Gemeinschaftlich

Mitbegründer

Igino Giordani (1894-1980), genannt „Foco“, Politiker und Schriftsteller, verheiratet und Vater von vier Kindern. Kulturell, kirchlich und spirituell gebildet, lernte der Abgeordnete 1948 Chiara Lubich kennen. Tief von der Spiritualität berührt, sah er darin einen Weg, als Verheirateter mitten in der Welt das Evangelium zu leben und zur Heiligkeit zu gelangen. Als erster „Verheirateter Fokolar“ öffnete er – wie Lubich oft sagte – die Fokolargemeinschaft auf die Welt hin. Giordani trat für die Aufwertung der Laien in der Kirche ein und war ein Pionier der Ökumene.

Pasquale Foresi (1929-2015), genannt „Chiaretto“, Theologe, lernte die entstehende Bewegung 1949 kennen und schloss sich einer Fokolargemeinschaft an. Chiara Lubich bat ihn bald, die Verantwortung für die Bewegung mit ihr zu teilen. Sie sah in ihm die besondere Fähigkeit, das Charisma der Einheit in konkreten Werken umzusetzen. Die Siedlungen, Verlage und das Universitätsinstitut Sophia gehen auf seine Impulse zurück. Als erster Fokolar, der Priester wurde, und Kopräsident wirkte er bei der Ausarbeitung der Statuten mit und war Ansprechpartner für den Vatikan.

Klaus Hemmerle (1929-1994), Bischof von Aachen. Als junger Priester nahm er 1958 in den Dolomiten an einem Sommertreffen der Bewegung (Mariapoli) teil. Der Theologe und Philosoph gab 1991 einen entscheidenden Anstoß zur Gründung des interdisziplinären Studienzentrums „Schule Abba“; es soll durch das Studium grundlegender Texte der Spiritualität die dort enthaltene Theologie herausarbeiten. Außerdem regte er eine weltweite ökumenische Weggemeinschaft von Bischöfen unterschiedlicher Nationalitäten und Konfessionen an, die der Spiritualität verbunden sind.

Städte auf dem Berg
Bereits 1962 nach einem Besuch in Einsiedeln schwebte Chiara Lubich eine Siedlung vor, die zeigt, wie das gelebte Evangelium alle Lebensbereiche prägen und erneuern kann: eine dauerhafte, fest installierte „Mariapoli“, in der die Bewohner Zeugnis geben von einer Gesellschaft, in der die gegenseitige Liebe die Grundregel ist. 1964 zogen erste Pioniere nach Loppiano (bei Florenz). Inzwischen gibt es weltweit 24 solcher Siedlungen. Je nach gesellschaftlichem Umfeld haben sie verschiedene Schwerpunkte wie die Ökumene in Deutschland und Großbritannien, die Umwelt in Belgien oder soziale Projekte in Brasilien.

„Paradies ’49“
Den Sommer 1949 verbrachten Chiara Lubich und einige der ersten Fokolarinnen zur Erholung in den Trientner Dolomiten. Diese Zeit in den Bergen wurde für sie zu einer sehr dichten geistlichen Erfahrung, zu einer Zeit der unmittelbaren Gottesbegegnung. Die mystischen Einsichten haben die im Entstehen begriffene Fokolar-Bewegung entscheidend geprägt.
Chiara Lubich schrieb ihre Erfahrungen jener Zeit nieder: Manches ganz unmittelbar in kurzen Notizen, anderes erst nach einigen Wochen in einer zusammenfassenden Rückschau, wieder anderes in Briefen an Igino Giordani. Die meisten Originale sind verloren gegangen. Später wurde aus vorhandenen und wiederaufgefundenen Schriften sowie aus aufgezeichneten Erinnerungen von Chiara Lubich eine Textsammlung zusammengestellt. Die Gesamtheit dieser besonderen Licht-Erfahrung und ihr schriftlicher Niederschlag wird häufig kurz als „Paradies ‘49“ bezeichnet. Die Textsammlung ist Grundlage für die Arbeit der 1991 gegründeten Studiengruppe „Schule Abba“.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2020)
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