7. Oktober 2021

Keine Einbahnstraße

Von nst5

In diesem Heft werden Sie viel über Führungspersonen lesen,

darüber, was gute Führung ausmacht und „Leadership“ kennzeichnet. Natürlich geht es dabei auch um Macht und ihre Kontrolle. Und darum, was Fehler anrichten können. Wir möchten aber nicht nur auf die höchsten Führungsebenen blicken. Wie Peter Forst im Panorama zeigt, beginnt Führung dort, wo jemand sich „für zuständig erklärt“, wo immer er oder sie sich angesprochen fühlt. Damit die Welt besser wird!

Es freut mich, dass in diesem Heft von Personen zu lesen ist, die sich den sprichwörtlichen Hut aufsetzen und vorangehen – mit starken Initiativen wie Charly Rottenschlager und Cinzia Guaita der dadurch, dass sie sich schwierigen Fragen stellen wie Evelyne Maria Graf. Sie alle haben mich beeindruckt, mich herausgefordert, selbst Stellung zu beziehen.
Menschen, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen, stehen oft im Rampenlicht. Auf den großen wie auf den kleinen Bühnen. Oft ganz unbewusst fordern sie durch ihr Engagement andere heraus, sich auch zu positionieren. Sie machen sich angreifbar. Und es ist in jedem Fall richtig, ihr Tun auch kritisch zu begleiten. Aber ihre Entscheidung, sich nicht zu entziehen, verdient auch Anerkennung, Respekt, Dankbarkeit und – richtig verstanden –Grundvertrauen.
Wir alle wissen, wie schwer es heute oft ist, Menschen zu finden, die sich in Vereinen, Gemeinden, Kirchen, Parteien in Verantwortung nehmen lassen. Das hat viele Gründe. Einer ist sicherlich auch der: Ihre Entscheidungen, ihr Verhalten und oft auch ihre Angehörigen sind ganz schnell Angriffen, Anfeindungen und Pöbeleien ausgesetzt.
Ich bin überzeugt: Auch Leadership, Führung ist keine Einbahnstraße. Wie gut Menschen in Führungsaufgaben sind, hängt ganz sicher von ihnen selbst, ihrer Haltung und ihren Kompetenzen ab. Da sind sie gefragt, sich immer weiter zu entwickeln. Aber es hängt auch davon ab, wie andere sie begleiten und „sein lassen“. Ich habe mich gefragt, wie ich das selbst handhabe – im persönlichen Umfeld, auf beruflicher Ebene und mit Blick auf gesellschaftliche Bereiche. Manchmal bin ich doch sehr schnell mit einem abwertenden Urteil statt einer kritisch-loyalen Haltung. Mir wurde bewusst: Wertschätzung, Wohlwollen und gegebenenfalls der Mut zur Rückendeckung dürfen bei Führungspersonen genauso ankommen wie kritische Anmerkungen. Und da gibt es noch Entwicklungspotenzial – vielleicht nicht nur bei mir.

Mit besten Grüßen,

Ihre

Gabi Ballweg

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(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September/Oktober 2021)
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