Reden statt Rückzug
Woran erkennt man, dass ein Kind gemobbt wird? Wie sich wehren?
Mitschüler tuscheln, kichern, lassen beleidigende Bemerkungen fallen, wenn ein bestimmter Schüler sich meldet. Mädchen hänseln eine Mitschülerin wegen ihres Aussehens. Buben lauern einem schmächtigen Mitschüler auf und erpressen Geld oder Wertgegenstände. Mobbing – nicht zu verwechseln mit kurzzeitigen Streitereien – ist so alt wie die Menschheit.
Gefährdet sind vor allem Kinder, die kleiner, schwächer, ärmer oder übergewichtig sind, ängstlich oder schüchtern wirken, keine Markenkleidung tragen, Ausländer sind, sich aggressiv verhalten oder zu Hause überbehütet werden.
Alarmsignale können sein: Kinder wollen gar nicht mehr zur Schule gehen oder den Schulweg vermeiden und lieber gefahren werden; ihre schulische Leistung lässt nach; sie „verlieren“ Geld, beginnen zu stottern, ziehen sich zurück, haben Albträume. Aber: Die gleichen Symptome können auch bei leistungsbedingter Überforderung auftreten!
Häufig reagieren Kinder auf Mobbing mit ängstlichem Rückzug oder dem Versuch, dem mobbenden Schüler zu gefallen. Beides löst das Problem aber nicht, sondern stabilisiert die Gewalt-Dynamik zwischen Opfer und Täter. Dagegen führt ein energisches Auftreten gegenüber den Mobbern viel eher zum Ziel.
Wird ein Kind gemobbt, sollte der Fall schnellstmöglich offengelegt und das Gespräch mit Lehrern, Eltern, Elternbeirat, Schulleitung, letztlich mit den mobbenden Schülern selbst gesucht werden. Ihnen zu signalisieren „Wir sehen eure Taten!“, ist der erste Schritt. Dann ist es nötig, gezielt Verbündete zu suchen, die dem gemobbten Kind in kritischen Situationen beistehen, und sein Selbstbewusstsein zu stärken, damit es für sich eintreten kann.
Dauerhaft liegt im Aufbau eines positiven Klimas in der Schule die sicherste Prävention gegen Mobbing.
Johannes Wehr
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, März 2015)
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