Synodalität

Wenn zurzeit mehr Beteiligung in der Kirche gefordert wird, ist oft auch die Rede von „Synodalität“. Was ist gemeint?

Woher kommt der Begriff „Synodalität“?
Er leitet sich ab von „Synode“. Das kommt aus dem Griechischen und meint: „gemeinsam unterwegs sein“. Im Leben der Kirche werden damit von Anfang an Zusammenkünfte bezeichnet, bei denen die Apostel, später ihre Nachfolger, zusammenkommen, um über aktuelle Fragen zu beraten. Wie damals in Jerusalem, als sie die Frage umtrieb, ob Heiden erst wie die Juden beschnitten werden müssten, bevor sie den christlichen Glauben annehmen.

Gibt es Synoden in allen Kirchen?
Ja, auch wenn sie sich in Zusammensetzung und Aufgabenstellung unterscheiden.
In der evangelischen Kirche sind sie die „Kirchenparlamente“ und beraten über die Arbeit und alle kirchlichen Fragen. Sie setzen sich aus gewählten evangelischen Christen zusammen, nach dem Grundsatz: Wer getauft ist, ist berufen und hat Teil am Amt der Kirche.
Ähnlich in der reformierten Kirche: Die „Kirchensynode“ tagt regelmäßig und ihre Sitzungen sind öffentlich. Als gesetzgebendes Organ entscheidet sie über die grundsätzlichen Fragen von Führung, Gestaltung und Organisation der Kirche.
In der Orthodoxie gibt es in den nationalen Kirchen Bischofssynoden, bei denen alle Bischöfe beraten und beschließen. In der Zeit zwischen zwei Synoden trifft ein ständiges Gremium, der „Heilige Synod“, die Entscheidungen. Zu ihm gehören der Patriarch und weitere Bischöfe.
Auch in der katholischen Kirche sind Synoden Zusammenkünfte von Bischöfen –die lehramtliche, liturgische, kirchenrechtliche und pastorale Fragen der Zeit beraten. Laien und Experten werden gehört. Manchmal beruft ein Bischof eine Diözesansynode ein, um pastorale Fragen zu beraten.

Was ist der synodale Weg, von dem immer wieder die Rede ist?
In der katholischen Kirche ist das eine Auswirkung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Seither wird Kirche sehr stark als Volk Gottes gesehen, das als Gemeinschaft unterwegs ist. Das wachsende Verständnis dafür weckt auch das Bewusstsein, dass alle Getauften aktiv am Auftrag der Evangelisierung teilhaben. Damit das auch in einer Weltkirche mehr zum Tragen kommt, probiert Papst Franziskus auch neue Formen aus: wie etwa die weltweiten Befragungen vor der Familien- und der Jugendsynode oder eine Vor-Synode der Jugendlichen, damit sie ihre Themen und Fragen in die Bischofssynode einbringen können.

Und wie geht Synodalität konkret?
Noch befindet sich die katholische Kirche da in einem Lernprozess. Gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse, die viele einbeziehen und dabei nicht der Beliebigkeit oder dem Zeitgeist unterliegen, sind die Herausforderung. Ziel ist ja nicht einfach mehr Demokratie – im Sinne von Mehrheitsentscheidung – in der Kirche. Geistliche Grundlage des synodalen Weges, so betont Franziskus immer wieder, ist das Hören auf das Wort Gottes und den Heiligen Geist. Synodalität beginnt mit dem Zuhören, dem gegenseitigen Zuhören; damit, sich in einen Dialog und in die Perspektive des anderen zu begeben. Ein komplexes Geschehen in einer multimedialen, vernetzten Welt, das alle in die Verantwortung nimmt und zu Akteurinnen und Akteuren macht.
Gabi Ballweg

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai/Juni 2019)
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