Passiert

Aus dem Leben mit dem Wort

Wir betreuen eine Dame im Altersheim. Mit einer Vollmacht erledige ich auch Bankgeschäfte für sie. Eines Tages forderte sie mich energisch auf: „Gib mir meine Kontokarte zurück! Du musst sie noch haben.“ Ich war sicher: Die Karte hatte ich ihr mit den Belegen gebracht. Es stand Aussage gegen Aussage. Ich konnte nichts tun als beten und daran glauben, dass die Karte sich finden würde.

Illustration: (c) FrankRamspott (istock)

Wochen vergingen. Ich dachte schon, sie hätte sie gefunden und es mir nur nicht gesagt. Doch dann fuhr sie mich am Telefon heftig an, ich solle endlich die Karte bringen. Abends ging ich zu ihr und sie führte mich sofort zum Tisch, wo die Karte lag. Ihr Bruder hatte wohl verschiedenes abgelegt und dabei war die Karte in einem Ordner gelandet, wo sie nicht hingehörte. Für mich war das ein Zeichen der Liebe Gottes: Alles war gut gegangen und die Dame konnte ihr Gesicht wahren.
K.-O. R.

Schon länger begleite ich einen afghanischen 30-Jährigen. Er hat die volle Anerkennung als Flüchtling. Nun suchte er eine Wohnung, damit er nicht in ein Camp musste. Über die Zustände dort war er geschockt. Seine Verlobte hatte eine WG-Wohnung gefunden. Es war ein „Loch“. Ich dachte bei mir: „Lieber Gott, du kannst ihn doch nicht in so einer Absteige wohnen lassen.“ Er aber wollte die Wohnung; sie schien ihm besser als das Leben im Camp. Obwohl ich mich bei der Wohnungssuche raushalten wollte, musste ich jetzt aktiv werden. Zwei Wohnungen fand ich im Internet, aber aus beiden wurde nichts. „Gib nicht auf!“, hörte ich in mir. So schrieb ich allen meinen Bekannten eine SOS-Mail. Eine Stunde später rief ein befreundetes Paar aus dem Urlaub an und bot eine Wohnung an. Mir fiel ein Spruch ein, den ich kurz zuvor gehört hatte: „Gott kommt (hilft) immer – spätestens rechtzeitig.“
G.W.

In der Tat, ich empfange viel, bekomme sehr viel geschenkt von Gott und von Menschen. Dennoch fällt mir das Weitergeben bisweilen erstaunlich schwer: So hatte ich eine Woche lang Besuch von einem ehemaligen Klassenkameraden, den ich Jahre nicht gesehen hatte. Seine Marmelade brachte er mit, brauchte seine eigene Milch, mischte den besten Wein mit Süßstoff und hatte auch sonst recht eigenwillige Gewohnheiten. Das schnürte mir anfangs fast die Luft ab. Doch dann half das Monatswort mir auf die Sprünge: Ich verwöhnte ihn mit allen mir geschenkten Gaben. Er genoss es, lobte am Ende meine Gastfreundschaft in hohem Maße und meldete sich gleich wieder fürs nächste Jahr bei mir an. Möge mir dann das „Spiel“ von Neuem gelingen.
H.E.

Im Sommer fuhr unsere fünfköpfige Familie auf die Insel Teneriffa. An einem Abend wollten wir meinen dort lebenden Bruder besuchen. Mein Mann verfuhr sich auf dem Weg sehr oft. Statt etwa 15 Minuten brauchten wir eine Stunde. Mein Mann war sehr genervt, angespannt, nervös. Gern hätte ich ihm geholfen. Doch spürte ich, dass es in diesem Moment besser war, aus Liebe zu schweigen. Jede Hilfestellung hätte wohl zu einem Streit geführt. Eine ganze Stunde lang sagte ich keinen Ton. Endlich angekommen, erlebten wir einen heiteren und fröhlichen Abend. Mein Mann bedankte sich dann, dass ich bei der Fahrt geschwiegen hatte. Ich war froh, dass ich einen Beitrag zum Frieden geleistet hatte – sicherlich nicht ohne Hilfe des Heiligen Geistes.
E.G.

Ich leite ein Studentenwohnheim in einem Dorf in Punjab (Pakistan). Am Tag der Anmeldung zur Prüfung kamen zwei Brüder zu mir, um mir zu sagen, dass sie nicht das Geld hatten, um sich anzumelden. Leider hatte ich auch nicht die Mittel, um ihnen zu helfen. Aber ich wurde den Gedanken an die beiden nicht los. Weil ich ein klein wenig Geld gespart hatte, schickte ich dann – ohne den beiden etwas zu sagen – die Zulassungsanträge an das Büro des Studiendirektors. Noch am selben Tag erhielt ich einen großen Auftrag für eine Feldarbeit mit meinem Traktor.
M.A.

Es war noch Zeit bis zu ihrem Abflug. Wir gingen auf einen kleinen Hügel in der Nähe des Flughafens, um die Weite und Schönheit der Landschaft zu bestaunen. Sie war noch nie in unserem Land gewesen und dankbar für alle Eindrücke. Auf dem Rückweg lagen eine alte Bierflasche und eine Plastik-Flasche im Gebüsch. Sie hob sie auf. Am Parkplatz stand ein Mülleimer, in den sie die beiden Flaschen versenkte. „Schade, dass hier kein Glas-Container steht!“, hörte ich sie sagen. Was für eine zärtliche Geste für unsere Mutter Erde, dachte ich. Zurück vom Flughafen lagen eine Eisverpackung und eine leere Zigarettenschachtel auf der Straße. Ich hob sie auf und warf sie in den Mülleimer. Jedes Mal wenn ich seither etwas aufhebe, weiß ich mich verbunden mit der Erde und dieser jungen Botschafterin.
M.W.

Seit Jahren veranstaltet ein Jugendverband unserer Pfarrei ein Ferienlager für Kinder. Sie hatten mich eingeladen, vorbeizuschauen. Gern fuhr ich als Pastor zu den Kindern und Jugendlichen. Nach ein paar Tagen hatte ich mich zum Säuberungsdienst für die Toiletten-Anlagen gemeldet. Als ich begann, sah ich, dass die Abflüsse bei zwei Duschkabinen total voller Haare waren und nicht mehr funktionierten. Natürlich spürte ich in mir eine leichte Abneigung gegen diese Arbeit. Doch dann dachte ich: Nimm das als Sprungbrett, deine echte Liebe zu zeigen. So machte ich mich an die Arbeit und säuberte alle Abflüsse der Anlage. Das blieb nicht unbemerkt und manches Kind kam freudestrahlend vorbei, weil das Duschen jetzt wieder viel mehr Spaß machte.
H.O.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, November/ Dezember 2019)
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