22. August 2026

Rücksichtsvoll reisen

Von nst5

Daniela und Johannes Felber

Foto: privat

Daniela und Johannes Felber
leben mit ihren drei Söhnen im Alter von zehn bis zwölf Jahren in Albersdorf-Prebuch, 30 Kilometer von Graz entfernt. Daniela ist Referentin für Schöpfungsverantwortung bei der Katholischen Stadtkirche Graz, Johannes technischer Angestellter in einem Ziviltechnikbüro (Baugewerbe). Felbers reisen leidenschaftlich gern mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie dem Zug.


Wir haben uns entschieden, nicht mit dem Flugzeug zu verreisen und möglichst ohne Auto auszukommen. Zwar haben wir ein Auto, aber nur eins, obwohl wir in der Pampa leben, wo jedes Haus fast so viele Autos wie Bewohner hat. Häufig bleiben wir in der Nähe und schauen, was gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und günstig ist. In der Steiermark ist es schön. Wo wir wohnen, machen andere Urlaub. Wir müssen nicht den neuesten Reisetrends hinterherhecheln!
Wenn wir weiter wegfahren, dann mit dem Zug. Unsere Hochzeitsreise 2012 haben wir zum „Genfest“ der Jugendlichen der Fokolar-Bewegung nach Budapest gemacht. Zu zweit waren wir auch in Florenz und der Toskana, in München und Umgebung. Als unsere Söhne klein waren – die Zwillinge noch nicht in der Schule, haben wir einen Zug- und Radurlaub ins Burgenland und nach Ungarn gemacht. Wir waren mit ihnen schon in Wien, Bad Ischl, Triest. Letztes Jahr eine zehntägige Interrail-Tour: im Nachtzug nach Hamburg, per Schiff nach Helgoland, auf die autofreie Insel – ein Traum, das zu erleben! – , dann Utrecht, Zürich und zurück nach Hause. Wegen dieser Riesen-Tour haben wir dieses Jahr keine große Reise geplant.
Auf Flugreisen verzichten wir, weil wir die Umwelt so wenig wie möglich belasten wollen. Fliegen zählt ja zu den klimaschädlichsten Fortbewegungsarten. Der Trend, über ein Wochenende wegzufliegen, geht uns gegen den Strich! Wir fragen uns: Wenn Leute schon umweltschädigend verreisen, warum bleiben sie dann nicht wenigstens länger? Wer sich einige Tage erholen will, hat auch in der Nähe viele Möglichkeiten! Wir machen mit einer anderen Familie jährlich im Umkreis von fünfzig Kilometern zwei- bis dreitägige Wanderungen. In der Natur unterwegs sein, Vögel beobachten oder Karten lesen ist für die Kinder lebendiger Sachunterricht, der Spaß macht. So haben sie eine große Selbstständigkeit entwickelt.
Uns ist wichtig, wohin unser Geld fließt. Was Unterkünfte oder Essengehen angeht, suchen wir Häuser, die nicht zu einer Kette gehören und keine Touristenmagneten sind. Also eher kleine Familienbetriebe oder ein günstiges Ferienwohnheim. Beides hilft, Kontakte zu knüpfen. Wir suchen Schwimmbäder oder Strände auf, die auch Einheimische nutzen. Im Städteurlaub achten wir auf Innenstadtnähe, um alles zu Fuß oder per Rad erreichen zu können.
Reisen mit Kindern ist nicht immer leicht! Man muss länger recherchieren und genauer planen, bis alles passt. Denn nicht alle Unterkünfte sind für eine fünfköpfige Familie oder für den Bewegungsdrang und das Mitteilungsbedürfnis von Kindern geeignet. Und wenn der gebuchte Liegewagen ausfällt, braucht es starke Nerven! Wobei sich das Zugpersonal dann gerade wegen der Kinder Mühe gibt, eine Lösung zu finden.
Unsere Söhne sagen, unser Urlaub beginne schon im Zug. Die Fahrt ist nicht bloß eine Überbrückung, bis man endlich am Ziel ist. Sie ist kurzweilig: Karten spielen, lesen, picknicken. Bei einer Autofahrt nach Wien haben sie das erste Mal in ihrem Leben einen Stau erlebt und die Warterei fast nicht ausgehalten.


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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Juli/August 2026.
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