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Mauer-Steine

Nichts und niemand kann uns von der Liebe Christi trennen! Das ist die frappierende Zusage einer unbegrenzten und durch nichts zu erschütternden Liebe. Das Wort vom August ist ein Wort zum Durchatmen und Danken.
Paulus zählt auf: Weder Leiden, Angst, Verfolgung, Hunger, Armut, Gefahr, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas können uns von der Liebe Gottes trennen (vgl. Römer 8,31-39).
Dennoch bleibt die Zusage eine Frage: Wer also, wenn nicht all das Beschriebene, kann uns trennen von der Liebe Christi? Vielleicht ich selbst? Mit meinen Schuldgefühlen, Verletzungen, Überforderungen, meinem Stolz, meiner Überheblichkeit, der versteckten Aggression, dem Neid, den Glaubenszweifeln oder der inneren Leere, …?
Jede und jeder hat ganz eigene „Mauer-Steine“, die den spürbaren Zugang zu Jesus verstellen. Es gibt sowohl festgemauerte als auch lockere, momentan gesetzte Steine.
Steine, die mir immer wieder begegnen: Wenn Jesus wie beim Seesturm scheinbar schläft (vgl. Markus 4,35ff) und sich verfahrene Situationen trotz meines inständigen Gebets und persönlichen Einsatzes nicht ändern. Wie schnell macht sich dann Zweifel an Gottes liebender Gegenwart breit.
Auch Verletzungen, die andere mir zufügen, können zu einem Stein werden. Plötzlich wird mein „Selbst“ ganz tief angekratzt und ich verschwinde in einem Loch mit Deckel drauf. Andererseits kann der Ärger über andere mich so sehr besetzen, dass kein Blick mehr auf Gott frei ist.
Was hindert mich?
Diese Schriftstelle gibt mir die Chance, die Hindernisse von meiner Seite aus zu erkennen und zu benennen. Mit Paulus kann ich jeweils vertrauensvoll sagen: „Ja, Jesus, auch das ist kein Hindernis für dich. Im Gegenteil: Gerade darin bist du mir nahe; hier willst du mir begegnen.“
„NICHTS kann mich trennen“ darf ich ganz persönlich durchbuchstabieren – mit der Möglichkeit, dabei zu entdecken: In jedem „Mauer-Stein“ wartet die überfließende Liebe Jesu auf mich.

Ester Klein,
Ottmaring; Religionspädagogin, Fachreferentin für Geistliche Gemeinschaften im Erzbistum München-Freising und Religionslehrerin

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2020)
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