1. Juni 2021

Passiert

Von nst5

Aus dem Leben mit dem Wort

Illustration: (c) rraya (iStock)

Mitten im größten Alltagsstress wurde einer unserer Vögel krank. Unserem Sohn bedeuten die zahmen Tiere sehr viel. Die Tierärztin riet uns, sofort in die Tierklinik nach Düsseldorf zu fahren. Ich war nach einem anstrengenden Arbeitstag mit anschließendem Arzttermin sehr müde und die Vorstellung, lange Zeit über volle Autobahnen zu fahren, war alles andere als verlockend. Trotzdem machten wir uns aus Liebe zu dem Tier und zu unserem Sohn auf den Weg. Auf der Fahrt konnten wir wichtige Gespräche miteinander führen. In der Klinik kümmerte sich eine freundliche Ärztin intensiv um das Tier. Abends waren wir erschöpft, aber auch bestärkt, weil wir erfahren hatten, wie schön es ist, zusammenzuhalten.
A.K.

Trotz des winterlichen Wetters hatte ich mich entschieden, einem Mitarbeiter ein kleines Geburtstagsgeschenk vor die Tür zu stellen. Ich ging gerade aus meiner Wohnung und stand im Schneesturm. Da klingelte mein Handy. Sollte ich es klingeln lassen? Ich entschied mich, wieder ins Haus und ans Telefon zu gehen. Eine Studentin. „Passt’s?“, fragte sie. Ich spürte den Impuls zum „Ja!“ Auf ihre Frage hin versuchte ich, ein wenig von mir zu erzählen. Daraus entspann sich ein tiefer Austausch. Sie konnte viele Unsicherheiten aussprechen, die sie bewegten. Wir versprachen, füreinander zu beten. Deshalb ging ich dann zuerst zur Kirche, brachte alles zu Jesus – und traf dort auch das Geburtstagskind.
M.W.

Meine Mitbewohnerin und ich hatten Probleme mit dem Wasserdruck in unserer neuen Wohnung. Es kam nur noch wenig Wasser aus dem Hahn. Wir vermuteten, dass dies auf Arbeiten zurückzuführen war, die einen Tag zuvor durchgeführt wurden. Wir wussten nicht, was tun. Bisher kannten wir in dem großen Gebäude noch keinen der Nachbarn. Wir fassten Mut und gingen auf eine Nachbarin zu; ein anderer Nachbar bekam das mit und kam uns zu Hilfe. Und auch zum Hausverwalter ergab sich ein guter Kontakt. Am Ende erkannten wir die Bedeutung von „Bitte und du wirst empfangen!” So haben wir eine Lösung für unser Problem gefunden und einige Nachbarn kennengelernt.
A.M.

Nach der Sonntagsmesse hatte ich Chaos in unserer Küche vorgefunden, ein Zeichen, dass unser Sohn und seine Freunde die Nacht durchgefeiert hatten. Es wäre lehrreich gewesen, ihm das Aufräumen zu überlassen. Aber das Evangelium, das ich gerade gehört hatte, ließ mir keine Ruhe: Es ging um Vergebung. Siebzig mal sieben Mal. Ich begann, Ordnung zu machen und spürte dabei eine „Gerechtigkeit“ in mir, die einer anderen Logik folgte. Wut und Enttäuschung gegenüber unserem Sohn verloren an Kraft. Als er aufwachte, fragte er mich, was mich so glücklich machte. Er erwartete wohl keine Antwort und eröffnete mir nach kurzem Schweigen, dass er an Drogen geraten war, und bat um Hilfe. Das Wort von der Vergebung hatte so Gelegenheit, weiter in mir zu keimen.
M.J.

Als Leiter einer großen Abteilung im Unternehmen hatte ich mich von Anfang an dafür eingesetzt, dass die Mitarbeiter mit Geschick und Präzision ihr Bestes geben. Aber nach ein paar Jahren kündigten einige, andere beschwerten sich. Was war los? Ich verstand es nicht. – Eines Tages half ich unserer Tochter bei den Hausaufgaben, blätterte im Heft und wies sie auf alle Korrekturen des Lehrers hin. Sie begann zu weinen: „Siehst du nur die Fehler? Was ist mit den guten Noten?” Da wurde mir klar: Den gleichen Fehler hatte ich bei der Arbeit gemacht, nur die Fehler gesehen. Es ging nun darum, eine andere Brille aufzusetzen und das Gute zu sehen. Das war nicht einfach. Insgeheim begann ich zu zählen, wie oft ich es schaffte. Eines Tages fragte mich ein Mitarbeiter, warum ich so zufrieden sei. So konnte ich ihm von der Lektion erzählen, die mir meine Tochter erteilt hatte.
J.G.

Als Dozent an der Universität unterrichtete ich im Homeoffice. Von meinem Schreibtisch aus beobachtete ich, wie sich einer meiner Söhne beim Spielen draußen auf der Straße mit anderen Kindern ziemlich böse und ungerecht verhielt. Da rief ich den Kleinen, spürte dabei aber den Impuls, anders zu reagieren als üblicherweise und nicht gleich loszuschimpfen: Ich sagte erst einmal nichts, nahm den Kleinen in die Arme und drückte ihn fest an mich. Dabei spürte ich deutlich, wie sich grundlegend etwas wandelte – nicht nur in meinem Sohn, vor allem in mir selbst.
L.B.

Wegen eines Oberschenkelhalsbruchs lag ich im Krankenhaus. Mein Bettnachbar war ein begnadeter „Säger.“ Ununterbrochen und mit voller Lautstärke sägte er die ganze Nacht und am Morgen lag da sicher ein ganzer Wald. An Schlaf war bei mir nicht zu denken, und ich wiederholte die ganze Nacht immer wieder: „Jesus, auch wenn niemand dich so will, wie du dich mir jetzt zeigst, ich will dich so.“ Außerdem dachte ich an ein Wort meines Vaters, das er öfters gesagt hatte: „Auch wenn ich nicht schlafen kann, kann ich doch wenigstens ruhen.“ Am Morgen erwarteten mich zwei Überraschungen. Die eine: Ich fühlte mich gar nicht müde. Die andere: Obwohl ich nichts gesagt hatte, wurde ich in ein Einzelzimmer geschoben, das gerade frei geworden war. Ich sagte zu Jesus: „Wie zartfühlend du doch bist.“
R.B.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai/Juni 2021)
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