WORT DES LEBENS . AUGUST 2026
„Meine Seele preist die Größe des Herrn.“ (Lukas 1,46)
„Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über“, heißt es in einem sprichwörtlich gewordenen Bibelzitat (vgl. Lukas 6,45). Genauso ist es bei diesem „Wort des Lebens“. Ein Herz voller Staunen, Freude und Dankbarkeit „ergießt sich“ in ein Loblied:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“
Sofort kommen mir Melodien verschiedener Vertonungen dieser Zeilen – des „Magnifikat“ – in den Sinn. Ja, es gibt diese Momente des Staunens, der Dankbarkeit und der Freude – etwa angesichts der Schönheit der Schöpfung: die majestätischen Berge, die gewaltige Kraft des Ozeans, die filigrane Vollkommenheit einer Blume, die unendliche Weite eines Sternenhimmels. All das spricht zu mir von Gott, dem Schöpfer, und mein Staunen wird zum Gebet. Oder wenn ich plötzlich spüre: Gott begleitet mich; in dieser oder jener Situation war ich geführt, beschützt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort; ein Erlebnis erfüllt mich. Dann werden Freude und Dankbarkeit zu Gebet.
Eine zeitgenössische, etwas freiere Übersetzung formuliert das so:
„Alles, was in mir ist, jubelt Gott zu.“1
Dieses Loblied steht im ersten Kapitel des Lukasevangeliums. Maria singt ihrem Gott, dem Gott Israels. Das bezieht sich im Kontext der Erzählung zunächst auf den Besuch des Engels wenige Verse zuvor (26-38). Ganz unerwartet findet Maria sich als Mitwirkende im großen Erlösungsplan Gottes wieder. Das füllt sie mit Staunen und Freude: „Der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig“ (Vers 49).
Doch geht es längst nicht nur um Maria als Person. Das „Magnifikat“ preist, mit durchaus politischen Untertönen, Gottes „machtvolle Taten“ zugunsten der Armen und Unterdrückten (Verse 49-55). Besonders im Lukasevangelium wird dies zu einem zentralen Leitmotiv für das Wirken Jesu. Die Erfahrung Gottes, der Machtverhältnisse umkehrt und Schwache stark macht, ist tief in der biblischen Tradition verwurzelt. Besonders deutliche Parallelen zeigt Marias Lied zum Danklied Hannas, der Mutter Samuels (1 Samuel 2,1-10). Auch Hanna jubelt darüber, dass Gott ihr Gebet erhört und ihre Situation gewendet hat:
„Mein Herz ist voll Freude über den Herrn … denn ich freue mich über deine Hilfe.“

Maria singt ihr Loblied nicht alleine, sondern in der Begegnung mit Elisabeth. Das ist kein Zufall. Beide Frauen machen eine ganz besondere Erfahrung mit Gott. In gegenseitiger Wertschätzung und voll Freude erzählen sie sich davon. Zum Staunen über Gottes Wirken im eigenen Leben kommt so das über Gottes Wirken im Leben der anderen, so dass beide voneinander und zueinander sagen können:
„Meine Seele erhebt den Herrn … er hat große Dinge an [uns] getan“.2
Und wir? Und ich? Kann ich sagen, dass Gott für mich „Großes“ getan hat? Nicht immer sehen wir „große Dinge“; aber darauf kommt es nicht in erster Linie an. Auch kleine können uns von Gottes Gegenwart sprechen, uns freuen und zum Staunen bringen. Was bringt mein Herz zum Überlaufen? Welche „Spuren Gottes“ erkenne ich in meinem Leben? Und wo möchte ich Gott um sein Eingreifen bitten?
Groß macht meine Seele den Herrn.
So die wörtliche Übersetzung. Da klingt eine aktive Entscheidung mit, nicht nur emotionaler Überschwang. „Erlaube“ ich Gott, groß zu sein? Gebe ich ihm Raum?
Bei einem befreundeten Ehepaar war dem Mann eine degenerative Krankheit diagnostiziert worden, die ihm nach und nach Fähigkeiten und Selbstständigkeit nehmen würde. Es war beeindruckend zu sehen, wie beide diese neue, sicherlich schmerzhafte Situation mit großem Frieden annehmen konnten. Jeden Abend blickten sie gemeinsam auf ihren Tag zurück und erinnerten sich bewusst an Momente oder Ereignisse, für die sie dankbar waren. Immer fanden sie etwas, auch wenn die Umstände sie ständig vor neue Herausforderungen und Einschränkungen stellten.
Das bewusste Wahrnehmen des Dennoch-Schönen und Positiven hat weder mit Naivität noch mit erzwungener Fröhlichkeit zu tun. Häufig neigen wir dazu, die Probleme in den Vordergrund zu stellen – ist das nicht ebenfalls eine einseitige Perspektive?
Freude und Staunen, auch über kleine Dinge, sind Kraftquellen, die uns helfen, Herausforderungen besser zu meistern und schwierige Situationen durchzustehen. Umso mehr gilt das, wenn wir uns gegenseitig darin bestärken.
Janina Hiebel, Friedberg
- Übersetzung: Dietlinde Jessen, in: Dietlinde Jessen, Stefanie Müller (Hg.): Entdeckungen. Ungewöhnliche Texte aus dem Neuen Testament, Stuttgart 2003. ↩︎
- vgl. Lukas 1,46.49a, Lutherübersetzung 2017 (orig. „an mir“) ↩︎
Kernsätze
- Die Erfahrung Gottes, der Machtverhältnisse umkehrt und Schwache stark macht, ist tief in der biblischen Tradition verwurzelt.
- Maria singt ihr Loblied nicht alleine, sondern in der Begegnung mit Elisabeth. Das ist kein Zufall.
- Das bewusste Wahrnehmen des Dennoch-Schönen und Positiven hat weder mit Naivität noch mit erzwungener Fröhlichkeit zu tun.
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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Juli/August 2026.
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buongiorno,
devo dire che le ultime parole di vita mi hanno piuttosto delusa. Più che spirituali le trovo sentimentali prive di quel tocco evangelico che aiuta ad andare in profondità nella propria anima. A parte questa che ha una sola esperienza indiretta, le altre avevano una serie di commenti che spesso erano discordanti tra di loro e, a volte, anche con il pensiero mensile.
Mi pare che ci si dovrebbe accostare alla parola di Dio, innanzi tutto, entrando nel contesto del tempo e della cultura (spesso distanti dal nostro essere di oggi), quindi qualche riflessione di una persona preparata e poi l’incarnazione con una esperienza diretta che porti il lettore alla riflessione. Purtroppo nei nostri gruppi, a volte, manca proprio la preparazione al nostro essere Cristiani e seguaci di un grande Carisma come il nostro. La parola di vita dovrebbe avere questo scopo, ma purtroppo sovente risulta una bella riflessione romantica e priva di valore evangelico. Naturalmente la mia è una considerazione personale, ma essendo “famiglia” sento che devo dare il mio contributo.
Vi ringrazio per il vostro tempo e il vostro lavoro.
Un caro saluto
Teresa LIA