Den Krieg herausholen
Offener Brief an Nienke Teunissen, War Child Deutschland
Sehr geehrte Frau Teunissen!
Täglich erfahren wir von Kriegen und fühlen uns ohnmächtig. Ja, allein können wir Gewalt und Ungerechtigkeit nicht stoppen. Aber oft meinen wir auch, dass wir dem Leid gar nichts entgegensetzen können. Mit der Hilfsorganisation War Child haben Sie einen Weg gefunden: Mit wenigen Hauptamtlichen und vielen Ehrenamtlichen kümmern Sie sich um die Opfer von Kriegen. Vor allem um die Schutzlosesten und Verwundbarsten: Kinder und Jugendliche, die die Kriegserfahrungen ihr Leben lang mit sich herumschleppen und von ihnen geprägt sein werden!
Gerade auf ihre Psyche und Seele wirkt sich der Krieg verheerend aus: der Lärm der Explosionen, die Zerstörung, ständige Angst, die Toten und Verletzten, das Getrenntwerden und der Verlust von Familienmitgliedern und Freunden, Not, Unterrichtsausfall, Hoffnungs- und Zukunftslosigkeit. 520 Millionen Kinder leben weltweit unter solchen Bedingungen!
Du kannst ein Kind aus dem Krieg holen – aber wie holst du den Krieg aus dem Kind? Als Antwort auf diese Frage leisten Sie Beachtliches: In Ländern wie Kolumbien, Libanon, den besetzten palästinensischen Gebieten oder dem Sudan helfen Partnerorganisatione, Kinder zu unterstützen, die unter emotionalen, verhaltensbedingten oder familiären Problemen leiden. Sie leiten sie an, Kindern zu helfen, die durch Stress, Angst oder Traurigkeit depressive Symptome zeigen. Sie arbeiten mit Familien, damit ihre Mitglieder lernen, sich trotz der Herausforderungen des Krieges gegenseitig zu unterstützen, Probleme zu lösen und angemessen mit Konflikten und Gefühlen umzugehen. Sie schulen Eltern, Betreuungspersonen und Lehrkräfte darin, sich in der Ausnahmesituation gut um sich selbst und ihre Kinder zu kümmern. Sie fördern die Bildung in Regionen, in denen ein geregelter Schulunterricht nicht mehr möglich ist.
In Ländern wie Deutschland arbeiten Sie mit geflüchteten Kindern. Sie bieten ihnen sichere Räume, in denen sie wieder Kinder sein dürfen. Mit dem Programm TeamUp helfen Sie ihnen spielerisch, ihre schlimmen Erfahrungen zu verarbeiten, loszulassen und Menschen wieder zu vertrauen. Über gemeinschaftliche Spiel- und Bewegungsaktivitäten können sie wieder Selbstvertrauen und ein Wir-Gefühl entwickeln, Spannungen, Angst und Wut abbauen und mit unterschiedlichen Gefühlen umgehen. Vieles läuft nonverbal, sodass Kinder unabhängig von Sprachkenntnissen mitmachen können. Mit festen Abläufen, Ritualen und Regeln vermitteln Sie ihnen Sicherheit.
Ihre Organisation lebt von Spenden und vielen Ehrenamtlichen, die Sie für die Leitung der TeamUp-Stunden schulen. Zusammen mit ihnen können Sie die Widerstandskraft vieler Kinder stärken! Das Schönste für Sie ist, wenn Kinder einfach Kind sein können. Wenn sie lachen, spielen, unbeschwert sind und mit Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft blicken. Mit Ihrem Engagement zeigen Sie, dass wir angesichts des von Kriegen verursachten Leids nicht machtlos bleiben müssen, sondern dass jede und jeder dem etwas entgegensetzen kann!
Mit freundlichen Grüßen
Clemens Behr, Redaktion NEUE STADT

Nienke Teunissen
ist seit März 2025 Geschäftsführerin von War Child Deutschland. Zuvor verantwortete sie ab 2014 Marketingstrategie, -kampagnen und Veranstaltungen der gemeinnützigen Organisation in den Niederlanden. War Child hilft Kindern in und aus Kriegs- und Krisengebieten. Die Geschichte der Hilfsorganisation begann 1993. In Deutschland ist sie seit 2019 tätig; heute an den Standorten Hamburg und Berlin.
warchild.de
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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Juli/August 2026.
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