4. Dezember 2025

Die Zuversicht er-glauben

Von nst5

Wir leben in der „dunklen Jahreszeit“.

Immer öfter sind jetzt Tage dabei, an denen es gar nicht mehr richtig hell wird. Sie werden kürzer, und die Nacht wird länger. Grau und dunkel. Manche Menschen beeindruckt das mehr, andere weniger.

In der Literatur, im Kino, in der Psychologie und auch in der Bibel steht das Dunkel, die Nacht für Bedrängnis, Hilflosigkeit, Leere, Hoffnungs- und Aussichtslosigkeit. Für das innere Ringen um Antworten. Was sicher und unerschütterlich schien, erscheint nun vage, kaum noch erkennbar. Neues ist noch nicht – oder höchstens ansatzweise – sichtbar.
Zeigt sich uns nicht auch unsere Zeit manchmal so? So vieles bricht zusammen – in den Kirchen, der Gesellschaft, den sozialen Sicherungssystemen; die Wertesysteme, auf die wir uns einigermaßen verlässlich berufen konnten; die Weltordnung … All das bröckelt oder ist schon weggebrochen. Von (Zeiten-)Wenden ist die Rede, davon, dass etwas Neues aufbricht, wachsen muss und zu gestalten ist. Dafür gibt es auch immer wieder Hoffnungszeichen, kleine und größere Lichtschimmer, die aufblitzen – einige davon habe ich auch in dieser Ausgabe gefunden. Aber auch wenn sich hier und da etwas schemenhaft neu abzeichnet, so ganz fassbar und tragfähig ist es noch nicht.

Titelbild: (c) melitas (iStock)

Viele Menschen verunsichert dieser Zustand zutiefst. Entscheidungs- und Findungsprozesse sind herausfordernd zu leben. Stattdessen wünschen wir uns Sicherheit und Orientierung, Licht, Antworten auf die großen und kleinen Fragen. Keiner kann jedoch im Moment sagen, wann es die geben wird. In diesem Vakuum bleibt leider auch Platz für diejenigen, die vorschnell Sicherheiten vortäuschen und anbieten. Dabei ist Warten angesagt. Und die Zuversicht, dass der Tag kommt.
Wir gehen auf Advent und Weihnachten zu. Es ist die Zeit des Wartens und der Erwartung. Auf das Licht in tiefster Nacht, wie das Kommen Jesu in der Bibel beschrieben wird. Er wird Immanuel genannt, der Gott mit uns.
Als Christen können und dürfen wir aus dieser Zuversicht leben. Auch wenn wir selbst sie uns manchmal er-glauben und erobern müssen. Weil auch wir nicht wissen, wann der Morgen dämmert und die Nacht vorbei ist. Weil auch wir keine Antworten haben. Aber wir können uns gegenseitig immer wieder neu versichern und darin bestärken, dass da einer mit uns geht, auch im Dunkel dieser Zeit. Oft – so meine Erfahrung – öffnet das gemeinsame Warten den Blick für die Zeichen der Hoffnung, die vielleicht gerade im Dunkel sichtbar werden, so wie die Sterne in der Nacht. Die so errungene Zuversicht ist vielleicht das größte Geschenk, das wir anbieten und geben können. Mit Worten, durch Gesten der Solidarität, durch unser Mit-da-Sein.
Eine zuversichtliche Zeit wünscht Ihnen

Gabi Ballweg


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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, November/Dezember 2025.
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