Wort des Lebens. Plus

Hinterfragt

Wenn Jesus seine Jünger mit „Friede sei mit euch!“ begrüßt, dann meint er damit nicht: Friede, Freude, Eierkuchen. Seine Absicht ist: Unsere Beziehung zueinander soll mit Frieden gefüllt sein. Er meint nicht den Weltfrieden, sondern den Frieden zwischen Mensch und Mensch. Bonhoeffer hat das einmal so formuliert: „Nur aus dem Frieden zwischen Zweien und Dreien kann der große Friede erwachsen, auf den wir alle hoffen.“
Damit der Friede wachsen kann, muss er also im Kleinen beginnen. Und das ist gar nicht immer einfach. Manchmal sogar richtig anstrengend. Stellen wir uns vor, es kommt ein Mensch auf uns zu, der uns verletzt hat, vielleicht sogar gemobbt. Mein erster Impuls wäre: Ich wechsel die Straßenseite. Aber dann wacht die Frage auf: Wie ernst ist es dir mit dem: Friede sei mit euch?
In der Klasse, am Arbeitsplatz, in der Familie geht es weiter. Will ich, wie Jesus, diesen Frieden wirklich in die Beziehungen tragen, ihn wahr machen? Nicht immer einfach, oder?
Das zweite Stichwort im Wort des Lebens vom Monat Mai ist: senden. Jemand, der gesandt wird, vertritt nicht seine eigenen Interessen, sondern die Interessen dessen, der ihn gesandt hat. Und da betreten wir ein gefährliches Gebiet. Zunächst ist alles ganz einfach. Dieses Bibelwort macht aus Jesu Jüngern Gesandte. Durch die Taufe sind auch wir Christen Gesandte Gottes geworden, denn wir leben nicht unseren eigenen Stil, sondern den Stil Gottes. Was soll daran gefährlich sein? Dieses: Unsere eigene Sichtweise als die Sichtweise Gottes zu verstehen. „Wenn du nicht so und so glaubst und lebst, dann bist du kein Christ.“
Es könnte aufregend werden, wenn wir in einer christlichen Gruppe oder Bibelstunde der immer wiederkehrenden Frage nachgehen: Vertrete ich wirklich die Interessen Gottes oder nehme ich Gottes Autorität, um meine eigenen Ansichten zu untermauern?
Jörg Schlüter

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai/Juni 2019)
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