Kleine Nachlese

Reaktionen und Einschätzungen zum orthodoxen Konzil

Beim orthodoxen Konzil auf Kreta hatten im Juni 166 Delegierte aus zehn eigenständigen orthodoxen Kirchen sechs Dokumente beraten und im Konsens verabschiedet. In einer „Botschaft“ fassten sie ihre Anliegen zusammen: die Einheit der Orthodoxie, die Sorge um verfolgte Christen und die Religionsfreiheit, die Öffnung der Orthodoxie für Fragen der modernen Welt, etwa das Verhältnis zur Wissenschaft oder das Bemühen um Umweltschutz. Obwohl vier orthodoxe Kirchen nicht gekommen waren, darunter die russische, zu der mehr als die Hälfte aller orthodoxen Christen gehören, bezeichnete der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel das Konzil als „großes Ereignis“.

Allein, dass man sich versammelt hätte, um sich von „Angesicht zu Angesicht zu sehen, zusammen zu beten und zu reden“, wertete Papst Franziskus als sehr positiv. Nach Meinung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, stärkt das Konzil die Beziehungen zu anderen christlichen Kirchen. Für den Vorsitzenden der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, ist das Wichtigste, „dass das Heilige und Große Konzil zu einer ständigen Einrichtung unserer Kirche erklärt wurde“.

Der Münsteraner Ostkirchenkundler Thomas Bremer sieht das Konzil „ambivalent“. Positiv sei der lange Vorbereitungsprozess und dass sechs Texte vorbereitet und von fast allen im Vorfeld angenommen wurden – auch von denen, die dann nicht teilgenommen haben. Für den Wiener Theologen Givi Lomidze kommt es nun vor allem „auf die Rezeption der Synodenbeschlüsse von den anwesenden, aber auch abwesenden Kirchen an“.
gba

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September 2016)
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