2. Dezember 2025

Hybride Kriegsführung

Von nst5

Die Art, Krieg zu führen, hat sich geändert.

Mit der Digitalisierung sind die Möglichkeiten der Verschleierung gewachsen. Aggressoren schüren in anderen Gesellschaften bewusst Verunsicherung.

Was bedeutet der Begriff?
„Hybrid“ ist ein aus unterschiedlichen Teilen oder Prozessen gebildetes Ganzes. Wie bei einem Auto, das sowohl elektrisch als auch mit Kraftstoff fahren kann, werden bei etwas Hybridem zwei oder mehrere unterschiedliche Technologien gleichermaßen genutzt. Ein „hybrider Krieg“ wird mit Waffen UND anderen Mitteln geführt: militärisch und cybertechnisch, wirtschaftlich, über Soziale Medien, offen und verdeckt. Der Angreifer führt ihn zumeist anonym, ohne eine Kriegserklärung ausgesprochen zu haben.

Worin kann eine solche Kriegsführung bestehen?
Sie zielt vor allem auf den zivilen Bereich ab, die staatliche Ordnung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das kann über Sabotage-Akte auf Verkehrswege, Informationstechnik, Behörden, Energie- oder Gesundheitswesen geschehen, um etwa Versorgungsengpässe auszulösen. Über Internet und soziale Medien können Desinformations- und Propaganda-Kampagnen verbreitet werden, ohne dass erkennbar ist, woher sie stammen. So wird bei den Nutzern die Sicht auf die Welt manipuliert, was politische Prozesse und Wahlen beeinflusst. Eingesetzt werden auch Demonstrationen, gezielte Investitionen, Attentate, Cyberattacken, Drohnen oder verdeckt kämpfende Truppen, die auf fremdem Territorium mit militärischer Ausrüstung ohne Hoheitszeichen arbeiten.

Was will jemand damit erreichen?
Die Akteure wollen ihren Gegnern Schaden zufügen bei möglichst geringem Risiko für sich selbst. Denn sie vermeiden, dafür zur Verantwortung gezogen werden zu können. Sie verwischen die Grenze zwischen Krieg und Frieden: Sie arbeiten bewusst im Graubereich zwischen Erlaubtem und Verbotenem und versuchen, die Zuordnung von rechtlich und moralisch unzulässigen Handlungen unmöglich zu machen. So treiben sie ihre Ziele gegen die Interessen anderer voran und bauen ihre Macht aus.

Wie können sich Staaten dagegen wehren?
Das ist nicht so leicht. Einzelne Staaten wie auch EU und NATO arbeiten daran, die Bevölkerung über hybride Bedrohungen zu informieren und dafür anfällige Bereiche ausfindig zu machen. Sie wollen ihre Zusammenarbeit untereinander und mit internationalen Partnern wie den Vereinten Nationen verstärken und ihre Kapazitäten besser koordinieren. Dabei geht es darum, den Austausch von – auch geheimdienstlichen – Informationen, den Schutz kritischer Infrastrukturen und die Cybersicherheit zu verbessern. Zu klären sind auch die Zuständigkeiten, wer wie auf welche Bedrohungen reagieren darf. Experten warnen davor, mit denselben Mitteln zurückzuschlagen, und sprechen sich stattdessen dafür aus, den Werten von Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie treu zu bleiben.
Clemens Behr


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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, November/Dezember 2025.
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