Die Wende der Einheit
Die Generalversammlung der Fokolar-Bewegung
sieht die Notwendigkeit zu einer „Wende der Einheit“. Die Nachricht hat mich in den letzten Tagen nicht nur deshalb beschäftigt, weil ich den Beitrag über dieses Ereignis geschrieben habe.
Manchmal wenn ich gefragt werde, wofür wir als Zeitschrift stehen, fällt es mir gar nicht so leicht, eine prägnante Antwort zu geben. Genauso ist das auch, wenn es um die Fokolar-Bewegung geht. Ziemlich schräg eigentlich. Seit vielen Jahren arbeite ich schließlich schon in der Redaktion und noch viel länger lebe ich aus der „Spiritualität der Einheit“.
Für die Einheit leben, klingt – und ist! – großartig, aber auch ein wenig vage. Und es geht ja auch um wirklich Großes: um ein Leben auf der Grundlage der Liebe des Evangeliums, das uns die Erfahrung des „Himmels auf Erden“ eröffnet. Teilhabe am Leben Gottes, das er uns in Jesus geschenkt hat. Das ist und bleibt Geschenk, nicht machbar und unverfügbar – und doch sind wir gerufen, unseren Teil zu tun, damit das erfahrbar wird.

Leben für die Einheit hat unzählig viele Facetten: Es geht darum, „Menschlichkeit zu leben“ (so ja das Motto der NEUEN STADT), Dialog auf allen Ebenen zu suchen, Versöhnung zu fördern und zu leben, sich für den Frieden einzusetzen, sich für Schwache und Ausgegrenzte starkzumachen, die weltweite Geschwisterlichkeit zur Basis des Sehens, Urteilens und Handelns zu machen. Für die Einheit leben heißt auch, die Stimme gegen Ungerechtigkeiten zu erheben und ihnen nicht auszuweichen. Und es bedeutet, genau hinzuschauen. Die Augen nicht vor der Realität zu verschließen. Denn das Leben kennt Hindernisse, Rückschläge, Ungewissheit, Zweifel, Unvollkommenheiten und auch Schuld. Für die Einheit leben bedeutet für mich, all das anzuerkennen, und mich dann zu fragen: „Was ist trotzdem möglich? Wo ist ein Handlungsspielraum? Was lässt sich gestalten?“ Mit Blick auf den Menschen, der gerade an meiner Seite steht.
Ich ahne, dass die Einladung der Generalversammlung sich auf sehr viel mehr Lebensbereiche bezieht. Manches gilt es noch zu entdecken – auch gemeinsam mit den Menschen, mit denen ich unterwegs bin. Auch in der Redaktion werden wir uns sicher noch fragen, was diese Wende für unser Arbeiten bedeutet. Inzwischen freue ich mich, dass viele Beiträge dieser Ausgabe schon die oben genannten Fragen aufgreifen: Etwa wenn Menschen – nicht nur in Südamerika – sich für Wirtschaftsmodelle im Dienst am Menschen engagieren. Oder wenn wir hinschauen, wie es um die Gleichberechtigung von Frauen tatsächlich steht (S. 8-23).
Wir sind unterwegs. Wie Sie auch.
Herzlich, Ihre
Gabi Ballweg
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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Mai/Juni 2026.
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