9 Fragen an Yannik Sellmann

Worüber ich lachen kann?

Texte meiner Kollegen; TV-Serien wie „Community“ und „South Park”. Mich selbst: Man traut sich mehr, wenn man sich nicht zu ernst nimmt.

Was mich ärgert?
Wenn der HSV sich doof anstellt, Lewis Hamilton ein Formel-1-Rennen gewinnt oder ich beim Brettspiel verliere.

Wichtigstes Erlebnis?
Zu sagen: „Ich mag, was ich bin, mit allen Ecken und Kanten, und will auch nicht anders sein.” Seither hab ich mehr Selbstvertrauen und bin glücklicher.

Meine Schwäche(n)?
Ich kann nicht gut mit Menschen. Gruppen sind unheimlich, stressen. Mir fehlt Empathie; bin sozial eher unbeholfen. Schlecht kann ich: Smalltalk, Mathe, leise sein; und ich höre mich zu gern reden.

Meine Stärke(n)?
Ich kann ganz gut mit Menschen. Habe ich mich auf sie eingelassen, ohne sie abzuschrecken, kann ich mich fallen lassen. Ich finde schnell verlässliche Freunde, die ähnlich komisch sind.

Mein Lieblingsort?
Provinzbahnhöfe, wo ich allein bin. Auf Slam-Touren komme ich an kleine Juwelen wie Suhl, Kirchheim unter Teck oder Aldekerk: Man kann sich ungestört hinsetzen, Musik hören, nachdenken.

Meine Kraftquelle?
Musik. Auch wenn ich die Stimme einer Krähe ohne Kehlkopf und kein Rhythmusgefühl habe. Musik macht Liebeskummer erträglicher und frohe Momente euphorisch, inspiriert und beruhigt.

Was mir Sorgen macht?
Einen falschen Beruf zu wählen. Meine Eltern zu enttäuschen. Zu früh zu sterben. Dass die Menschheit nicht aus Fehlern lernt. Dass ich nicht der bin, der ich zu sein glaube.

Warum Poetry-Slam?
Mich fasziniert die Frische des Formats. Nirgendwo sonst hat man an einem Abend so viele Ansätze und Denkanstöße, so viel Talent und Kreativität. Hier können sich junge Leute beweisen, egal wie sie aussehen und wie schlecht ihre Schulnoten sind.

Foto: (c) Florian Just

Ich will zum Lachen bringen, unterhalten, reimen, rumpöbeln, mit Sprache spielen. Daher wechsele ich oft von Gags und Pointen zu Reimpassagen und Lyrik.

Yannik Sellmann,

geboren 1995 in Bonn, aufgewachsen in Hamm, kam zum Jurastudium nach München, will aber zu Geschichte wechseln. Derzeit ist er Praktikant beim Ausbildungsfernsehkanal afktv.
2016 wurde Yannik Bayerischer Meister im Poetry-Slam. Bei diesem Wettbewerb tragen Sprachpoeten in einer bestimmten Zeitspanne eigene Texte vor; schauspielerische Elemente und Selbstinszenierung gehören dazu. Die Sieger werden vom Publikum gekürt.
Yannik ist bei den Jugendlichen der Fokolar-Bewegung engagiert. Mit 80 Jahren möchte er sagen können, dass er im Leben irgendwo für Menschen eine Veränderung zum Besseren erreicht hat.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai/Juni 2017)
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