Tannenspitzen-Gelee

Beschrieben von: Ulrike Comes

In den Tiefen meines Küchenschrankes finde ich ein Glas Tannenspitzen-Gelee. Vor etlichen Jahren hatte es mir ein Freund geschenkt, der aus dem Schwarzwald angereist war. Mir schien das damals sehr besonders und kostbar. Also habe ich es für eine besondere Gelegenheit, einen besonderen Gast weggestellt – und total vergessen!
Haben wir das nicht irgendwie im Blut? Etwas aufheben, zurückstellen, es könnte ja noch eine andere Gelegenheit kommen. Bessere Zeiten – oder auch schlechtere.
Aber warum warten? Jeder kann für mich ganz besonders sein. Wenn ich es nicht sofort sehe, dann muss ich eben einen zweiten Blick riskieren.
Das Tannenspitzen-Gelee ist erfreulicherweise noch genießbar. Und nun biete ich es ausnahmslos jedem Frühstücksgast an.

Foto: (c) Ulrike Comes

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, März/April 2018)
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