaft, sich im eigenen Umfeld dafür zu engagieren. In wenigen Tagen hat die Seite über 4 500 Personen erreicht.
Viele klinken sich ins „Time-out“ ein: Überall auf der Welt halten sie um 12 Uhr Ortszeit eine Gedenkminute oder beten für den Frieden. Denn sie sind überzeugt, dass er nicht allein Werk der Menschen, sondern Werk Gottes ist.
Sicher wären es viele weitere Initiativen wert, genannt zu werden. Schreiben Sie uns doch, welche Sie besonders beeindrucken!
Peace – Schalom – Frieden wünscht Ihnen
Ihr
Clemens Behr
www.facebook.com/dialoguetounlock
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September 2014)
Ihre Meinung ist uns wichtig, schreiben Sie uns! Anschrift und E-Mail finden Sie unter Kontakt.
(c) Alle Rechte bei Verlag Neue Stadt, München