Wird schon schief gehen
Warum Angst genau das erzeugt, was sie befürchtet.
Wer sich schon einmal bei Angstgedanken selbst beobachtet hat, kennt das: Die Gedanken verbeißen sich in das, was schief gehen könnte: etwas nicht hinzubekommen, Ablehnung zu erfahren oder eine gewünschte Reaktion nicht zu erhalten. Das Muster ist immer ähnlich: Man nimmt die Zukunft gedanklich vorweg, und zwar stets mit der Erwartung eines unguten Ausgangs. Das führtzu körperlichen Angstreaktionen und nimmt das Bewusstsein in Beschlag. Gerade die Konzentration darauf, etwas unbedingt vermeiden zu wollen, führt zu dessen Entstehen. Ein Beispiel: Man hat Angst, eine Prüfung nicht zu bestehen, versucht vergeblich die körperlichen Reaktionen darauf in den Griff zu bekommen und ist davon so gefangen genommen, dass man sich bei der Vorbereitung und im Augenblick der Prüfung schlechter auf die Aufgaben konzentrieren kann – und prompt durchfällt. Mit mangelndem Können hatte das rein gar nichts zu tun. Auf den Punkt gebracht, steckt folgendes Prinzip hinter solchen Erfahrungen: Angst erzeugt genau das, was sie befürchtet! Was kann man tun? Als hilfreich hat sich erwiesen, gegen Angstgedanken nicht anzukämpfen. Vielmehr sollte man seine Aufmerksamkeit darauf lenken, welches Ziel man erreichen möchte. So wird nicht der Angst immer neue Energie zugeführt, sondern der zu bewältigenden Aufgabe.
Sebastian Baumann
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, März 2010)
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