Rund um Schönes

Vermessene Schönheit

Wie das Empfinden von Schönheit und Liebe entsteht, wollte der Neurobiologe Semir Zeki am University College in London wissen. Er ist Professor für Neuroästhetik – ein Begriff, der Neurologie und Ästhetik vereint.
In seinen Studien hat Zeki herausgefunden, was im Gehirn vor sich geht, wenn Menschen Schönes wahrnehmen, und was alle Bilder, Körper, Landschaften, Klänge, Formeln und sogar Handlungen miteinander verbindet, die Menschen als schön empfinden: Sie gehen mit derselben Hirnreaktion einher. Wann immer Menschen eine ästhetische Erfahrung machen, wird die Region A1 im Stirnlappen des Gehirns direkt hinter der Augenhöhle aktiv. A1 gehört zum emotionalen Gehirn. Es ist Teil eines größeren Komplexes, der sich mit Entscheidungen beschäftigt. Vor allem bewertet er Reize, die wir als angenehm oder als Belohnung empfinden.
Für ihre Studien haben die Forscher Versuchspersonen in Scanner „gesteckt“, die in Echtzeit Gehirnaktivitäten aufzeichnen. Anfangs testeten sie die Reaktionen von Probanden auf Bilder. Später spielten sie ihnen Musikstücke vor; immer reagierte A1, wenn sie ein Bild oder eine Melodie mochten. Zuletzt zeigten die Wissenschaftler Mathematikern Formeln. Auch bei ihnen empfingen sie umso stärkere Signale von dieser Region, je besser denen die Gleichung gefiel.

Ästhetik
Bedeutet wörtlich: Lehre von der Wahrnehmung bzw. vom sinnlichen Anschauen. Ästhetisch ist demnach alles, was unsere Sinne bewegt, wenn wir es betrachten: Schönes, Hässliches, Angenehmes und Unangenehmes. Eine Lehre, die sich hingegen nur mit schönen Dingen beschäftigt, heißt Kallistik.

Goldflicken
Kintsugi, auf deutsch „Technik des Goldflickens“, oder seltener Kintsukuroi, „Goldreparatur“,ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik. Zerbrochene Schalen und Vasen werden dabei wieder zusammengesetzt und an ihren Bruchstellen mit Gold repariert, sodass die Gefäße in ihrer Unvollkommenheit vollkommen werden. Darunter liegt der Glaube, dass etwas, das eine Geschichte und Spuren aufweist, noch zusätzlich an Schönheit gewinnt. Dieser Gedanke steht auch hinter dem japanischen ästhetischen Konzept Wabi Sabi: Es lädt ein,die Schönheit im Vergänglichen, im Makel zu entdecken, „die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt“.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2019)
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