Passiert

Aus dem Leben mit dem Wort 

Bei uns im Schulhaus haben wir zwei Klassen mit Schülern aus aller Welt, die noch fast kein Deutsch sprechen. Für die Lehrerinnen ist der Unterricht wohl jeden Tag eine Herausforderung, da jeder Schüler/jede Schülerin auf einem anderen Niveau ist. Auch mit dem Computer haben nicht alle gleiche Erfahrungen; manche wissen nicht, wie man ihn anschaltet.
So fragten die Lehrerinnen mich und meine Klassenkameraden, ob wir bereit wären, je einem Schüler/einer Schülerin den Computer zu erklären. Ich war nicht wirklich begeistert von der Idee, da ich mich selbst nicht sehr gut auskenne. Per Zufall bekam ich ein Mädchen, das fast nichts verstand. Aber wir sahen das beide nicht als Barriere und haben es gut geschafft. Nach einer Stunde verabschiedeten wir uns glücklich voneinander.
L. (15 J.)

Illustration: (c) Pirmin Pokorny (www.elfgenpick.de)

„Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke“ (Exodus 15,6)
Im Kommentar zum Wort vom Januar hieß es: „Dialog heißt, dem Partner auf Augenhöhe zu begegnen. Wir bemühen uns, ihm zuzuhören, uns selbst ganz zurückzunehmen.” Das erinnerte mich an einen Bekannten, von dem ich länger nichts gehört hatte. Er hat viele Probleme, äußert sich manchmal ziemlich heftig. Trotzdem habe ich beschlossen, ihn anzurufen. Wie wird er wohl reagieren? Als ich ihn an seiner Arbeitsstelle erreichte, habe ich mich gleich entschuldigt, weil ich so lange nichts hören ließ, und angekündigt, mich abends zu melden. Ich nahm mir vor, nur zuzuhören. Bevor ich anrufen konnte, meldete er sich. Wie ein Wasserfall kam es aus ihm heraus: Probleme an der Arbeit, mit den Nachbarn. Ich hörte einfach zu. Nach einiger Zeit fragte er mich tatsächlich: „Wie geht’s dir eigentlich?”
H.B.

Ein Klassenkamerad hat eine Karikatur von mir gezeichnet, sie fotokopiert und in der ganzen Schule verteilt. Ich war wütend, hätte ihn am liebsten verprügelt. Aber dann habe ich ihn zu uns nach Hause eingeladen, um gemeinsam Hausaufgaben zu machen und einen Film anzuschauen. Als er mich fragte, warum ich so reagiert hätte, habe ich ihm erzählt, dass ich Jesus folgen möchte und deshalb nicht Böses mit Bösem vergelten kann. Er war erstaunt und wollte mehr von mir wissen. Jetzt gehört er auch zu denen, die nach dem Evangelium leben wollen.
D.

Es war ein eiskalter Abend. Eine alte, in eine Decke gehüllte Frau versuchte, ihre Blumen zu verkaufen. Aber die Menschen eilten gleichgültig vorbei; sie wollten nur schnell nach Hause. „Wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich gern etwas Heißes trinken“, schoss es mir durch den Kopf. Aber nirgendwo in der Nähe gab es ein offenes Lokal. Eine Straßenecke weiter sah ich einen Jungen, der selbstgebackene Kuchen anbot. So kaufte ich ein Stück für die Blumenfrau. Als ich es ihr brachte, hat sie mir wortkarg gedankt, aber ich las die Rührung in ihren Augen.
S. (Rumänien)

Am Vormittag hatte ich im Pfarrbüro etwas abzuholen. Ich übersah, dass sich für diese Zeit jemand zum Gespräch von auswärts angemeldet hatte. Die Person traf mich nicht an und war nach meiner Rückkehr schon wieder abgefahren. Meine erste Reaktion: Peinlich! Meine zweite Reaktion: Herr, ich lebe das mit dir! Meine dritte Reaktion: Versuch, den Gesprächspartner per Handy zu erreichen. Ergebnis: Verständnis für meine Unaufmerksamkeit und neuer Termin. Und ich bin wieder im Frieden.
H.S.

Mit einem Mitbruder in unserem Konvent tue ich mich schwer. Ich habe gegen ihn manche Vorurteile. So nebenher bat ich ihn heute um den Gefallen, mir im Internet etwas zu suchen. Ich war sehr erstaunt und erfreut, als er bald darauf bei mir klopfte und mir das Gewünschte schon brachte. Ich habe gespürt: Wenn ich ihm mehr zutraue, ihm mehr Freiheit zugestehe, ihn liebe im Sinn des Evangeliums, kann er aus sich herausgehen und ich meine Vorurteile überwinden.
W.A.

„Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lukas 1,38)
Mir geschehe“ – das waren meine Entdeckungen zu diesem Lebenswort: Ein älterer Mitbruder war schon im Juli zu uns gekommen und ich erlebte ihn oft vorsichtig abtastend. Im Dezember hat er sich an einer Stelle deutlich positioniert – und ich freute mich über die dadurch zum Ausdruck kommende Freiheit. Da „geschieht etwas“. Oder über den Mitbruder, der mich über sein Vorhaben informierte, in einer oder zwei Lampen Leuchtmittel austauschen zu wollen. Ich ließ alles stehen und liegen und ging mit ihm. Und obwohl die Sache vielleicht alleine auch machbar gewesen wäre: Es war gut, es miteinander zu tun. Die unvorhergesehenen Dinge wollen eingeplant werden, ihren Platz bekommen – sie geschehen lassen.
A.S.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai/Juni 2018)
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