Passiert
Aus dem Leben mit dem Wort

Seit über 20 Jahren gebe ich jeden Morgen ein kleines einprägsames Motto in deutscher und englischer Sprache zum Tagesevangelium über WhatsApp weiter. Vor einigen Tagen erreichte mich diese Botschaft: „Das Motto heute hat mich auf meiner Uhr erreicht, in einem Moment, in dem ich mir nicht sicher war, was mir gerade helfen könnte. Ein Vibrieren an meinem Handgelenk, schneller Check, wer mir geschrieben haben könnte, und da erscheint: ‚Bleib bei Jesus!‘ Das war der Zuspruch, den ich heute brauchte. Mich nicht von verwirrenden, Angst machenden Gedanken wegtragen lassen. Sondern mich auf Jesus fokussieren. Und dann spüren, wie er auch bei mir bleibt. Es war, als hätte Gott sich gedacht: ‚Diesen Zuspruch braucht sie heute!‘“
M.W.
In einer schwierigen Situation waren wir einander begegnet. Sie hatte vieles falsch gemacht und fühlte sich wie Abschaum der Gesellschaft. Vereinbarte Termine hatte sie oft kurzfristig abgesagt. Es war nicht leicht, mit ihr umzugehen. Nun kam sie unerwartet vorbei, weil sie in eine andere Region ziehen wollte: „Ich bin gekommen, um mich persönlich zu bedanken! Sie haben an mich geglaubt und mir immer das Gefühl gegeben, dass ich ein Mensch bin, irgendwie wertvoll, trotz aller Fehler. Und dafür danke ich Ihnen sehr. Alles Gute und nochmal Danke!“ Mir standen Tränen in den Augen, strahlte hier doch ein Stück Himmel auf.
P.M.
Sie arbeitete als Praktikantin bei uns, war gebürtig aus Syrien und hatte vor über zehn Jahren aus ihrer Heimat fliehen müssen. Vorsichtig fragte ich sie, ob sie bereit wäre, einer Gruppe von Jugendlichen davon zu erzählen. Sie sagte zu und schilderte ein paar Tage später ihre Flucht durch Wüsten, über Wasser – immer in der Nacht. Sie berichtete, wie alle Menschen eines Bootes, das vor ihrem unterwegs war, ertrunken waren. Nachher sagte eine Schülerin: „Das werde ich nie vergessen.“ Ein anderer bemerkte leise: „Ich bin nur noch Gänsehaut.“ Später gestand die Praktikantin, dass sie am Tag zuvor Angst bekommen hatte. Aber sie habe sich gedacht: „Tu’s für die Kinder und für eine bessere Welt!“
M.H.
Meine Chefin hat sich das Bein gebrochen und ist im Krankenhaus. Sie fällt längere Zeit aus, was eine hohe Arbeitsbelastung für unser Team bedeutet. Gestern habe ich sie besucht. Wir haben geplaudert, und ich habe sie gefragt, ob es okay sei, wenn eine Freundin unseren Betrieb anschauen würde. „Na klar“, war ihre Antwort, „woher kennen Sie sie?“ Im Gespräch konnte ich zum ersten Mal sagen, dass ich Christin bin und auf der Suche nach neuen Formen, meinen Glauben zu leben. Dort sei ich der Frau begegnet. Gebannt hörte meine Chefin zu: „Mir geht es genauso.“ Ich war platt, das hatte ich nicht vermutet, Gott war noch nie Thema zwischen uns gewesen. Dann bat sie mich um mein Gebet für sie.
P.B.
Die Spritpreise waren sehr gestiegen. Abends sah ich, dass ich vier Cent pro Liter sparen konnte und fuhr an eine Tankstelle, wo ich sonst nur selten tanke. Als ich zur Kasse ging, strahlte mich eine junge Frau an: „Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor!“ – „Dann machen wir jetzt eine Ratestunde!“, scherzte ich. Sofort fragte sie mich, ob ich nicht Jahr für Jahr an der Hauptschule die Schuhkarton-Aktion für Waisenkinder in Bosnien gemacht hatte. „Treffer.“ – „Ich fand das damals so cool, dass Sie sich einfach für andere Menschen verschenken. Mich hat das sehr beeindruckt.“ – „Wie schön, dass Sie Positives erinnern und erzählen und damit stark machen. So schreiben wir gemeinsam Geschichte!“
W.M.
Bei einer Tombola in der Pfarrei habe ich einen Ball gewonnen. Da ich bereits einen hatte, fragte mich meine Mutter, ob ich den neuen Ball nicht Amin schenken wollte. Er war ein muslimischer Junge, der jeden Morgen in die Nachbarschaft kommt, um kleine Arbeiten zu erledigen. Aber: Es war das erste Mal, dass ich einen Ball gewonnen hatte, und außerdem war er schön. Andererseits konnte ich ihm den alten nicht geben, weil er schon gebraucht war. Ich habe den ganzen Abend darüber nachgedacht. Dann dachte ich: Jesus würde ich den neuen Ball schenken. Und so habe ich ihn Amin geschenkt.
F. aus Ägypten, 6 Jahre
Jeannette hat eine kleine Schwester, Anne. Sie erzählt: „Gestern nach der Schule hat Anne mein Spielzeug genommen und … wieder etwas kaputt gemacht. Wir haben gestritten und ich habe ihr gesagt: ‚Geh aus meinem Zimmer raus!‘ Heute früh auf dem Weg zur Schule war ich traurig. Da habe ich Jesus gebeten: ‚Hilf mir, mich mit Anne zu versöhnen, wenn ich nach Hause komme!‘ Mittags habe ich ein schönes Spiel herausgeholt und Anne gerufen: ‚Wollen wir spielen?‘ Anne war so froh. Dann musste ich Hausaufgaben machen. Aber ich habe ein paar Spielsachen vorbereitet und zu Anne gesagt: ‚Such dir eins aus.‘ Anne hat mich umarmt, weil sie sich so gefreut hat. Und ich habe Jesus danke gesagt, weil er mir geholfen hat, neu anzufangen!“
J. aus der Schweiz, 9 Jahre
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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Mai/Juni 2026.
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