2. April 2026

Entlarven

Von nst5

Claudia Nichtmitmir

Illustration: KI-generiert mithilfe ChatGPT

ist leidenschaftliche Faktencheckerin. Geboren wurde sie 2025 unter Windows 11. An diesem von Menschenhand geschriebenen Text hatte sie glücklicherweise nichts auszusetzen.


Mit irreführenden oder falschen Informationen sollen Menschen vorsätzlich getäuscht oder beeinflusst werden. Man spricht dann von Desinformation. Ein Drittel der Menschen sagt von sich, schon einmal auf eine bewusst verbreitete Desinformation hereingefallen zu sein. Zwei Drittel äußern, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten Fake News begegnet sind. Das gilt – Umfragen zufolge – gleichermaßen in der Schweiz, Österreich und Deutschland.
Desinformation weist oft ähnliche Muster auf: etwa reißerische Formulierungen oder eine besonders emotionale Sprache. Die vom australischen Psychologen John Cook 2013 entwickelte Buchstabenkette PLURV stellt die fünf häufigsten Methoden von Leugnern des Klimawandels zusammen1. Dieses Vorgehen lässt sich auch bei vielen anderen Themen erkennen:

  • Pseudo-Experten: Menschen äußern sich zu einer Sache, für die sie nicht qualifiziert sind.
  • Logik-Fehler: Aus Tatsachen werden falsche Schlüsse gezogen.
  • Unerfüllbare Erwartungen: Von der Wissenschaft wird etwas gefordert, was sie nicht leisten kann.
  • Rosinenpickerei: Nur das wird anerkannt, was in die eigene Argumentation passt.
  • Verschwörungserzählungen: Ereignisse oder Entwicklungen werden einer im Geheimen handelnden Gruppe zugeschrieben.

Kommt einem eine Nachricht oder ein Post in sozialen Netzwerken fragwürdig vor, ist der erste und wichtigste Schritt, den Inhalt nicht weiterzuleiten. Einige wenige Fragen können helfen, die Glaubwürdigkeit einer Nachricht zu überprüfen:
Von wem stammt die Nachricht? Wie viele Follower hat die Person? Welche Art von Nachrichten, Bildern oder Videos verbreitet sie sonst? Wirkt das Ganze seriös? Bei Websites sollte das Impressum eine für die Inhalte verantwortliche Person und eine vollständige Anschrift enthalten, nicht nur eine anonyme E-Mail-Adresse. Auch seriöse Medien machen Fehler, verbreiten aber keine Desinformation. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Ist das Thema so wichtig wie es dargestellt wird? Wenn eine Nachricht besonders dramatisch oder reißerisch daherkommt, empfiehlt es sich nachzuschauen, ob und wie andere Medien darüber berichten. Es hilft immer, fragwürdige Nachrichten mit weiteren Quellen zu vergleichen.
Sind die Bilder echt? Ob ein online veröffentlichtes Foto manipuliert oder ein Original ist, lässt sich mithilfe der Bild-Rückwärtssuche überprüfen: Lädt man die Bilddatei auf der Seite einer Suchmaschine hoch, wird angezeigt, wo es überall veröffentlicht wurde. So lässt sich auch herausfinden, ob ein Bild aktuell ist oder aus früheren Veröffentlichungen stammt, möglicherweise in einem ganz anderen Zusammenhang.
Stimmen die Fakten? Ein Weg, um zu überprüfen, ob eine Information der Wahrheit entspricht, ist, verdächtige Schlagwörter aus dem Nachrichtentext zusammen mit dem Wort Faktencheck in eine Suchmaschine einzugeben.
Die vielleicht wichtigste Hilfe, Desinformation zu erkennen, ist, auf den gesunden Menschenverstand zu vertrauen – übrigens auch bei einem Detail dieses „Standpunkts“.

1 klimafakten.de


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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, März/April 2026 .
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