Nicht zu leichtgläubig

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich von einem Bienensterben in den USA hörte. Später dann las ich ähnliche Meldungen auch aus dem deutschsprachigen Raum.  Das sei doch alles gar nicht wahr, bekam ich von einem Bekannten zu hören, als ich ihn vor einiger Zeit darauf ansprach. Nanu? Was stimmt denn nun?

Wie so häufig ist es komplizierter. So leicht lässt sich nicht sagen: Dies hier ist richtig, das dort ist falsch! Manchmal haben beide Seiten Recht. Und im Fall des Bienensterbens ist die Biene auch eine Chiffre, ein Symbol für etwas viel Größeres. Sie ist ein Lockstoff für das in der Informationsflut ertrinkende Publikum, so wie das Zuckerwasser für die Biene. Oder würden Sie etwa Mitleid bekommen mit irgendeiner ekligen Spinnenart, die vom Aussterben bedroht ist, und sich für deren Schutz einsetzen? Die Biene sammelt unsern Honig und ist, so samtweich und pelzig, eigentlich doch auch selbst ganz süß. Wenn’s der an den Kragen geht, trifft uns das ins Herz. Anders als beispielsweise bei einer Stechmückenart.

Titelbild NEUE STADT 4/2018 (Juli/August) – Gestaltung: elfgenpick.de

Wenn auch nicht so sehr die Honigbienen, so sind doch Wildbienenarten durchaus bedroht. Und viele Insektenarten. Sogar viele Tier- und Pflanzenarten, ja ganze Ökosysteme sind gefährdet. Wohin wird das führen, wenn es so weitergeht? Genau wissen wir das nicht. Aber es sollte uns nicht egal sein. Wir sollten uns Gedanken darüber machen. Wir sollten unsere Einstellung zur Natur überdenken, unsere Gewohnheiten, unser Verhalten. Dafür steht die Biene. Und das versuchen wir mit dem Schwerpunktthema in diesem Heft darzustellen.
Auch bei anderen Themen stoßen wir darauf: Experten legen Studien vor, die eine These belegen, andere legen schlüssige Beweise für das Gegenteil vor. Man muss sich schon mit viel Zeit und Mühe hineinvertiefen, wenn man dann die Rahmenbedingungen und Umstände der Studien verstehen und miteinander vergleichbar machen will. Oder wenn man herausfinden will, welche Behörde oder Organisation die Studien denn finanziert hat. Denn die hat ja vielleicht auch ein Interesse, ein bestimmtes Ergebnis zu erhalten.
Skeptisch bleiben also: Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen, hören oder sehen! Achten Sie auf Ihr gesundes Bauchgefühl, aber schalten Sie auch den Verstand ein. Hinterfragen Sie, wägen Sie ab, forschen Sie nach, beraten Sie sich mit Menschen, denen Sie vertrauen. Seien Sie kritisch. Auch sich selbst, auch uns gegenüber.

Herzlichst, Ihr
Clemens Behr

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(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2018)
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