17. Juli 2018

Passiert

Von nst5

Aus dem Leben mit dem Wort

Earwin aus Panama erzählt: „Als ich an der Tafel stand, sagte die Lehrerin, dass ich gut im Rechnen bin. Dann hat sie mich gebeten, manchmal einigen Klassenkameraden zu helfen, die sich mit dem Rechnen schwertun. Ich habe gedacht, dass Jesus an meiner Stelle nicht Nein gesagt hätte. Deshalb habe ich froh diesen kleinen Dienst übernommen.“
E. (7 Jahre)

Illustration: (c) elfgenpick/Pirmin Pokorny

Mein E-Mail-Programm war völlig blockiert und der Informatik-Spezialist in Ferien. Auch ein befreundeter junger Student konnte das Problem nicht lösen. Ich konnte nichts tun, fühlte mich lahmgelegt und musste einfach loslassen, geduldig warten. Aber dann stellte ich fest: Ich hatte wieder mehr Zeit zum Lesen und Meditieren. Mutig ging ich auch ans Aufräumen meines Pultes und konnte das Aufgestaute erledigen. Was für eine Erleichterung! Man spricht vom „Glück im Unglück“, aber für mich war es auch eine Erfahrung von loslassen, sterben und auferstehen! Und jetzt funktioniert das Programm fast vollständig wieder. Trotzdem: Sieben Tage ohne E-Mails – eine Erfahrung, für die ich dankbar bin.
R.B.

Ich bin Albanerin. Nach langem Suchen fand ich eine Stelle als Krankenschwester in einem Krankenhaus in Mazedonien. Um meiner religiösen Überzeugung treu zu bleiben, habe ich mich geweigert, bei einem Schwangerschaftsabbruch zu assistieren. Meine Kollegen waren sehr erstaunt, denn damit riskierte ich die Kündigung. Obwohl mir das Risiko bewusst war – meine Familie lebt von meinem Gehalt – blieb ich bei meiner Entscheidung. Nach einigen Tagen hat mir der Oberarzt privat gesagt, dass er meine Haltung bewundert. Auch er war gegen die Abtreibung, hatte aber nicht gewagt, dazu zu stehen, um den Arbeitsplatz nicht zu verlieren.
S.E.

Ein Kollege rief spät abends an. Er hatte Nachtdienst im elektronischen Bereich der Bank, in der wir beide arbeiten, und kam mit einem Zwischenfall nicht klar. Er war in Panik. Ich war nicht begeistert, mein gemütliches Zuhause zu verlassen, fuhr aber hin. Zunächst habe ich versucht, seinen Frust aufzufangen. Dann haben wir die abgestürzten Daten wieder hergestellt. Damit war meine Arbeit beendet, aber ich dachte an die Worte Jesu: „Wenn dich einer bittet, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.“ So habe ich ihm vorgeschlagen, nach Hause zu gehen. Er aber wollte bleiben. Auch ich blieb noch und wir redeten bis Mitternacht.
F.S.

Nach etlichen Ehejahren hatten wir uns nichts mehr zu sagen. Jeder Versuch, sich zu erklären, schlug fehl und wirkte wie Benzin im Feuer. Es wurde unerträglich. Auch die Kinder, die bereits außer Haus waren, spürten das. Eines Tages, ich war besonders niedergeschlagen, flehte ich Gott um Hilfe an. In der Straßenbahn blätterte ich in einer Zeitschrift. In einem Artikel ging es drum, dem anderen Vertrauen zu schenken. Mir wurde klar, dass ich nicht Worte und Fakten analysieren sollte, sondern meiner Frau Vertrauen schenken musste. Ich musste ihr zeigen, dass ich an sie glaubte. Das habe ich dann versucht; langsam änderte sich die Situation. Nach Tagen des Schweigens begannen wir, wieder miteinander zu reden.
F.T.

Nico hört im Fernsehen, dass es ein Erdbeben gegeben hat. Man bittet um Hilfe für die betroffene Bevölkerung. Viele haben ihre Häuser verloren. Da fragt Nico: „Können wir ihnen nicht unser Zelt geben?“ Die Eltern zögern, denn sie haben zwei Ausflüge für die ganze Familie geplant. Wo sollen sie sonst übernachten? Die ganze Familie, auch der Bruder und die Schwester von Nico, reden lange darüber. Dann beschließen sie, darüber abzustimmen: Ja! Alle sind einverstanden, dass das Zelt den Notleidenden gegeben wird.
N. (8, Argentinien)

Eine Bekannte überreichte mir eines Tages einen Umschlag mit Geld, das ihr die Schwiegermutter hinterlassen hatte. Ich war zu der Zeit klamm im Portemonnaie und hätte das Geld, 1000 Euro, gut gebrauchen können. Doch ich war aufgewühlt. Wie sollte ich das Geld einer alten Dame annehmen, die ich nicht einmal gekannt hatte? Ich lehnte das Geschenk ab und schlug vor, es dem Personal im Pflegeheim zukommen zu lassen. Das schien mir richtiger. Der Kontakt riss ab. Drei Monate später kam dann ein Brief: Die Bekannte warf mir vor, dass ich das Geld nicht angenommen hatte. Der Ton bestätigte meine „innere Stimme“: Sie hätte gern als Mildtäterin dagestanden. Aber ich wäre in eine Abhängigkeit geraten.
M.-L. O.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2018)
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