Ansprüche

Gab es einen Giftgasanschlag in Syrien ? Wenn ja, wer hat ihn verübt ? Das Fernsehen zeigt Aufnahmen, die den verbotenen Einsatz chemischer Waffen belegen sollen. 

Trump, May und Macron lassen Raketen auf Ziele in Syrien schießen. Viele westliche Regierungen finden das angemessen. Bürger in Syrien jedoch sagen: „Es gab gar keinen Giftgasanschlag. Alles vorgespielt, um einen Grund zu haben, militärisch einzugreifen. Den USA, Saudi-Arabien und ihren Verbündeten passt nicht, dass Präsident Assad immer mehr Kontrolle über Syrien zurückgewinnt.“ Russland verbreitet ähnliches. Was stimmt? Ich weiß es nicht. Ich frage mich nur, wieso eine schnelle Reaktion auf einmal so wichtig ist? Acht Jahre lang werden Unschuldige in Syrien unter Beschuss genommen, stehen Todesangst aus, kämpfen ums Überleben, flüchten zu Millionen – aber darauf zu reagieren ist offenbar nicht so wichtig. Sicher ist, dass Raketen den Menschen in Syrien nicht im Geringsten weiterhelfen. Sicher ist auch: das “Wort des Lebens“ für Juni passt schon jetzt. “Selig, die Frieden stiften”. Es braucht sie in den Gemeinden und Regierungen, in den Familien und Büros, in Syrien wie in den USA, Russland, Saudi-Arabien und bei uns: Menschen, die Frieden aufbauen. Mehr denn je.

Titelbild NEUE STADT 3/2018 (Mai/Juni) – Gestaltung: elfgenpick.de

„Ich fühl mich noch jung!“ Wer so redet, muss schon ein gewisses Alter haben. Der Spruch wird nicht von einem jungen Menschen kommen. Aber wer sagt denn, dass wir uns jung fühlen müssen? Offenbar ist es schwer, zu seinem Alter zu stehen. Die Werbung führt uns junge, sportliche Senioren vor. Weil die „Best-Ager“ für Fitnessgeräte, Antifalten-Cremes, Reisen und sportliche Autos ein riesiger Markt sind. Kollegen, Verwandte, Freunde schieben uns mit ihren netten oder dummen Bemerkungen unterschwellig ihre Vorstellungen unter. Krank sein? Kann ich mir nicht leisten. Zur Ruhe kommen? Lassen meine Verpflichtungen nicht zu. Fit müssen wir sein, gesund, sportlich, gut aussehen – um zu funktionieren, möglichst lange Leistung zu bringen und niemandem zur Last zu fallen! Mit dem Streben nach Leistung, Fitness und Perfektheit beschäftigen wir uns im Schwerpunktthema. Achten sie doch mal drauf, wo Sie überall Leistungs- und Effizienzdenken verinnerlicht haben. Und welche Erwartungen Sie aufgrunddessen an sich und Ihre Mitmenschen stellen.
Was das Engagement für den Frieden angeht, kann das Perfektionsstreben wohl nie groß genug sein. Was das Arbeits- und Familienleben angeht, wünsche ich Ihnen eher mehr Gelassenheit.

Herzlichst, Ihr
Clemens Behr

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(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai/Juni 2018)
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