Wort des Lebens. Plus

Göttliche Einlage

Welch verheißungsvolles Schriftwort im Juli! Endlich genügt etwas! Keine Leistung ist verlangt, kein Kampf um mehr; auch das Zurückbleiben hinter meinen eigenen Erwartungen oder denen anderer spielt keine Rolle.
Wie erleichternd ist es, wenn ein Schüler das Resultat seiner Prüfung erhält und sieht: „Es genügt. Die Punkte genügen für das angestrebte Studium.“ Oder wenn ein Arbeitssuchender bei seinem Vorstellungsgespräch hört: „Ja, es genügt, was Sie an Ausbildung und Erfahrung mitbringen. Das ist gerade richtig.“
Es genügt, was ich habe! Es genügt, was ich tue! Es genügt, was ich bin!
Doch mögen solche Aussagen auch selbstvermessen klingen oder wie übersteigerte Selbsteinschätzung, nur gültig für einige besonders glückliche Naturen.
Das wäre vermutlich so, wenn es nicht diese „göttliche Einlage“ gäbe: „Meine Gnade“ – die Gnade Gottes, die alles Fehlende auffüllt. Und je mehr bei mir fehlt, umso mehr Platz ist für die Liebe Gottes.
Das klingt wunderbar! Doch praktisch habe ich dann trotzdem oft an meinen Mängeln zu knabbern, eben an dem, was ich als ungenügend empfinde. Ich besitze auch schon gut erprobte Strategien, um diese zu vertuschen, zu kompensieren, zu ignorieren oder traurig darüber zu resignieren.
Man wandelt nur, was man annimmt“. Diese Aussage von C.G. Jung verbindet sich mit diesem Wort des Lebens. Sie macht Mut und lädt ein, die Schwachheit zuzulassen, sie bewusst wahr- und anzunehmen. Dann kann Wandlung geschehen, durch die Gnade, die Gott schenkt: in meiner Unfähigkeit, meinem Versagen, meiner Grenze, an die ich wieder und wieder stoße. Genau so wie ich sie empfinde, kann ich sie Gott hinhalten und loslassen. Und ich weiß: Das genügt. Gerade jetzt kann Gott sich mir schenken und mich wandeln. Er kann durch meine Grenzen hindurch Neues wachsen lassen oder mir im Bestehenden Frieden schenken.
Ein Tipp: Den Tag über – sooft es mir einfällt – ganz bewusst sagen:
„Es genügt! Die Gnade Gottes füllt alles aus.“
Glücklich, wer so durch das Leben gehen kann.
Ester Klein

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2018)
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