Wort des Lebens. Plus

Die Losung
Seit einigen Jahren ist das Wort des Lebens vom Februar identisch mit der sogenannten Jahreslosung. Doch was verbirgt sich dahinter?
War es anfangs (1930) eine Initiative der evangelischen Jugend, wurde doch schon 1934 die erste Jahreslosung veröffentlicht, die maßgeblich von Mitgliedern der Bekennenden Kirche und bereits ab 1938 gemeinsam mit den Methodisten und Baptisten ausgewählt wurde. Seit 1969 beteiligt sich die römisch-katholische Kirche aktiv am Auswahlverfahren, seitdem heißt der entsprechende Textplanausschuss: „ÖAB, die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen“. Inzwischen stammen die 24 Mitglieder der ÖAB aus fünf europäischen Ländern.

Die Jahreslosung will Menschen helfen, sie ermutigen und ihnen Lust auf das Bibellesen machen.
Doch wozu dient eine ‚Losung‘? Wie ein Code, ein Passwort, verhilft sie uns zu einem ungehinderten Zugang in einen geschützten Bereich – sie hilft uns, in das Reich Gottes zu kommen. Denn wo können wir ihm – Gott! – so direkt begegnen wie in seinem Wort?
Manchmal darf ich das erfahren: Als mir unerwartet Psalm 23 in einer schwierigen Auseinandersetzung einfiel: „Der Herr ist mein Hirte“. Auch jetzt, gerade jetzt war mein Glaube, mein Vertrauen gefragt. Nicht ich musste die Lösung finden, Gott war dabei.
Oder als ich kürzlich eilig und möglichst unauffällig an einer Bettlerin vorbeigehen wollte: „Was Ihr dem Geringsten …“ Also stehen bleiben, mir Zeit nehmen. Es entspann sich ein gutes Gespräch, das uns beide lächeln ließ. Und ich war Jesus, Gott in ihr begegnet.

Es gibt Worte, wie mein Konfirmationsspruch („Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herr und Heilands Jesus Christus“ 2. Petrusbrief 3,18), die mich begleiten, die mir in unterschiedlichen Situationen aufleuchten, Fragen in mir aufwerfen, mich vor Gott stellen, mir manchmal einen Spiegel vorhalten – nicht immer nur zu meiner Erbauung. Und doch möchte ich diese Momente der Gewissenserforschung nicht missen!
Martin Luther sagt einmal: „Gottes Wort ist kein Lese-, sondern ein Lebewort. Man muss es sich so einbilden (verinnerlichen), dass schier eine zweite Natur daraus wird.“
Das wünsche ich mir – und uns allen!
Annette Gerlach

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2019)
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