16. Januar 2016

Dass ihr mich besuchen kommt!

Von nst1

Erfahrungsberichte: Leben nach dem Wort Gottes

Dass ihr mich besuchen kommt!

Rund um Weihnachten hatte ich immer wieder eine ältere Frau im Herzen, die ich gern noch besuchen wollte. Aber irgendwie kam es nicht dazu. Am Sonntag nach Weihnachten rührte mich eine Predigt an, die in dem Gedanken gipfelte, Jesus nicht in unseren schönen Krippenlandschaften weit weg vom Leben der Menschen zu lassen, sondern ihn konkret zu denen zu bringen, für „die kein Platz in der Herberge war”.
Sofort fiel mir die ältere Dame ein. Über die Feiertage war sie in eine Nachbarstadt zur Kurzzeitpflege gegangen, da sie – ganz allein und auf sich gestellt – die Einsamkeit an diesen Tagen nur schwer aushalten konnte. Ich fragte meinen Mann, ob wir nicht unseren Spaziergang in der Nachbarstadt machen und ihn mit einem Besuch bei der Frau verbinden könnten. Sofort willigte er ein.
Als wir in das Zimmer traten, rief sie uns voller Freude entgegen: „Dass ihr mich besuchen kommt!” Über zwei Stunden verbrachten wir mit ihr in vergnügter Runde. Als wir uns verabschiedeten, sagte sie: „Wissen Sie, ich hatte den Schwestern hier gesagt, dass ich keinen Besuch bekäme über Weihnachten, weil mein einziger Bruder weit entfernt lebt und nicht mehr mobil ist. Und dann steht ihr hier. Ich kann kaum beschreiben, was mir das bedeutet!” Dann nahm sie mich mit Tränen in den Augen in den Arm.
P.B.

Ich wohnte eine Etage über ihr.

Das Telefon klingelte. Am Display erkannte ich die Nummer meines Bruders, der mich quasi nie anruft. Unser Verhältnis ist eher schwierig und distanziert. Er hatte eine freudige Nachricht: Ich werde wieder Tante. So hatte ich nach langer Zeit wieder die Möglichkeit, ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Ich stellte viele Fragen und wir kamen gut ins Gespräch. Er vertraute mir einiges aus seinem Berufsleben an, sprach von seinen Schwierigkeiten und seinen Ideen. Ich machte ihm Mut, diese umzusetzen. Wir telefonierten 20 Minuten – eine intensive und schöne Zeit; für mich ein Geschenk von Gott!
Kurz danach erinnerte ich mich daran, dass ich mich noch bei meiner Vermieterin bedanken wollte. Sie wohnt eine Etage unter mir und ich hatte ihr in den vergangenen Wochen einige Male die Zeitung vor die Tür gelegt, sodass die 80-jährige nicht extra den Weg zur Eingangstür machen musste. Daraufhin hatte sie mir eine Schokolade und eine Postkarte mit „Danke fürs Zeitung hochbringen“ vor meine Tür gelegt. Dafür also wollte ich mich noch bedanken.
So begegnete ich dann Gott auf ganz andere Weise: Sie erzählte mir von ihren Arztbesuchen. Dabei hatte ihr Arzt durch Zufall festgestellt, dass sie einen bösartigen Tumor in der Zunge hat. Mit dieser Nachricht war sie nun schon eine Woche völlig allein und überfordert. Ich hörte zu und bot ihr meine Hilfe an. Sie sagte: „Danke, dass ist lieb von Ihnen. Sie tun mir schon einen großen Gefallen, wenn Sie mir die Zeitung hochbringen.“ Als ich wieder allein war, ging mir vieles nach: Ich wohnte nur eine Etage über ihr und hatte doch nicht mitbekommen, wie es ihr ging! Wie schnell bin ich doch in Gefahr, bei mir stehenzubleiben und nicht auf meine Nächsten zuzugehen! Aber dieser Augenblick war eine Ermutigung, dranzubleiben und dem Motto „horch in dich hinein“ zu trauen.
I.S.

Sie wussten nichts von meinem geistlichen Leben.

Ich habe sehr gute Freunde, an denen mir viel liegt und die zum großen Teil Agnostiker sind. Darum habe ich mich immer gescheut, ihnen klar und deutlich von meinem geistlichen Leben zu erzählen. Das machte mich unzufrieden. Eines Abends gingen wir mit einigen von ihnen spazieren. Wir kamen an einer Kirche vorbei, und mir kam der Wunsch hineinzugehen, um Jesus kurz zu grüßen. Da die anderen dabei waren, schien es mir nicht so ganz angebracht. Dennoch: Die innere Stimme war nicht zu überhören. So ging ich kurz in die Kirche. Spontan kam mir der Gedanke, zu Jesus zu sagen: „Bleib bei mir, denn ich bin bei dir.“
Während des Abendessens wollte ich meinen Freunden reinen Wein einschenken, aber ich wusste nicht genau, wie und wo anfangen. Irgendwie kamen wir dann aber auf Religion und Glauben zu reden. Es kam zu einem wunderschönen Gespräch. Sie erzählten von ihren Zweifeln und mir kamen Worte, ihnen von meinem Leben mit Gott zu erzählen, die ich mir nie hätte träumen lassen. Und alles in großem gegenseitigen Respekt. Ohne eine tiefe, echte Beziehung unter uns wäre so etwas nicht möglich gewesen.
G.I.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2016)
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