10. Dezember 2014

Worum geht es eigentlich?

Von nst1

Der Trubel und das Gedränge auf den Straßen, Schlangen in den Geschäften und genervte Familienmitglieder können den „Zauber des Advents“ trüben und den Blick darauf, worum es geht, vernebeln. Eine Familie erzählt in ihrem Weihnachtsbrief, was ihnen den Blick wieder geschärft hat.

„Noch vor wenigen Wochen dachten wir, dass es dieses Jahr keinen Weihnachtsbrief geben würde. Im Herbst hatten wir erfahren, dass sich unser viertes Enkelkind angemeldet hat. Sicher kann sich jeder vorstellen, welche Freude das für uns war. Aber bald stand die Frage im Raum, wie das mit dem Kinderzimmer gehen könnte. Und die Überlegungen betrafen auch uns, da wir mit den Eltern des Ungeborenen auf unterschiedlichen Etagen im gleichen Haus wohnen.

Nach wochenlanger Überlegung haben wir uns entschieden, unsere Wohnungen zu tauschen. Und was das bei vollem „Betrieb“ heißt, möchten wir lieber nicht beschreiben … Irgendwann im Oktober starteten wir – mit dem klaren Ziel: Weihnachten wollen wir fertig sein!

Anfang Dezember – um das erste Adventswochenende – wurde der Frust immer größer: fast überall Kisten, Baustelle, Chaos. Um uns herum ging die ganze Welt auf Weihnachtsmärkte, stellte sich auf die schöne „Stille Zeit“ ein. Und wir? Wir kämpften uns von Zimmer zu Zimmer: ausräumen – streichen – einräumen. Ausräumen – streichen – einräumen. Wir hatten den Eindruck, dass es dieses Jahr keinen Advent für uns gibt und erst recht kein Weihnachten. Doch dann war da plötzlich ein Gedanke: „Warum machten wir denn das alles? Wer hat es ausgelöst?“ – „Ein noch nicht einmal geborenes Kind!“ – „Und bei Advent und Weihnachten – worum geht es da?“ – „Um ein kleines Kind!“

Was hatten wohl seine Großeltern Anna und Joachim und seine Eltern Maria und Josef aus Liebe zum noch nicht einmal geborenen Jesus alles bewerkstelligt? Wie waren wohl die Beziehungen unter ihnen gewesen – in aller Unsicherheit, bei all den anstehenden Veränderungen, mit all dem, was noch zu tun war und trotz der Müdigkeit und dem Gefühl der Überforderung? Wie waren sie wohl miteinander umgegangen, um dem ungeborenen Kind ein Zuhause zu bereiten?

Sicher hat die Liebe zu dem erwarteten Kind sie vieles überwinden lassen. Und wir? Wie wollten wir Jesus, der auch heute, jeden Tag – und keineswegs nur an Weihnachten! – unter uns ankommen will, einen Platz bereiten? Gelegenheiten gab es viele: die eigene Idee aus Liebe zu den anderen zurücknehmen, aufmerksam sein auf die Mitbewohner, ihre Bedürfnisse wahrnehmen und aufgreifen, … Mit dieser Haltung der Liebe haben wir es geschafft, einen besonderen Advent zu leben. Und in dieser Haltung kann das ganze Jahr das Kind in unserer Mitte ankommen; so kann das ganze Jahr Weihnachten sein.

Unter dem Strich ein befreiendes Jahr: eine kleinere Wohnung, sich trennen von Überflüssigem – und die neue Erkenntnis: Es geht um das Kind!“

 

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Dezember 2014)
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