Verletzende Karikaturen
Müssen gläubige Menschen Satire in Bezug auf ihre Religion aushalten können oder hat Meinungsfreiheit Grenzen?
Damit kein Missverständnis aufkommt: Nichts, aber auch gar nichts kann den Tod der Karikaturisten von „Charlie Hebdo“ rechtfertigen. Die, die getötet haben, waren keine gläubigen Muslime, sondern Terroristen!
Der Duden erklärt das Wort „heilig“ so: „Im Unterschied zu allem Irdischen göttlich vollkommen und daher verehrungswürdig.“ Wem nichts heilig ist, setzt sich und sein Denken absolut. So zeichnet man Karikaturen, die Menschen zutiefst verletzen, denen etwas „heilig“ ist, nämlich Allah, Jahwe oder Christus.
Als ich junger Pfarrer war, gab es eine Karikatur, die Christus am Kreuz zeigte. Darunter stand: „Mehr Nägel, ich rutsche.“ Was hat mir dieses Bild für einen Stich ins Herz gegeben! Ich habe mich mit Leserbriefen dagegen gewehrt und nichts erreicht: Pressefreiheit!
Karikaturen über Mohammed, den Propheten, auf den der Koran zurückgeht, verletzen die religiösen Gefühle von Muslimen. Dokumentieren sie wirklich die Pressefreiheit?
Karikatur und Satire müssen ihren Platz haben, müssen beißen und übertreibend den Finger in die Wunden der Zeit legen. Ich bin gegen jede Zensur. Und doch gibt es Grenzen. Der Karikaturist Jürgen Tomicek trifft es, wenn er sagt: „Religion ist ein Teil unserer Gesellschaft und kann nicht ausgeklammert werden. Die Frage ist nur, wie ich ein religiöses Thema umsetze. Karikatur darf nicht verletzend sein.“
Wem nichts heilig ist, hat keinen Respekt vor dem, was gläubigen Menschen heilig ist. Die Erklärung der Bürgerrechte in Frankreich 1789 sagt: „Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was dem anderen nicht schadet.“ Damit ich erfahre, was dir schadet und was dir guttut, brauchen wir das Gespräch. Fehlt dieser Dialog, kann die Karikatur ein Instrument der Verletzung werden. Das Neue Testament sagt: “Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.” 1)
Jörg Schlüter
1) Römer 13,10
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, März 2015)
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