Genießen können – genießbar sein

Die munteren Neunzigjährigen

Seit 2017 untersucht das Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen-Nürnberg die Lebenssituation von hochbetagten Menschen in Nürnberg. Inzwischen haben über 200 Frauen und Männer im Alter von 90 bis 100 Jahren an der Studie teilgenommen. Sie untersucht die psychologische Widerstandsfähigkeit sowie die Entwicklungspotenziale und Anpassungsleistungen von Menschen jenseits der 90, die vital und durch Lebensmut geprägt sind. Der Begriff Munterkeit beschreibt die Lebenshaltung dieser Hochbetagten. Es soll also kein repräsentatives Bild aller Neunzigjährigen in Nürnberg dargestellt werden.
Viele der untersuchten Hochbetagten haben ein positives Lebensgefühl und pflegen einen aktiven Lebensstil. Sie fühlen sich deutlich jünger, als ihr tatsächliches Alter und ihr Gesundheitszustand erwarten lassen. Viele von ihnen sind zwar von hohen gesundheitlichen Belastungen und Krankheit nicht verschont geblieben, doch scheint der gesundheitliche Zustand keinen oder nur wenig Einfluss auf die soziale Teilhabe oder die Lebensqualität zu haben. In manchen Bereichen ließen sich sogar Strategien erkennen, um mit erhöhten Belastungen umzugehen. Beispielsweise zeichnen sich Hochbetagte, die besonders vielen gesundheitlichen Einschränkungen ausgesetzt sind, durch hohe Willenskraft aus.

Anhedonie
bezeichnet eine fehlende oder verminderte Fähigkeit zum Empfinden von Freude, Lust oder Vergnügen und tritt häufig im Zusammenhang mit Depressionen und Belastungsstörungen auf. Betroffene können kaum oder gar keine positiven Emotionen empfinden, weder bei Musik, bei der Sexualität, beim Essen oder in der Begegnung mit anderen Menschen.
Quelle: Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.

Arm und unglücklich
Seit 2012 erscheint jährlich der World Happiness Report (Welt-Glücks-Bericht). Er beruht auf regelmäßigen Befragungen in 156 Ländern. Kriterien sind unter anderem die wirtschaftliche Situation, die soziale Sicherheit, die Gesundheitsversorgung, die Freiheit in den Lebensentscheidungen und wie stark Hilfsbereitschaft und Korruption empfunden werden. Der Report macht deutlich, dass die häufig verwendete Aussage „Arm, aber glücklich“ nicht stimmt. Menschen in ärmeren Ländern sind weniger glücklich. Erst, wenn die Grundbedürfnisse gesichert sind, gilt, dass ein Mehr an materiellem Besitz nicht glücklicher macht.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2020)
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