Unterwegs zur Krippe
Weihnachten entgegengehen und sich dabei Tag für Tag beschenken lassen – mit ein paar Minuten Zeit für sich und die eigene Seele. Gedanken aus dem Anti-Stress-Adventskalender 1).
Wahrnehmen
Unsere Wahrnehmung ist getrübt im Halbdunkel des Advents, im Glanz der vielen Lichter, im Duft der zahllosen Gerüche. Schnell huscht alles vorbei. Wir sind kaum im Hier und Jetzt. Bewusstes Wahrnehmen fällt schwer. Details verschwimmen. Etwas wahrnehmen bedeutet auch, es als wahr nehmen. Es ernst und wichtig nehmen. Das Kleine, Flüchtige, Vorbeihuschende, das uns auch an diesem Tag so unendlich bereichern könnte. Wahr-nehmen und wahr-haben, dass im Trubel der Blicke und Stimmen mich ein Mensch ansprechen und ansehen möchte. Im Großen das Kleine sehen und zulassen. Ein Duft. Ein Licht. Ein Wort.
Heute. Jetzt. Weil es wahr ist.
Gewinnen
Viel passiert in diesen Tagen. Voller Terminkalender, leere Geldbörse. Einladungen häufen sich, Postkarten füllen den Briefkasten. Im Viel und Übervollen des Advents erscheint manches überflüssig. Anderes wird wichtig, zum Beispiel die kleine Nuss aus der Hand eines Kindes, von Herzen geschenkt …
Nehmen wir heute bewusst wahr, wie gut es uns geht, wie viele schöne Botschaften uns erreichen, wie viel Schönes wir erleben. Jede Aufmerksamkeit ist ein Gewinn, jedes Geschenk ist Grund, dankbar zu sein. Das Kleine kann ganz groß sein.
Loslassen
So wichtig uns Traditionen sind, so wichtig ist es auch, loslassen zu können. Es gilt zu entscheiden, was für uns unverzichtbar ist und was sich verändern darf. Nicht alle Familientraditionen müssen in Stein gemeißelt bleiben. Gerade Heranwachsende wollen auch Veränderungen, wollen sich hier und da bewusst absetzen, andere Wege gehen und damit Zeichen setzen. Wer loslassen kann, der gibt auch die Chance zum bewussten Zurückkehren. Wer Freiheit schenkt, gewinnt den Genuss gezielten Sich-Fallen-Lassens in Traditionen. Liebgewonnenes wird dadurch wertvoller, dass es gewollt wird und mehr ist als ein bequemes »Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht«.
Mitnehmen
Es gibt so viele »Mitnehm-Möglichkeiten« im Advent! Überall gibt es Proben, Werbeartikel, Kleinigkeiten. Wir finden neue Ideen, Geschenke, Gelegenheiten. Da heißt es, gut auszuwählen. »Mitnehmen« sagt aber auch etwas anderes: Bei meinen Entscheidungen sollte ich Freunde und Partner mitnehmen, das heißt achtsam auf sie sein, mich verständlich machen, damit sie »mitkommen« können. In Stresszeiten passiert es schnell, dass wir einander »anzicken«, statt einander mitzunehmen.
Und das macht dann erst richtig Stress!
1) Anti-Stress-Adventskalender. Marcus C. Leitschuh, Paul Weismantel. Verlag Neue Stadt, München 2012
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Dezember 2012)
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