23. August 2026

Vom Aufbrechen und Ankommen

Von nst5

Auf der Walz

Walz bezeichnet die überwiegend im Baugewerbe verbreitete Tradition, sich nach erfolgreichem Abschluss der Lehre auf mehrjährige Wanderschaft zu begeben. Die Walz geht auf das Hochmittelalter zurück, als die zunehmende Spezialisierung vieler Gewerbe einen europaweiten Austausch handwerklichen Wissens notwendig machte. In jüngerer Zeit stößt die Walz auch bei anderen Handwerksberufen auf Resonanz. In der Regel dürfen die Gesellen das 30. Lebensjahr nicht vollendet haben, müssen ledig und schuldenfrei sein. Die Nationalität ist nicht von Belang; die Gesellen müssen jedoch Deutsch sprechen.
In seiner Reisezeit von Handwerksbetrieb zu Handwerksbetrieb, von Herberge zu Herberge, ist es dem Gesellen verboten, den Bannkreis von 50 Kilometern um seine Heimatstadt zu betreten. Er reist immer in Kluft und schwarzem Hut, mit Wanderstock und Reisebündel und führt über die verschiedenen Arbeitsaufenthalte und Reisestationen Buch.
Auf die Walz zu gehen, heißt auch, in eine Gemeinschaft eingebunden zu sein. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden fünf Gesellenvereinigungen („Schächte“), die bis heute fortbestehen. Der Schacht ist das Netzwerk, in dem sich der reisende Geselle bewegt und auf das er immer zurückgreifen kann. War die Walz jahrhundertelang Männern vorbehalten, gibt es seit den 1970er-Jahren auch Schächte, die Frauen aufnehmen. Seit 2014 zählt die Walz zum „immateriellen Kulturerbe“ der UNESCO.
unesco.de

Illustration: (c) smartboy10 (iStock)

Verdreifacht
Die Zahl der Reisen ins Ausland hat sich in den vergangenen 30 Jahren fast verdreifacht. Während es 1995 noch 538 Millionen Reisen in ein anderes Land (mit mindestens einer Übernachtung) gab, waren es 2024 1,52 Milliarden.
In den von UN-Tourism, der Organisation der Vereinten Nationen für die Förderung eines verantwortungsvollen, nachhaltigen und für alle zugänglichen Tourismus, gesammelten Zahlen sind sowohl Urlaubs- als auch Geschäftsreisen enthalten. Die meisten ausländischen Gäste hatte 2024 Frankreich mit 102 Millionen Besucherinnen und Besuchern (1995: 33 Millionen). Österreich zählte gut 32,2 Millionen Gäste (1995: 17 Millionen), die Schweiz 22 Millionen (1995: sieben Millionen) und Deutschland 37,5 Millionen (1995: 15 Millionen). Einige Daten weiterer Länder: Ägypten: 15,8 Millionen (1995: 2,9); Angola: 0, 17 Millionen (1995: 0,009); Argentinien: 6,6 Millionen (1995: 2,3); Kanada: 19,9 Millionen (17,0); Kroatien: 16,2 Millionen (1995: 1,5); Neuseeland: 3,2 Millionen (1995: 1,5); Thailand: 35,3 Millionen (1995: 7,0).
Quelle: UN Tourism (2025) – bearbeitet von Our World in Data

Illustration: (c) FrankRamspott (iStock)

Reisende
Als Inbegriff des ewigen Wanderers gilt der antike griechische Held Odysseus. Seine zehnjährige Irrfahrt durch das Mittelmeer steht für das Unterwegssein, die Sehnsucht nach der Ferne sowie die Suche nach der eigenen Identität und der Heimat. Johann Wolfgang von Goethe prägte mit seiner Italienischen Reise das Ideal der Bildungsreise. Entdecker wie Alexander von Humboldt stehen für den Forschungsreisenden, der die Welt bereist, um sie zu verstehen und zu vermessen.

Foto: (c) Andrew Neel (unsplash.com)

In der Fremde 

Schon bin ich müd zu reisen, 
Wär’s doch damit am Rand, 
Vor Hören und vor Sehen 
Vergeht mir der Verstand. 

So willst Du denn nach Hause? 
O nein! Nur nicht nach Haus! 
Dort stirbt des Lebens Leben 
Im Einerlei mir aus. 

Wo also willst Du weilen? 
Wo findest Du die Statt? 
O Mensch, der nur zwei Fremden 
Und keine Heimat hat.

Franz Grillparzer (1791-1872), österreichischer Schriftsteller




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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Juli/August 2026.
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