Ein klares Signal?
Erfahrungsberichte
Noch stand ein unerledigter Beitrag für meine juristische Studiengruppe an. Ich wusste nicht recht, wie viel Zeit ich investieren konnte. Ich bat Jesus um Klarheit. Der kommende Sonntag war noch frei, vielleicht also die Gelegenheit. Im Tagesprogramm räumte ich auch Gebet und Erholung genügend Zeit ein, um mich nicht zu verzetteln und offen zu bleiben für „Neues”. Bis 16 Uhr konnte ich ruhig arbeiten; dann ein Telefonanruf. Während des Gesprächs beobachtete ich, wie sich der Bildschirm meines Laptops plötzlich grün schillernd verfärbte, ein kurzes Aufflackern des Reparatur-Programms, dann blieb das Gerät schwarz und stumm. Galt es, die Arbeit eines ganzen Tages zu begraben? Oder war das ein klares Signal zum „Wachsamsein”, wie es das Lebenswort vorschlug? Ich packte meine Bücher und den Stick zusammen, um an einem anderen PC weiterzuarbeiten.
Bei der Haustür traf ich auf eine Mitbewohnerin, die soeben nach Hause kam. Auch das ein Signal? Ich schlug ihr voller Freude eine gemeinsame Tee-Pause vor. Auf ihre Nachfrage erzählte ich fröhlich und unbeschwert vom überraschenden Ausgang der heutigen „Projektetappe”. Dann entwickelte sich unsere Tee-Pause zu einem offenen und ehrlichen Austausch über so manche Erfahrung der letzten Zeit. Ein wichtiger, klärender und aufbauender Moment.
Meine Erkundigungen beim EDV- Supporter tags darauf ergaben, dass mein Laptop wider Erwarten noch unter Garantie stand. So wurde mein Beitrag eine Woche später noch rechtzeitig fertig. Diese „Trainingserfahrung zum Offensein”, ließ mich erleben, wie „Leben im Wort” mich frei macht von mir selbst, offen für neue Schritte mit Gott und meinen Nächsten, wie es Beziehung und Gemeinschaft schafft und dann auch noch das „Hundertfache” ankam. K.R
Wieso gerade ich?
Ich halte Unterricht bei 26 lebhaften Erstklässlern. Gerade ist es mir gelungen, die Aufmerksamkeit der Schüler zu wecken, als die Hausmeisterin klopft und mich ans Telefon ruft. Die Mutter von Paolo will mich sprechen. Sie lebt nach heftigen Auseinandersetzungen von ihrem Mann getrennt. Beide streiten sich in diesen Tagen um den Sohn und bestürmen auch uns Lehrer mit Telefonaten. Ich hätte guten Grund, nicht ans Telefon zu gehen, zu sagen, dass ich gerade Unterricht habe und mir vorstellen kann, worum es geht. Während mir das durch den Kopf geht, erinnere ich mich auch an den Satz aus dem Kommentar zum Wort des Lebens: „Lass mich immer reden, als wäre es das letzte Wort, das ich sprechen kann.” Also eine Gelegenheit wachsam zu sein!
Mit einem Lächeln überlasse ich die Klasse der Hausmeisterin und gehe zum Telefon. Ich höre mir an, was ich bereits ahnte; aber sehr aufmerksam, ohne zu urteilen,
ohne mir anmerken zu lassen, dass ich gestört worden war. Am Ende kann ich der Mutter sagen, dass ich sie verstehe, aber meine, dass sie den verletzten Stolz und den Groll überwinden und einzig an das Wohl des Kindes denken sollte. Als ich nach einigen Stunden durch den Korridor gehe, kommt mir die Hausmeisterin entgegen und sagt: „Jene Mutter hat angerufen: Ich soll Ihnen einfach nur ,Danke’ sagen”.
An einem anderen Tag verlasse ich gerade eilig die Schule, vor mir tausenderlei Programme und die Einkäufe. Da kommt Flora, eine Brasilianerin, die erst seit kurzem bei uns arbeitet, auf mich zu. Sie muss schriftlich eine Frage an die Schulleitung richten und weiß nicht, wo sie anfangen soll. Spontan frage ich mich, wieso sie bei den vielen Lehrkräften gerade mich anspricht, die ich doch so beschäftigt bin. Wieder kommt mir das „wachsam sein”: Es ist Jesus, der die Frage an mich richtet. Will ich etwa ihm sagen, dass ich es eilig habe und er jemand anderen fragen soll? Ich setze mich zu Flora, helfe ihr, die Frage aufzuschreiben und rate ihr auch, sie per Computer zu schreiben, aber Flora kennt sich nicht aus. Zusammen gehen wir in den Informatik-Raum. Zwei Tage später schenkt sie mir einen schönen blauen Schal. „Aber das brauchte es doch nicht!”, sage ich ihr. Sie entgegnet: „Auch ich möchte Ihnen Gutes tun so wie Sie
mir.” B.P.
Machen Sie mal die Tür auf!
Als ich vor kurzem eine kurdische Familie besuchen wollte, hörte ich am Telefon, wie krank die Mutter war. Ihre Stimme war belegt und fiebrig.
Wir hatten uns im Advent jeden Morgen in der Kirche getroffen, um das Tagesevangelium zu lesen und dann mit einem kleinen Motto in den Tag zu starten. An diesem Tag war es in Anlehnung an den Besuch von Maria bei Elisabeth: „Gib Liebe, die das Herz des Nächsten berührt und bewegt!”
Als ich die Frau hörte, erinnerte ich mich daran. Ich fuhr sofort in ein Lebensmittelgeschäft und kaufte eine große Kiste Orangen, Tee und Honig. All das habe ich dann der Familie vor die Tür gestellt. Von zuhause ein kurzer Anruf: „Machen Sie mal die Tür auf. Da steht etwas zum Gesundwerden!”
Als mich die Frau – eine gläubige Muslima – eine Woche später sah, rief sie mir entgegen: „Ich habe geweint!” Ich wusste zunächst nicht, warum, und fragte nach. „Als ich noch in Syrien war, hat sich mein Vater immer um mich gekümmert und mir Tee, Honig und Vitamine gebracht, damit ich wieder gesund werde. Jetzt bin ich so weit weg von ihm! Und jetzt tun Sie das, obwohl Sie doch fremd sind!” M.W.
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2012)
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